Wagners „Ring“ – von der Uraufführung bis heute

Richard WagnerRing Des NibelungenGeschichteAusstellung

Nicht nur wegen der Uraufführung von „Rheingold“ und „Walküre“ am hiesigen Königlichen Hof- und Nationaltheater: München war und ist eines der wichtigsten Zentren der Wagner-Rezeption. „Von der Welt Anfang und Ende“ hat das Deutsche Theatermuseum nun seine Ausstellung über die Inszenierungsgeschichte des „Ring des Nibelungen“ in München betitelt, die dort anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten bis zum 20. Oktober 2013 zu sehen ist.

Vorab der Tipp: Bringen Sie Zeit mit, wenn Sie diese Ausstellung besuchen! Über zweieinhalb Stockwerke sind die Aufführungsfotos, Bühnen- und Kostümentwürfe, Dokumente, Kritiken und Theaterzettel präsentiert. Dicht an dicht stehen die Exponate, und so gibt es viel zu sehen, lesen, hören – und zu staunen.

Von der Konzeption und Entstehung der Tetralogie über die (vom Komponisten nicht gewünschte, aber von König Ludwig II. durchgesetzte) Uraufführung der ersten beiden Teile am Königlichen Hof- und Nationaltheater über eine Fülle von Interpretationen bis hin zu Andreas Kriegenburgs Inszenierung aus dem vergangenen Jahr reicht die über 140-jährige Aufführungsgeschichte, die nun vorgestellt wird.

Die Ausstellung weitet den Blick aber auch auf Regiekonzepte außerhalb Münchens, zeigt Fotos, Entwürfe und Aufzeichnungen vor allem von Aufführungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Deutungsansätze werden erläutert, Parallelen aufgezeigt und Zeitgeistiges evident gemacht. Dass Patrice Chéreaus Bayreuther „Jahrhundert-Ring“ keineswegs im luftleeren Raum entstanden ist, zeigen beispielsweise Bilder aus einer (Sprechtheater-)Aufführung im Werkraum der Münchner Kammerspiele von 1971: Bereits hier versetzte Regisseur Ulrich Heising die Handlung ins 19. Jahrhundert – und las den „Ring“ im Kontext der industriellen Revolution.

Ein spektakulärer Fund gelang den Ausstellungsmachern in der Beleuchtungsabteilung der Bayerischen Staatsoper: Dort hatten einige Projektionsplatten für die „Walküre“ aus dem 19. Jahrhundert die Zeitläufte überdauert – und haben nun im Zuge der Ausstellung wieder den Weg an die Öffentlichkeit gefunden. Bemerkenswert daran ist vor allem, dass offenbar bereits in den ersten Münchner Aufführungen der Walkürenritt den Wünschen Wagners entsprechend durch „Nebelbilder“ gezeigt wurde, also durch Projektionen auf den Bühnenhintergrund. In der Uraufführung hatte Ludwig II. noch die Darstellung der Walküren durch verkleidete Stallburschen auf echten Pferden durchgesetzt.

Höchst aufschlussreich ist auch der umfangreiche Katalog, der auf 240 Seiten die Ausstellung aufarbeitet und die Aufführungsgeschichte durch umfangreiches Bild- und Textmaterial eingehend beleuchtet.

Die Münchner Geschichte des „Rings“ ist eine Geschichte von kritikloser Anbetung und von brüsker Ablehnung gleichermaßen. Epigonenhaftes steht in der Schau im Theatermuseum neben Revolutionärem, stilbildende Interpretationen treffen auf generationenlange Nachahmung. Eins jedoch scheint nach dem Besuch der Ausstellung sicher: Wagners „Ring“ wird noch einige Generationen von Interpreten beschäftigen.

Von der Welt Anfang und Ende
„Der Ring des Nibelungen“ im München
Deutsches Theatermuseum
Galeriestr. 4a (Hofgartenarkaden), 80539 München
Bis 20. Oktober 2013, täglich außer Montag, 10 bis 16 Uhr
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