Töröööö: Zu Gast im Tierpark Hellabrunn

Samstagmorgen, 6. März 2021, es ist kurz nach 9.00 Uhr, minus 2 Grad: Ich stehe vor Tor 8 in Hellabrunn. Es handelt sich um den Eingang zum Verwaltungsgebäude des Tierparks. Heute wollen wir nämlich mit zwei Sängerinnen, zwei Sängern, einer Akkordeonistin und einer Film-Crew ein Montagsstück für Kinder drehen. Nachdem ich geklingelt habe und die Pförtnerin mir geöffnet hat, stehe ich nun mutterseelenallein im Tierpark, der seit dem 2. November 2020 geschlossen ist (seit 8 März ist der Tierpark für Besucher*innen wieder geöffnet). Es ist eine seltsame Stimmung. Der eisige Wind, der mir schon auf dem Fahrrad, als ich über die Tierparkbrücke fuhr, entgegenkam, macht es nicht leichter. Wie werden wohl die Tiere reagieren? Werden sie überdreht sein oder sich verstecken? Es dauert nicht lange, dann treffe ich die anderen. Wir sind eine Truppe von 15 Leuten – alle negativ auf das Corona-Virus getestet und mit FFP2-Maske unterwegs – und bewegen uns den ganzen Tag neben den Löwen-Brüdern Benny und Max, den sibirischen Tigern Ahimsa und Jegor, der roten Panda-Familie Miu, Justin und dem kleinen Ulli, der Frauen-Eisbären-WG bestehend aus Giovanna, Nanook und Nuna, den roten Riesenkängurus, der Giraffen-Herde und vielen weiteren beeindruckenden Tieren durch den Tierpark.

Nachdem bei den rosa Flamingos bei klirrender Kälte die erste Szene fertig gedreht ist, gehen wir zum Affenhaus. Alle freuen sich darauf – sowohl auf die Affen, als auch auf die Wärme. Der Temperaturunterschied im tropischen Haus ist extrem, noch extremer ist die Luftfeuchtigkeit. Die Linsen unserer drei Kameras sind alle beschlagen; es braucht einen Moment für die Akklimatisierung, sowohl für die Technik als auch für uns. Wir spazieren auf der einen Seite neben dem Krokodil – übrigens das Zootier des Jahres –, der Anakonda und den unzähligen Fischen und auf der anderen Seite an den Schimpansen vorbei nach hinten zu den westlichen Flachlandgorillas. Die haben sofort gewittert, dass heute etwas anders ist: Entweder Stärke demonstrierend schmeißen sie sich mit ganzer Wucht gegen die Glasscheiben oder beobachten ganz genau jeden Schritt und jede Bewegung von uns. Man hat das Gefühl, dass die Gorillas am liebsten auch mitmachen möchten. Und wir sind alle heilfroh, dass uns und die bis zu 180 kg wiegenden Menschenaffen eine sichere dicke Glasscheibe trennt.

Unsere nächste Station ist das Elefantenhaus. Ein Teil der Crew geht schon voraus und filmt im denkmalgeschützten Kuppelbauwerk im byzantinischen Stil den neuen Tierpark-Star: das Elefantenbaby Otto, nach dessen fanfarenartigen Lauten wir unser Konzert benannt haben. Während der Rest der Crew draußen alles aufbaut, warten wir gespannt auf die tonnenschweren Dickhäuter. Futter wurde extra verteilt, damit sie sich auch wirklich direkt vor unserer Linse blicken lassen. Aber Tiere, das lernen wir an diesem Tag, machen eben, was sie wollen. Lange müssen wir warten, bis die Kolosse kommen. Und dann plötzlich sind sie da und die Dreharbeiten müssen ganz schnell gehen, bevor die asiatischen Elefanten die Leckereien gefressen haben und wieder verschwinden.

Auf der anderen Seite des Mühlbachs leben die Pinguine, genauer gesagt die Humboldtpinguine. Diese Pinguinart kommt mit den Münchner Wetterbedingungen gut zurecht, im Gegensatz zu ihren Artgenossen in der Polarwelt; dort leben nämlich die Königspinguine und die Felsenpinguine bei gleichbleibenden geringen Plusgraden. Ob die Pinguine schnattern und tratschen, ob sie uns neugierig beobachten, ob wir tolle Bilder bekommen, das war im Vorfeld alles unklar. Tatsächlich sind sie heute gut gelaunt und verkriechen sich nicht wie beim vorherigen Besichtigungstermin allesamt in den 18 Bruthöhlen, sondern inspizieren neugierig unser Equipment und brillieren daher als grandiose Statisten in unserem Filmprojekt.

In der großen Vogelvoliere drehen wir die meisten Kinderlieder. Nachdem die Gelbbrustaras, eine Papageienart, uns lautstark begrüßt haben und unser Tontechniker wohl gedacht hat, dass man von dem Gesang und dem Akkordeon kaum etwas hören wird, untersuchen wir die Anlage auf die schönsten Aufnahmeorte. Die Aras haben nun untereinander die Rangordnung geklärt, somit gibt der Tontechniker das OK und wir können drehen. Ein Glück, dass wir eine Steadicam (komplexes Halterungssystem für tragbare Kameras, die verwacklungsarme Bilder ermöglicht) dabei haben, so können wir mit den Sängerinnen und Sängern durch die bunte Vogelwelt spazieren.

Unser Drehtag endet im neugebauten Mühlendorf. In wunderbarer Sonnenuntergangsstimmung konzentrieren wir uns auf die letzten Lieder. „Der Kuckuck und der Esel“ – unser Schlusslied – singen die Sängerinnen und Sänger in einer Schaukel für vier Personen – man könnte meinen, dass sie extra für uns gebaut wurde. Auch wenn in den Liedern, der Biber, der Esel und der Kuckuck besungen werden und man die im Video gar nicht sieht, vermitteln die Bilder sehr gut Bauernhof-Idylle. Völlig erschöpft, teilweise durchgefroren, laufen wir zurück durch den Tierpark, erhaschen hier oder da noch einmal ein paar Tiere und genießen die Ruhe und Stille und dass wir die Tiere teilweise „nur für uns“ haben. Schließlich begeben wir uns wieder zum Ausgang, zum Tor 8. Der Traum ist aus und „alle gehen vergnügt nach Haus“.

Ein Beitrag von Benedikt Stampfli

 

Ein herzliches Dankeschön an den Tierpark Hellabrunn für die Ermöglichung des Montagsstücks für Kinder.

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