The 80*81 findings

PerformancePavillon 21

Die 80*81 findings sind ein Blick aus der Zukunft auf die Gegenwart, die unsere Geschichte sein wird.

Wir befinden uns im Jahr 2081. Die 100-Jahr-Feier des Großen Wandels in den Jahren 1980 und 1981 wird begangen.

80*81 findings ist auch die retrofuturologische Analyse einer weitreichenden, kollektiven Amnesie.

Was war passiert? Wir hatten begonnen, all unser Wissen, unsere Erinnerung, unsere Gegenwart auszulagern, fremdzuspeichern. Facebook kannte uns besser als unsere Familie, die Revolution fand auf Twitter statt. Irgendwann hatten wir uns darauf geeinigt, dass wir hier leben und dort erinnern.

Aber schon in den späten 2010er Jahren fingen die Probleme an. Iranischen Hackern war es 2017 gelungen, für einige Monate alle Daten über den Holocaust von den weltweiten Rechnern zu löschen. Und es wurde schlimmer. Daraufhin wurden in den späten 2020er Jahren die ersten Versuche unternommen, das Wissen ins All auszulagern. Eine Mischung aus Sekte und trans-nationaler Sicherheitsagentur, die sich “W.I.R.” (für WeltInnenRaum) nennt, hat das in Radiowellen gelagerte Weltgedächtnis auf Feinstaubkolonien um die Erde verteilt.

Zwei Schwierigkeiten traten auf: Der Widerstand auf der Erde gegen das teure Projekt wuchs. Und das Wissen im All mutierte. Anders als geplant, formierten sich die Kolonien zu Geschwüren und die Entschlüsselung der Bedeutung wurde dadurch fast unmöglich. “Alles ist wahr, und nichts erlaubt”, schrieb William Burroughs 1981 in “Cities of the Red Night”.

Im Jahr 2081 ist die Erinnerung deshalb weitgehend verloren gegangen. Der Versuch, das Weltwissen zu retten, wurde in den 2040er Jahren abgebrochen, als erst 60 bis 80 Prozent im All verteilt waren.

Als eine Konsequenz sind mit der Erinnerung auch Kapitalismus und Kommunismus verschwunden. Die führende Religion ist der Neo-Yogaismus. Einatmen, ausatmen. Der Islam hat sich in Sufi-Yogaismus verwandelt. Niemand weiß mehr, was Gewalt war, was Konflikt, was Schönheit, was Kunst. Wer war dieser Mr. Reagan? Ist Lady Di Michael Jackson?
Demokratie gibt es nicht mehr, 2081 herrscht der Algorithmus, der bestimmt, was gemacht wird und was nicht. Google hat die Vereinten Nationen ersetzt. Alle sind glücklich.

Da werden in kurzer Zeit Entdeckungen von großer Tragweite gemacht: Fast zeitgleich entdecken W.I.R. in Neu Delhi, in Peking und in Johannesburg Überreste von jenen Abschussrampen, die das Weltgedächtnis einst im All verteilten. Auch die Hits der 2030er Jahre, wie Breathe-a-In-a-Breathe-a-Out, die als Trägerwellen dienten, werden rekonstruiert und neu eingespielt.

Eine weitere wichtige Entdeckung sind die 80*81 findings. Im Jahr 2010 unternahmen Georg Diez und Christopher Roth eine Recherche, die sie 80*81 nannten. Es ging um einen Zeitenwandel. Sie machten Interviews, reisten, veröffentlichten Bücher, traten in Theatern auf, Galerien, Nachtclubs. Die Geschichte des Geschichtswandels indes blieb ein Gerücht. Heute scheinen uns ihre Filme, Bilder und Bücher Einblicke zu geben in die Form der Zivilisation, die wir verloren haben, und erzählen vom Großen Wandel. Bislang wurden gesichtet: Eine Prozession am Ganges, Bilder einer schönen Terroristin, Ronald Reagan, Aids, die Ermordung John Lennons, Tennis, Johannes Paul II, viele Gespräche mit Zeitzeugen und ein riesiges Fotoarchiv ohne Beschriftungen.
Das Ideal von Diez und Roth war die Oper. Nur hier, sagten sie, könne die disparate Geschichte Ereignis werden. Obwohl die beiden Forscher längst vergessen sind, wissen wir heute vom Großen Wandel. Wir erkennen uns in unseren Scherben.

Karten und weitere Informationen zu The 80*81 findings
www.2081.li
www.8081.biz

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