TRISTAN UND ISOLDE hoch 10

 

Zur zehnten Inszenierung von TRISTAN UND ISOLDE an der Bayerischen Staatsoper

Anja Harteros (Isolde), Jonas Kaufmann (Tristan)
© W. Hösl

„Es gibt nichts auf der Welt wie ‚Tristan und Isolde‘, auch bei Wagner nicht. Es gibt nichts, dass so intensiv nur musikalisch klappt und alles erklärt und verklärt“ So beschrieb einst Leonard Bernstein dieses Werk.

Noch heute gilt die Oper als die romantischste Liebestragödie aller Zeiten. Nach seiner Fertigstellung galt sie lange als unspielbar, bevor es am 10. Juni 1865 hier am Nationaltheater uraufgeführt wurde. Möglich war das nur durch Ludwig II., der Richard Wagner und die Produktion bedingungslos unterstützte.
Seit dieser Zeit wurde das Werk hier am Haus vielfach neu inszeniert – die aktuelle Inszenierung von Krzysztof Warlikowski ist bereits die zehnte Neuproduktion. Aus diesem Anlass wagen wir einen kleinen Blick in die Geschichte unserer Inszenierungen.


 

Besetzungszettel der Uraufführung am 10. Juni 1856

Die Uraufführung am 10. Juni 1865

Von seinem Werk fest überzeugt, war sich Wagner vor der Uraufführung sicher, dass „nur mittelmäßige Aufführungen“ die Oper retten könnten: „Vollständig gute müssen die Leute verrückt machen, – ich kann mir’s nicht anders denken. So weit hat’s noch mit mir kommen müssen!“ Dennoch war das Publikum überwältigt!

Doch diese Inszenierung trug auch maßgeblich dazu bei, dass die Rolle des Tristan den Ruf einer mörderischen Partie erhielt. Nur wenige Wochen nach der vierten und letzten Aufführung des Werks starb Ludwig Schnorr von Carolsfeld, der Uraufführungs-Tristan, mit nur 29 Jahren. Die Todesursache ist bis heute unklar. Seine Frau Malvina, die erste Isolde, verfiel deshalb in eine schwere Depression und betrat nie wieder eine Bühne.

Ludwig Schnorr von Carolsfeld (Tristan), Malvina Schnorr von Carolsfeld

Premieren-Besetzung:
Musikalische Leitung: Hans von Bülow
Inszenierung: Eduard Sigl, Richard Wagner
Bühne und Kostüme: Angelo Quaglio II, (1+3. Akt), Heinrich Döll & Christian Jank ( 2. Akt)
Tristan: Ludwig Schnorr von Carolsfeld
Isolde: Malvina Schnorr von Carolsfeld


 

Bühnenbildmodelle der Uraufführung

Bühnenbildmodell, "Tristan und Isolde", 1. Aufzug, Angelo II Quaglio, Herrenchiemsee, Ludwig II. Museum, © Bayerische Schlösserverwaltung, München
Bühnenbildmodell, "Tristan und Isolde", 2. Aufzug, Christian Jank 1865, Herrenchiemsee, Ludwig II. Museum, © Bayerische Schlösserverwaltung, München
Bühnenbildmodell, "Tristan und Isolde", 3. Aufzug, Angelo II Quaglio 1865, Herrenchiemsee, Ludwig II. Museum,
© Bayerische Schlösserverwaltung, München

 

Besetzungszettel der Premiere am 7. März 1880

 

Die zweite Inszenierung von 1880

Die zweite Inszenierung stand bei der Premiere unter der Leitung des langjährigen Musikdirektors Hermann Levi. Doch auch diese Inszenierung forderte ein Todesopfer, wenn auch erst einige Jahre später. Am 21. Juni 1911 dirigierte Felix Mottl diese Oper zum 100. Mal überhaupt, doch während der laufenden Vorstellung brach er am Dirigentenpult zusammen und starb nur wenige Tage darauf.

Premieren-Besetzung:
Musikalische Leitung: Hermann Levi
Inszenierung: Karl Brulliot
Tristan: Herr Bogl
Isolde: Frau Bogl


 

Die Inszenierungen 3-6

Die darauffolgenden Inszenierungen von 1927, 1937, 1947 und 1958 konnten hier in Punkto Skandalen nicht mithalten – trotzdem sind die Bilder noch immer sehenswert.
 

Neuproduktion von 1927

Premieren-Besetzung :
Musikalische Leitung: Hans Knappertsbusch
Inszenierung: Kurt Barré
Bühne und Kostüme: Leo Pasetti (B+K)
Tristan: Otto Wolf
Isolde: Elisabeth Ohms

Otto Wolf (Tristan)
Elisabeth Ohms (Isolde)

Inszenierung von 1937

Premieren-Besetzung:
Musikalische Leitung: Clemens Krauss
Inszenierung: Oskar Walleck
Bühne und Kostüme: Benno von Arent, Kurt Palm, Alexander Stenz-Hentze
Tristan: Julius Pölzer
Isolde: Gertrud Rünger

Figurine Isolde 1937
Figurine Tristan 1937
Getrud Rüger (Isolde), Julius Pölzer (Tristan)
Getrud Rüger (Isolde), Julius Pölzer (Tristan)

 

Helena Braun (Isolde), August Seider (Tristan)

Inszenierung von 1947

Premieren-Besetzung:
Musikalische Leitung: Georg Solti
Inszenierung: Georg Hartmann
Bühne und Kostüme: Richard Panzer
Tristan: August Seider
Isolde: Helena Braun


 

