Wie wollen wir miteinander sprechen? Einige Anmerkungen in eigener Sache

Il Trovatore

Seit November 2009 ist die Bayerische Staatsoper mit einer eigenen Seite auf Facebook vertreten. In den dreieinhalb Jahren wurde dort viel „geliked“, aber auch leidenschaftlich und kontrovers über Aufführungen gestritten. Seit kurzem jedoch hat sich ein Ton in die Diskussion geschlichen, der mehr als rau ist. „Eure Seite verkommt mehr und mehr zu einer Hass-Seite“, schrieb uns ein besorgter User in einer privaten Nachricht. Was ist da passiert?

Als wir kürzlich ein erstes Foto aus der Neuproduktion von Giuseppe Verdis „Il trovatore“ posteten, passierte zunächst nichts Ungewöhnliches: Viele User drückten den „Gefällt mir“-Button, andere schrieben, dass sie sich auf die Aufführung oder den Live-Stream am 5. Juli freuen würden. Natürlich gab es auch ablehnende Stimmen zum Foto: die Kostüme seien hässlich, die Aufführung wurde bereits im Vorfeld als „unpassend“ gescholten und vieles mehr. Nach und nach schlichen sich Häme und Aggressivität in die Diskussion mit ein. Künstler des Hauses, die Administration der Bayerischen Staatsoper und die Moderation der Facebook-Seite, aber auch andere User wurden unsachlich angegriffen. Künstler und Diskussionsteilnehmer wurden als psychisch krank bezeichnet; uns wurden Nazi-Methoden vorgeworfen.

Mittlerweile kann das Bild über 200 Kommentare verbuchen, viele davon wütend und aufgebracht.

Eigentlich sollte doch eines selbstverständlich sein, egal ob nun für die Kommunikation im Netz oder wenn man sich tatsächlich gegenüber steht: Gegenseitiger Respekt und Toleranz für andere Sichtweisen, ob man diese nun teilt oder nicht, sollten essentieller Bestandteil einer Diskussion sein.

Bisher schien uns all dies alles als grundlegend vorausgesetzt. Leider ist dies jedoch offenbar nicht der Fall. Schweren Herzens haben wir uns zur Einführung einer Netiquette entschieden. Damit wollen wir einige grundlegende Regeln festhalten, die niemanden einschränken sollen, die inhaltliche Auseinandersetzung jedoch auf einer vernünftigen Basis befördern soll.

Wir wollen keine gleichgeschaltete Wohlfühl-Seite, auf der unsere Produktionen ausschließlich gelobt werden. Sehr wohl wollen wir jedoch eine Seite, auf der sich jeder einzelne User wohlfühlen kann.

Wir möchten also nochmals alle unsere User um eines bitten: Bleiben Sie kritisch, aber bleiben Sie auch fair! Egal, ob das Gegenüber die Bayerische Staatsoper mit all ihren Mitarbeitern, die Künstler des Hauses oder Ihre Mitdiskutierenden sind – auf der anderen Seite steht immer ein Mensch.

Kommentare

  • Am 25.06.2013 um 11:30 Uhr schrieb Eva Riedel

    Ich möchte Sie in diesem Bemühen ausdrücklich unterstützen! Es wäre sehr schade, wenn der Austausch von Meinungen, die sicher auch kontrovers sein können, beinträchtigt würde durch Teilnehmer, die sich total im Ton vergreifen - und auf deren Beiträge man nicht einmal reagieren möchte, weil sie sich sonst noch wichtiger fühlen.
    Ihr Team macht eine sehr gute Arbeit! Danke!

  • Am 25.06.2013 um 13:12 Uhr schrieb Martina Hennig

    Der Trend zur "Kulturlosigkeit" geht meines Erachtens weiter abwärts. Ich beobachte, dass Menschen nicht mehr mit einander kommunizieren können - und die Kultur des Streitens gehört ebenfalls dazu. Sobald die Meinungsäußerung anonym wird, kommen Wut oder sogar Hass hoch - doch worauf eigentlich? ?- Mancher verwechselt zudem den Begriff der "freien Meinungsäußerung" mit "Beschimpfung" - und das können wir trotz aller Toleranz nicht dulden. Auch Höflichkeit ist im Wortschatz Vieler nicht mehr vorhanden, es zählt das ICH: was ICH blöd finde, muss ICH unbedingt äußern - andere Ansichten und Argumente zählen nicht.
    Deshalb: Eure Reaktion ist vollkommen RICHTIG!

