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Kabaret WarszawskiOpernfestspieleReithalle

Wie gefährlich ist es, wirklich frei zu sein? Wie sehr soll (oder besser darf) man sich in der Kunst verlieren? Wie sehr bestimmen uns unsere erotischen Sehnsüchte – und Abgründe? Den Auftakt unseres diesjährigen Rahmenprogramms der Münchner Opernfestspiele, den Festspielen in der Reithalle, macht das Gastspiel von Kabaret Warszawski des Nowy Teatr in Warschau – ein großformatiger Abend, der sich mit genau diesen Fragen auseinander setzt.

„Meine Damen und Herren, Mesdames et Messieurs, Ladies and Gentlemen!“ – Das ist der Beginn von Cabaret, dem weltberühmten Musical- und Filmerfolg. Und so stellt auch der Conférencier in Kabaret Warszawski, dem Warschauer Kabarett von Regisseur Krzysztof Warlikowski, seine Revuegirls dem Publikum vor. Wie Cabaret (und dessen Vorlage, John van Drutens Stück I Am a Camera, das wiederum auf Christopher Isherwoods Roman Goodbye to Berlin basiert) dreht sich auch Warlikowskis Neufassung um die junge Amerikanerin Sally Bowles und den Engländer Christopher. Beide träumen im entfesselten Berlin der späten 1920er Jahre davon, als Sängerin beziehungsweise als Autor zu Erfolg zu kommen. Beider Selbstfindung in der Liebe und in der Kunst wird jedoch schließlich durch die erstarkenden Nationalsozialisten ein jähes Ende beschert sein.

John Cameron Mitchells Film Kabaret Warszawski um das schwule Paar Jamie und Jamie, die aus der Routine ihrer Beziehung finden wollen und zunächst bei einer Paartherapeutin und dann in einem Sexclub mit psychotherapeutischen Ambitionen namens Shortbus landen. Im New York der Nuller Jahre entwickelt sich zwischen allen Geschlechtern ein kaleidoskopisches Geflecht aus Begehren, Abhängigkeit und Verweigerung, und das Höchstprivate wird vor dem Hintergrund des 11. September urplötzlich politisch.

Krzysztof Warlikowskis Inszenierung setzt an diesem Abend ganz auf die Ästhetiken des Kabaretts: Lustvoll lässt er Revuegirls aufmarschieren, es wird gesungen und getanzt, was das Zeug hält – doch die Brüche sind offensichtlich. Hinter der glamourösen Fassade des Varietés lauern tiefe Abgründe. Im Inneren der Personen, in der Gesellschaft, in der Politik. Trost finden die Protagonisten allein in der Gemeinschaft des Kabaretts. Und plötzlich liegen das Berlin der 1920er und das New York der Nuller Jahre ganz nah beieinander.

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