Ludwig Suthaus (Tristan), Martha Moedl (Isolde) © R. Betz

Inszenierung von 1958

Premieren-Besetzung:
Musikalische Leitung: Joseph Keilberth
Inszenierung: Rudolf Hartmann
Bühne und Kostüme: Emil Preetorius
Tristan: Ludwig Suthaus
Isolde: Herta Töpper


 

Die 7. Inszenierung von 1965

Bei der 7. Inszenierung anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Uraufführung kam der „Tristan-Fluch“ erneut an unserem Haus zu tragen. Der Dirigent Joseph Keilberth verstarb bei einer der späteren Aufführungen. Er erlitt einen Herzinfarkt während des zweiten Aktes und starb kurz darauf. Noch heute ist diese Stelle in unserem Notenmaterial markiert. Deshalb ist unseren Musikerinnen und Musikern diese Stelle bis heute noch etwas unheimlich.

Premieren-Besetzung:
Musikalische Leitung: Joseph Keilberth
Inszenierung: Rudolf Hartmann
Bühne und Kostüme: Rudolf Hartmann, Johannes Dreher
Tristan: Fritz Uhl
Isolde: Ingrid Bjoner

 

Ingrid Bjoner (Isolde) © S. Toepffer
Fritz Uhl (Tristan) Otto Wiener (Kurwenal) © R. Betz
Ingrid Bjoner (Isolde), Hertha Töpper (Brangäne) © S. Toepffer
Fritz Uhl (Tristan), Ingrid Bjoner (Isolde) © S. Toepffer

 

Hildegard Behrens (Isolde), Spas Wenkoff (Tristan)

Inszenierung 8 und 9

Die kommenden beiden Inszenierungen von 1980 und 1998 sind einem Teil unseres Publikums noch immer lebhaft im Gedächtnis. Hier erhalten Sie Eindrücke davon:

Inszenierung von 1980

Premieren-Besetzung:
Musikalische Leitung: Wolfgang Sawallisch
Inszenierung: August Everding
Bühne und Kostüme: Herbert Kapplmüller
Tristan: Spas Wenkoff
Isolde: Hildegard Behrens


 

Spas Wenkoff (Tristan), Hildegard Behrens (Isolde), Yvonne Minton (Brangäne) © S. Toepffer
Spas Wenkoff (Tristan), Hildegard Behrens (Isolde) © S. Toepffer

 

Inszenierung von 1998

Premieren-Besetzung:
Musikalische Leitung: Zubin Mehta
Inszenierung: Peter Konwitschny
Bühne und Kostüme: Johannes Leiacker
Tristan: Siegfried Jerusalem
Isolde: Waltraud Meier

Waltraud Meier (Isolde), Siegfried Jerusalem (Tristan) © W. Hösl
Waltraud Meier (Isolde), Siegfried Jerusalem (Tristan) © W. Hösl
Waltraud Meier (Isolde), Marjana Lipovsek (Brangäne) © W. Hösl
Waltraud Meier (Isolde), Siegfried Jerusalem (Tristan), Kurt Moll (Marke) © W. Hösl

 

Am 29. Juni feierte nun die 10. Inszenierung von Tristan und Isolde Premiere am Münchner Nationaltheater. Genießen Sie die Neuproduktion mit Jonas Kaufmann, Anja Harteros und Kirill Petrenko. Alle, die keine Karte ergattern konnten, haben am 31. Juli die Chance, den Stream im Rahmen von Oper für alle zu sehen. Er wird ergänzend auf STAATSOPER.TV live übertragen und ist ab 2. August für 24 Stunden als Video-on-Demand verfügbar.

Jonas Kaufmann (Tristan), Anja Harteros (Isolde) © W. Hösl

Kommentare

  • Am 14.07.2021 um 09:54 Uhr schrieb BARRAL Geneviève

    🇨🇵 Extremely interesting

    This article, which offers a very rich in-depth look at this magnificent work by Wagner, is extremely interesting, exciting and unprecedented. MERCI

  • Am 14.07.2021 um 10:26 Uhr schrieb BARRAL Geneviève

    🇨🇵 Nostalgie

    I nostalgia for the old staging, the sets and the rich period costumes ... which remind us so well of the Nordic legends
    and I am intrigued by this mysterious curse that sometimes seemed to hang over the artists playing the title role .. tragedies making the work even more romantic

  • Am 31.07.2021 um 21:08 Uhr schrieb Thomas Wagner

    Musikalisch ein Hochgenuss – die Inszenierung entspricht dem (Un-)Zeitgeist

    Tristan und Isolde ist und bleibt eine romantische, leidenschaftliche Liebesgeschichte mit Todessehnsucht, und eine Inszenierung soll nichts Anderes tun als das darzustellen. Dazu gebraucht es weder die Deutung, dass Tristan anstelle einer Frau einen Mutterersatz sucht, noch eine "Nicht-Beziehung" von zwei Personen, die verloren und distanziert in einem Bett liegen und Drogen nehmen.
    Das 21. Jahrhundert scheint mit romantischen Geschichten nichts anfangen zu können. Wenn die Regisseure mehr auf die Musik achten würden, bräuchten sie den Inhalt nicht selbst zu deuten - da kommt dann selten etwas Gutes heraus.
    Musikalisch war es ein Hochgenuss. Den Sängern, die auch wirklich gut agiert haben, wäre eine Inszenierung zu gönnen, die nah an Richard Wagners musikalischer Intention ist!

  • Am 02.08.2021 um 10:13 Uhr schrieb Anne-Louise Luccarini

    On demand

    I spent an hour trying to access this from 7 pm on 2 August. No link. I have now watched the introduction four times.

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