Wie „Make No Noise“ entstand

Pavillon 21Make No Noise

2005
Sehe einen Film. The Secret Life of Words von Isabel Coixet. Bin begeistert und google nach Inge Genefke, eine Neurologin, die sich auch in der Realität um traumatisierte Folteropfer kümmert. Maile sie an. Sie kontaktiert schnell Isabel Coixet und die antwortet schnell zurück. Ich bekomme die Bewilligung den Stoff zu bearbeiten, ohne Inge oder Isabel auch nur einmal physisch gesehen zu haben.

2007
In Aldeburgh, der ruhigen Benjamin-Britten-Stadt, treffe ich den australischen Regisseur Matt Lutton. Er hat immer seinen Mac mit. Ich mein Notebook. Wir entscheiden uns eine Oper, basierend auf dem Film The Secret Life of Words, zusammen zu machen. Er fliegt zurück nach Perth, ich nach Prag. Wir mailen hin und her, bereiten unseren Antrag auf ein Stipendium an.

2008
Es klappt: Wir bekommen Unterstützung vom Jerwood Opera Writing Programme. Ich uploade eine Menge von mp3s, Matt schickt mir docs mit verschiedenen Dramen-Texten von jungen Autoren. Darunter eine vorläufige Version von Love Me Tender des Dramatikers Tom Holloway.
Nach drei Jahren von sporadischen Mails treffe ich Inge Genefke in Prag. Sie kommt zu einem Kongress und ist unglaublich.

2009
Matt und ich treffen uns in Melbourne und Sydney. Wir bereiten den Plan zur Oper vor. Jeden Abend skypen wir mit Tom, der gerade in Oslo lebt. Das Libretto gewinnt an Form. Im Sommer fliegen wir alle nach Kopenhagen, dort treffen wir Inge, die auch zu einer der Rollen der Oper wird. Danach alle nach Aldeburgh, Details werden besprochen. Texte werden konkreter, docs länger und länger. Das Mailen zwischen unseren Verlagen und Agenten fängt an. Die Bayerische Staatsoper macht mit. Toms Libretto in letzter Version ist super. Es hat 6637 Worte.

2010
Ich kürze es fast auf ein Drittel. Ich fliege mit Angst nach Sydney, um mit Tom und Matt alles zu finalisieren. Tom akzeptiert meine drastische Verkürzung. Ich fange an, die Partitur direkt in ein Notensatz-Programm zu schreiben. Die mikrointervallischen Simulationen programmiere ich mir genau in cents (c1 ist 6000). Ich will von Tom per Mail einen neuen Titel. Ich mache ihn wahnsinning. Er und Matt wären schon zufrieden. Ich lehne die Mails mit Listen von Titeln hartnäckig ab. Nerve ihn. Schreibe eine Versöhnungsmail. Kurz danach hat er den Titel – ich lese und schnell wird klar: Make No Noise.

2011
Olivier Pasquet aus Paris/IRCAM (dem Mekka des sound designs) fertigt die elektronischen Zuspielungen. Wir tauschen uns die vorab-mp3 normalerweise gegen 2 Uhr morgens aus. Die Partitur ist groß, es werden schließlich einige MB in vier Notensatz-Dateien. Ich schicke der Bayerischen Staatsoper Gesangspartien nach und nach als pdfs, dem Bärenreiter Verlag die originalen Notensatz-Dateien. Der schickt sie weiter an einen Notensetzer in Polen, um die Formatierung zu finalisieren und die Stimmen herauszuziehen. Ich komme nach München zur ersten musikalischen Probe. Erst dort sehe ich meine Partitur auf Papier ausgedruckt. Make No Noise hat 74.205 Noten und 20.520 Pausen.

Am 28. Juni ist die Uraufführung.

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