„Was!? Ein Duschraum? Für den...?!“

AnekdotenGeschichteHans Knappertsbusch

Zum Thema München fällt mir die Zeit ein, als ich von New York nach München übersiedelte. Damals lag das Nationaltheater, wie soviele europäische Opernhäuser, nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs in Trümmern, wodurch die Tätigkeiten der Bayerischen Staatsoper ins Prinzregententheater, damals ein recht baufälliges Ausweichquartier, verlegt werden mussten. Für mich als Zuschauer war die Verlegung der Oper unbeschwerlich. Das Publikumsareal – Zuschauerraum, öffentliche Einrichtungen – war recht ansehnlich und bequem und die Vorstellungen umwerfend.

Wie ich jedoch später erfuhr, waren die Zustände hinter der Bühne damals ausgesprochen unangenehm, und alle Theaterangehörige sehnten sich danach, endlich aus diesem unpraktischen Provisorium herauszukommen.

Fast jeden Tag gab es eine neue Quelle des Ärgers, z.B. als ein betont dynamischer osteuropäischer Dirigent nach München kam um eine längere Reihe von Gastdirigaten zu absolvieren, wobei er zu seinem Entsetzen feststellen musste, dass seine Garderobe nicht mit einer Dusche ausgestattet war. Für einen Künstler, der gewohnt war, überaus körperbetont am Pult zu agieren, war ein Ankleideraum ohne Bademöglichkeit ein Unding. Oft verließ er den Orchestergraben klitschnass geschwitzt.

Um diesen Missstand zu beheben, setzte sich die Hausverwaltung mit den zuständigen Architekten in Verbindung, um in Erfahrung zu bringen, ob ein Duschraum in die Gastdirigentengarderobe eingerichtet werden könne. Man bekam die Auskunft, dass zwar ein Einbau nicht in Frage käme, jedoch könne man ein paar Kubikmeter von der anliegenden Ehrengarderobe des hochverehrten, hochbetagten Herrn Generalmusikdirektor a.D. Hans Knappertsbusch zu diesem Zwecke als Anbau abkapseln, aber dies dürfe nur mit vorheriger Genehmigung des greisen Pultfürsten in die Wege geleitet werden, da Knappertsbusch auf seine alten Tage noch gelegentlich ein paar Abende pro Saison zu dirigieren pflegte.

Eine Abgesandtschaft wurde versammelt, um bei Knappertsbusch zu Hause vorzusprechen in der Hoffnung, diese Umbaugenehmigung einzuholen. Knappertsbusch traute seinen Ohren nicht: “Was!? Ein Duschraum? Für den…?!” brüllte er, “Kommt das Schwein immer noch ungewaschen in die Oper!?”

Ob die Genehmigung erteilt und der Umbau getätigt wurde, ist mir unbekannt.

Kommentare

  • Am 27.01.2011 um 11:41 Uhr schrieb M. Fischer

    Das Buch "Immer bekommt der blöde Tenor die Dame" habe ich in wenigen Tagen verschlungen - wirklich ein hervorragender Buchtip.

  • Am 22.05.2014 um 13:49 Uhr schrieb DanAvl

    Schade das man nicht weiß wie die Geschichte ausgegangen ist, ich fande Sie sehr unterhaltsam. Da hat der Knappertsbusch wohl nicht so tatkräftig dirigiert, wenn er diese Dusche nicht benötigte.

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