Vom Kostüm zur Gesichtsmaske

Gesichtsmaske statt Kostüm. Unsere Schneiderei fertigt seit Anfang der Woche nicht nur aufwendige Roben und Ballettkostüme an, sondern spezialisiert sich sozusagen gerade auf ein etwas praktischeres Textilstück: die Gesichtsmaske. Durch Radioaufrufe und die sozialen Medien wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Aktion aufmerksam, die bereits an vielen Theatern umgesetzt wird, und stellten kurzerhand die Produktion auf Masken um.

Zunächst wurden Prototypen genäht und verschiedene Techniken getestet.

Statt feinen Stoffen ist jetzt 100% Baumwolle gefragt. Denn Gesichtsmasken für Altenheime, Essen-auf-Rädern und Kliniken sollen wiederverwendbar, also bei 95°Grad waschbar sein. Weiß, uni, bunt oder gemustert, das ist egal. Die Masken haben nur eine Aufgabe: in sensiblen Bereichen, wie Krankenhäusern, dafür sorgen, dass die Träger möglichst wenig Sprechspeichel verteilen. Er dient also nicht dem Selbst-, sondern Fremdschutz. Natürlich ist so ein selbstgenähtes Produkt kein Ersatz für einen medizinischen Mundschutz, doch diese sind zur Zeit Mangelware.  So rief beispielsweise das Klinikum Dritter Orden in Nymphenburg zu einer Hilfsaktion auf, bei der Freiwillige selbstgemachte Gesichtsmasken spenden können. Eine selbstgenähte Maske schützt nicht vor sogenannten Aerosolen, also Kleinstpartikeln, aber eben vor größeren Tröpfchen.

Geblümt, gestreift, gepunktet: Das spielt keine Rolle.

Mitarbeiterinnen der Kostümabteilungen wurden unter anderem so auf die Problematik aufmerksam und wollten helfen. „Wir haben dann erstmal überlegt, wie genau können wir das umsetzen?“, sagt Ulrich Gärtner, Leiter von Kostüm und Maske. Zunächst wurde im Internet nach Schnittmustern und Verarbeitungstechniken recherchiert, anschließend haben Mitarbeiter an verschiedenen Prototypen getüftelt. „Inzwischen haben wir verschiedene Modelle, die in Kleinstgruppen über das Haus verteilt hergestellt werden“, so Gärtner. „Auch im Homeoffice wird produziert.“

Gestern gingen bereits 250 Masken an diverse Institutionen, die entweder direkt, über Mitarbeiter oder durch Medienaufrufe angefragt hatten: darunter verschiedene Münchner Kliniken, die Münchner Tafel und der Malteser Hilfsdienst. „Wenn die Produktion so weiterläuft, schaffen wir pro Tag derzeit 250 bis 300 Stück“, berichtet Gärtner. Und die erste Rückmeldung gab es inzwischen auch von einer Münchner Klinik: „Wir wollen mehr!“

In kleinen Gruppen oder aus dem Homeoffice werden verschiedene Modelle gefertigt.
Die Masken gehen an Kliniken und andere Einrichtungen.

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