Vom Orchestergraben ins Klassenzimmer

„Mein Name ist Morten. Ich bin 12 Jahre alt und ich gehe in die 6d der Artur-Kutscher-Realschule. Im Musikunterricht nehmen wir das Thema Orchester durch. Wir müssen dazu Referate halten. Ich habe mir die Posaune ausgesucht. Ich möchte meinen Mitschülern zum Abschluss meines Referates zeigen wie die Posaune in Wirklichkeit klingt, besonders der Unterschied zwischen den hohen und den tiefen Tönen. Ich möchte meinem Musiklehrer gerne einmal stolz machen. Nun meine Frage: Kann ein Posaunenspieler von der Oper zu mir in den Unterricht kommen und bei meinem Referat vorspielen?“

Der 6.-Klässler Morten hat über die Posaune ziemlich gut recherchiert.

Diese Zeilen erreichten uns per E-Mail Anfang Oktober in der Besucherkommunikation. Neben den üblichen Fragen zur Maskenpflicht, Spielplanänderungen und den Einschränkungen des Spielbetriebs freuten wir uns sehr über eine solch ungewöhnliche und gleichzeitig nette Nachricht. Gemeinsam mit dem Orchesterbüro setzten wir sofort alle Hebel in Bewegung, um Morten bei seinem Referat zu unterstützen.

Morten fragte nach nur einem Posaunenspieler – schnell kam jedoch von Seiten unserer höchst motivierten Posaunisten die Idee, in der Artur-Kutscher-Realschule im Trio zu spielen! In Absprache mit Mortens Musiklehrer, der Rektorin und selbstverständlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sollte der Schulbesuch, trotz oder gerade wegen der Einstellung des regulären Spielbetriebs der Oper, stattfinden.

Am 13. November trafen unsere drei Posaunisten Sven Strunkeit, Thomas Klotz und Matthias Kamleiter pünktlich zur zweiten Stunde in der Mensa der Artur-Kutscher-Realschule ein. Morten hatte in der ersten Stunde sein Referat gehalten und so wussten seine Mitschüler bereits gut über die Posaune Bescheid. Den Besuch der Posaunisten hatte er als eine Überraschung für seine Mitschüler geplant. Schüchtern und neugierig zugleich betraten die Schüler der 6d die Mensa, wo sie von den drei Musikern auf der Bühne bereits erwartet wurden. Mit viel Abstand und selbstverständlich  mit  Mund-Nase-Bedeckung nahmen sie an den bereitgestellten Tischen Platz.

Morten, der diese Begegnung initiiert hatte, trat mutig an die Bühne heran und stellte die drei Musiker seinen Klassenkameraden vor. Mit einem langsamen Satz aus Bachy Things von Brian E. Lynn eröffneten die drei Posaunisten diese ungewöhnliche Musikstunde und zeigten die getragenen und pathetischen Klänge einer Posaune.

Auftritt für unsere Posaunisten in der Schulmensa

Zu Beginn noch zögerlich, aber bald immer mutiger kamen die Fragen aus Reihen der 6d. „Seit wann spielt ihr denn Posaune?“ und „Wieso ausgerechnet dieses Instrument?“ Ein Grinsen ging über die Gesichter der Schüler als Solo-Posaunist Sven Strunkeit antwortete: „Ich war so alt wie ihr – 12 etwa – und hatte die Auswahl zwischen Posaune und Querflöte, weil die Wartezeiten an der Musikschule nicht so lang waren. Ich habe dann einen Topf mit Losen gemacht und die Posaune gezogen.“ Bei Thomas Klotz und Matthias Kamleiter dagegen spielten sowohl Opa als auch Papa auch Posaune und so lag die Entscheidung auf der Hand.

Auf die Frage, ob sie denn schon einmal während der Vorstellung einen Fehler gemacht haben, lachten alle drei und Thomas Klotz antwortete: „Klar, Fehler passieren. Wir sind auch nur Menschen. Die Kunst ist aber damit umzugehen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen!“ Ob ihnen denn schon einmal der Zug während dem Konzert abgefallen sei? Auch hier antwortete Thomas Klotz verschmitzt: „Ohja! Das war laut – und passiert einem auch nur einmal im Leben!“ 

Als Matthias Kamleiter demonstrierte, wie es klingt nur auf dem Mundstück zu spielen, ging noch einmal ein allgemeines Lachen durch die Reihen der 6d. Aus dem Mundstück, aus welchem sonst ein weicher Ton erklingt, war nun ein trötendes Geräusch zu hören.

Sowohl die drei Musiker, als auch Morten hatten deutlich gemacht, wie vielseitig die Posaune ist. In ihrem Klang, wie auch in der Musikrichtung, in der sie vorkommen kann. So lag die letzte Frage der Schüler auf der Hand: „Spielt ihr denn auch auf der Wiesn?“ Die drei Musiker nickten zustimmend. Sie selbst zwar nicht, jedoch manche ihrer Kollegen. 

Zum Abschluss spielten die drei Posaunisten noch einmal ein Stück aus Bachy Things von Brian E. Lynn. Dieses Mal erklangen in der Mensa der Artur-Kutscher-Realschule freudige und spielerische Töne. Hier und da konnte man einen Kopf oder einen Fuß im Takt mitwippen sehen. Mit diesen beschwingten Klängen entließen die Musiker die 6d nach dieser außergewöhnlichen Musikstunde in den restlichen Schultag.

P.S.: Vielen Dank an unsere drei Posaunisten, dem Musiklehrer Herr Werr und natürlich Morten für sein außerordentliches Engagement.

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