Zum Tod von Kurt Moll

07.03.2017

Kurt Moll verstarb am 5. März 2017

Es war einer der flüchtigen Momente im Theater, deren Bedeutung einem erst später klar werden. Am 31. Juli 2006 beendete Kurt Moll seine Bühnenkarriere mit der Partie des Nachtwächters in Wagners Die Meistersinger von Nürnberg, also in jener Oper, in der er bereits bei seinem Debüt 1971 den Pogner verkörpert hatte. Wie ein Clochard mit einem
Supermarkteinkaufswagen rief er zur Nachtruhe, anrührend und unwiederbringlich wie ein anmutiges Adieu. Nun ist er im Alter von 78 Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben.

Rund vierzig Jahre lang hat er zuvor auf allen Bühnen der Welt gestanden und als Inbegriff des Basso cantante unzählige Rollen interpretiert. Seine Klangschönheit und seine  maßstabsetzende sprachliche Diktion gaben ihm  die richtige Autorität für Figuren wie Gurnemanz in Parsifal oder Seneca in L’incoronazione di Poppea. Keiner konnte König Markes Enttäuschung über die Untreue seines Freundes Tristan so sublimierend erzählen wie er: ein humanes Bekenntnis der Verunsicherung und des Verzeihens. Gleiches
gilt für seinen Sarastro in Mozarts Zauberflöte und all die anderen Partien des deutschen und italienischen Fachs, die er gesungen hat. Dabei hatte seine Stimme auch das, was man als vis comica bezeichnet: eine komödiantische Überzeugungskraft. Zwei seiner Paraderollen waren gerade der Baron Ochs in Strauss‘ Rosenkavalier sowie Osmin in Mozarts Entführung aus dem Serail. Der Witz entstand bei ihm nicht durch Chargieren,  sondern weil er die Figuren in ihrem Wollen und Denken ernst nahm, und dadurch beim Zuschauer ein wehmütiges Lächeln und Lachen bewirkte, das im besten Sinne des Theaters  kathartisch, also reinigend, wirkte.

Seine Ehrungen als Kammersänger in Wien, Hamburg und natürlich München drücken aus, wie treu er seinen Wirkungsstätten war und wie integer er von allen seinen Künstlerkollegen  auch weltweit angesehen und verehrt wurde. Stets war er der Idee eines Theaters, das den Menschen vom Menschen erzählen müsse, so nahe, dass die Erinnerung an ihn schlichte menschliche Dankbarkeit bedeutet.

Nikolaus Bachler
Intendant der Bayerischen Staatsoper

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Kommentare

  • Am 09.03.2017 um 09:23 Uhr schrieb Monika Merkle

    endgültiger Abschied

    Armer Kurt Moll,
    ausgerechnet diese "Entführung" NACH W. A. Mozart als Gedenken.. das hat er wirklich nicht verdient

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