„Wachsendes Geräusch wie von Schmiedenden“

Das RheingoldBühnenmusikRing Des NibelungenRichard WagnerSchlagzeug

Die Verwandlungsmusik zur dritten Szene von Das Rheingold gehört zu den vielleicht eindrücklichsten Stellen des „Vorabends“ von Richard Wagners „Ring“-Tetralogie. Aus dem vorwärtsdrängenden Rhythmus des Orchesters kristallisiert sich hinter der Szene allmählich anschwellendes metallisches Hämmern heraus, bevor Wotan und Loge ihre Reise in die Unterwelt von Nibelheim fortsetzen. Wir haben nachgeschaut, wie das mit den Ambossen funktioniert.

Gruppenbild mit Ambossen und Eisenbahnschienen: die Schlagzeuger der Bühnenmusik
Gruppenbild mit Ambossen und Eisenbahnschienen: die Schlagzeuger der Bühnenmusik

Positioniert sind die sechs Musikerinnen und Musiker auf der Großen Probebühne des Nationaltheaters. Die räumlichen Gegebenheiten auf der Hinter- und Seitenbühne  lassen es nämlich nicht zu, die Schlagzeuger direkt dort zu positionieren. So werden die Rhythmen der Ambosse mit Mikrophonen auf der Probebühne abgenommen und auf die Lautsprecher hinter der Bühne und in den Zuschauerraum übertragen. Der räumliche Eindruck, den Wagner erreichen wollte, kann durch die unterschiedliche Anordnung der Lautsprecher im Bühnenraum erzeugt werden. Besonderer Clou: Eigentlich fordert Wagner in seiner Partitur 18 (!) Ambosse. Durch die Möglichkeiten der Tontechnik werden die neun eingesetzten Ambosse dupliziert.

Dieser hat natürlich ganz genaue Vorstellungen davon, wie die Ambosse zu klingen haben. Darum auch ist Claudio Estay, Schlagzeuger im Bayerischen Staatsorchester, eigens zu einem Anbieter für Hufbeschläge in Daglfing gefahren, der auch Ambosse im Angebot hat. Ein außergewöhnlicher Kunde für ein Geschäft, das ansonsten vor allem Hufschmiede und Reiter zu seiner Stammklientel zählt: Denn nicht Größe und Form des Ambosses sind für Claudio Estay wichtig, sondern natürlich der Klang. Und so spielte er einige Ambosse Probe und brachte eine kleine Auswahl für den Generalmusikdirektor mit, der dann wiederum die finale Auswahl traf.

Drei kleine, drei mittlere und drei große Ambosse werden also bespielt. Naja, nicht ganz: Für die tiefen Stimmen hat sich Generalmusikdirektor Kirill Petrenko, der die Wiederaufnahme des Rheingolds leitet, für Eisenbahnschienen und Stahlrohre entschieden.

Über Kopfhörer können die Schlagzeuger und ihr musikalischer Leiter, Gregor Raquet, das Orchester hören. Ein Bildschirm ermöglicht außerdem den direkten Kontakt zum Dirigenten Kirill Petrenko.

Insgesamt neun Ambosse, Eisenbahnschienen und Stahlstangen werden für die Fahrt nach Nibelheim gebraucht.
Insgesamt neun Ambosse, Eisenbahnschienen und Stahlstangen werden für die Fahrt nach Nibelheim gebraucht.
Ein Blick in die Partitur
Ein Blick in die Partitur

Das „wachsende Geräusch wie von Schmiedenden“ ist also akribisch vorbereitet und geprobt, nichts in dieser knappen Minute Musik (und dem erneuten Einsatz der Ambosse beim Orchesterzwischenspiel zur vierten Szene) wird dem Zufall überlassen – und die bedrohliche Atmosphäre der Schmiede Nibelheims wird spürbar. Einen kleinen Höreindruck davon gibt dieser Ausschnitt:

Das Rheingold: Verwandlungsmusik zur 3. Szene (Auszug)

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