  • Am 26.06.2013 um 12:42 Uhr schrieb Ingrid

    Bin bei Facebook nicht angemeldet und werde das auch zukünftig nicht tun. Hörte nur von dieser Schlammschlacht und verstehe Ihre Reaktion vollkommen. Ich war ja schon glücklich, dass das Forum wieder lebendiger wurde und Kritik, die dort eigentlich immer im Rahmen blieb, sehr zuvorkommend und höflich beantwortet wurde. Dafür habe ich die Moderation schon sehr bewundert, denn es gab ja Zeiten, da wurde man bei der geringsten Kritik an Künstlern ausgeschlossen. Das bedauere ich noch heute, denn so lebendig und schön wie damals ist das Forum doch nie wieder geworden. Die Diskussionen haben sich jetzt auf Facebook verlagert, aber eine Qualität bekommen, die mir sicher ebenfalls nicht gefallen würde. Wünsche allen Beteiligten sehr, dass zukünftig die Netiquette ganz selbstverständlich gehalten wird und nicht eingefordert werden muss.
    Das Leben soll doch allen auch Spaß machen und nicht nur Belastung sein.
    Herzliche Grüße

  • Am 26.06.2013 um 17:47 Uhr schrieb Elfi

    Ich schließe mich der Meinung von Ingrid zu 100 % an.

    Bin ebenfalls nicht bei facebook angemeldet und werde es
    niemals tun, aber öffnen und lesen kann man die Kommentare durchaus. Die wurden in der letzten Zeit immer gehässiger und boshafter gegeneinander, so dass einem die Luft weg geblieben ist. Gut, dass man im BLOG nun auch etwas dazu schreiben kann.
    Als Opernliebhaberin fällt mir aber auch nur dazu ein
    "Es ist doch nur Oper".
    Wie kann man sich derart giften, nur weil es den eigenen Geschmack nicht trifft.

    Ingrid hat Recht "Das Leben und auch die Kunst soll doch Spaß machen und keine Belastung sein".

    Herzliche Grüße liebe Ingrid und Internetredaktion
    Elfi

  • Am 26.06.2013 um 17:55 Uhr schrieb Wilhelm Bock

    Ja, Anstand und Respekt sind nicht mehr "In" - leider. Es müsste doch die Möglichkeit bestehen, solche User für alle Zeiten zu sperren. Facebook müsste doch diesen Service bieten können? Ich hoffe, dass derartige Entgleisungen auch ohne Sperrung nicht mehr vorkommen. Alles Gute weiterhin...

  • Am 17.07.2013 um 23:49 Uhr schrieb rrbeojtddz

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  • Am 20.01.2014 um 18:55 Uhr schrieb Michael

    Es lebe die Kritik.
    Der Sinn dieser ist ja nicht zu gefallen.
    Und genau "es ist nur Oper". Also cool bleiben und mal über Ursache und Wirkung nach denken.
    Ich freue mich das es Stimmen gegen den Euro-Trash, auch in München, gibt.

  • Am 20.01.2014 um 19:17 Uhr schrieb Sibylle Luise Binder

    Ich bin auf Facebook angemeldet und habe als kritische Teilnehmerin an der Debatte teilgenommen. Dabei muss ich der BSO zu Gute halten, dass sie nicht - wie leider manches andere Haus - pauschal alles sperrt, was nicht in ihr Horn bläst. Das weiß ich zu schätzen.
    Tatsache ist aber, dass die "Entgleisungen" nicht nur von Seiten der Gegner des Regietheaters kamen, sondern oft genug auch von seinen Verteidigern auf Seiten der BSO. Jeden, der Regietheater nicht bejubelt, pauschal als "ewig gestrig" (wenn nicht gar schlimmeres) zu beschimpfen und ihm zu unterstellen, dass er keine Ahnung von der Oper und die intellektuelle Tiefe des Comics auf der Rückseite der Cornflakes-Schachtel hätte, kann's auch nicht sein.

  • Am 20.01.2014 um 19:37 Uhr schrieb Alexandra Zumoberhaus

    Ich rechne der BSO hoch an, dass kritische Stimmen nicht gleich gelöscht werden und die Schreibenden nicht gleich blockiert werden - wie übrigens an anderen Häusern Deutschlands ganz normal.. Die Debatten entstanden durch Liebe zur Oper und sollten ernst genommen werden! Wollen wir hoffen, dass die BSO wieder zu unserem geliebten Haus wird, das wir gerne besuchen, weil die Kunst, der Komponist hier im Mittelpunkt steht und nicht der sich selbstverwirklichende Regisseur.

  • Am 20.01.2014 um 21:40 Uhr schrieb Stefan Simon

    Ich kann durchaus verstehen, dass sich Menschen, die die Oper lieben und so wie ich, seit langer Zeit auf Grund des Regietheaters, dem sie nichts abgewinnen können, von den Opernhäusern ausgechlossen werden, auch in weniger gesetzten Worten ereifern.
    Ich kenne meine Opern sehr gut und bin durchaus nicht auf die Erklärungsversuche oder mutwilligen Zerstörungen eines Regisseurs angewiesen, der seine Position verkennt.
    Der Regisseur ist Anwalt des Stückes und Handwerker Nicht mehr und schon gar nicht weniger.

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