Von musikalischen Giganten und einem gigantischen Geburtstagsprojekt

La Fura Dels BausWagner Vs. VerdiRichard WagnerGiuseppe VerdiVox Populi

Viele wundersame Dinge sind dieser Tage auf dem Marstallplatz und dem Max-Joseph-Platz zu sehen: Es kann sein, dass einem zwei an Kränen aufgehängte Puppen wie riesige Marionetten zuwinken, dass einem unvermittelt eine Gruppe Hexen über den Kopf fliegt, dass man Pferde durch die Luft reiten sieht, dass tief in der Nacht an der Beleuchtung der Fassade des Nationaltheaters und der beiden davor befindlichen großen Bühnen gefeilt wird.

Doch es besteht kein Grund an seinen Sinnen zu zweifeln: Hier wird geprobt und zwar für Wagner vs. Verdi – ein Projekt, das so groß ist, dass es auf keiner Probebühne der Staatsoper Platz hat. La Fura dels Baus und eine Unmenge an Artisten, Schauspielern und natürlich vielen freiwilligen Helfern aus München und Umgebung studieren die szenischen Abläufe des großen Zweikampfes zwischen den Komponistenjubilaren Richard Wagner und Giuseppe Verdi ein, der am Freitagabend auf dem Max-Joseph-Platz ausgetragen wird.

Natürlich findet der Kampf der beiden Musiktheater-Giganten aber neben dem tatsächlichen Duell der Wagner- und Verdi-Puppe auch auf musikalischer Ebene statt. Moritz Eggert komponierte die Musik für die Züge der beiden Komponisten durch die Stadt und für die Solisten des Staatsorchesters, die währenddessen, sozusagen zur Einweihung des Kampfplatzes (Wagner hätte wohl lieber von der „Walstatt“ gesprochen) von allen Seiten des Max-Joseph-Platzes spielen.

Hier beginnt die Sache komplex zu werden. Darf man eigentlich aus den Fenstern der umliegenden Gebäude hinausspielen? Wie verstärkt man die Musiker so, dass sie auf dem ganzen Platz zu hören sind? Wie verhindert man, dass sie im Zuschauerraum des Residenztheaters und des Nationaltheaters, in dem parallel Der fliegende Holländer gespielt wird, gehört werden? Woher wissen die einzelnen Musikgruppen, wann sie zu spielen haben?

Ein Eindruck des Planungsaufwandes der Veranstaltung gefällig? Nun: Die Schlagwerker des Orchesters spielen um 20:44 ein Stück von der Residenz aus, bis um 20:51 die Trompeter mit einer Fanfare einsetzen. Nun haben die Schlagwerker genau drei Minuten Zeit um den Max-Joseph-Platz zu überqueren, damit sie um 20:54 ihre Position in der Fußgängerzone einnehmen und von dort spielen können. Auch hierfür ist das Zeitfenster klein – um 20:57 spielen die tiefen Blechbläser aus vier Fenstern an der Westseite des Platzes.

Dies ist allerdings erst der Anfang: Wenn beide Puppen mitsamt den dazugehörigen Kapellen auf dem Platz eintreffen, befinden sich dort bereits zwei sinfonische Blasorchester – natürlich eines aus Deutschland und eines aus Italien, die den musikalischen Wettstreit ausfechten. Hierbei werfen sie sich in einer Art musikalischer Dialog-Collage gegenseitig Zitate aus den Werken der Komponisten zu. Da kommt es schon mal vor, dass einer der beiden Protagonisten wütend wird, dem anderen ins Wort fällt und Wagner und Verdi sich so überlagern, dass man sie kaum mehr getrennt wahrnehmen kann. Wie die große Schlacht endet wird hier natürlich nicht verraten.

Das Notenmaterial für die Blasorchester stammt aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten. Die Zusammenstellung der Noten für die großen und vielfältigen Besetzungen der Orchester war eine weitere Mammutaufgabe, doch das war natürlich noch immer nicht alles: Am Ende des Abends bestreiten alle Beteiligten das große Finale. Wie kann man nun sicherstellen, dass alle Gruppen miteinander spielen?

Wie stellt man sicher, dass Hunderte von Musikern, die über einen großen Raum verteilt stehen sicheren Kontakt zum Dirigenten haben? Wie sorgt man dafür, dass die Musiker im Freien ausreichend Licht haben? Und ausreichend Platz? Dies ist nur ein Bruchteil der Fragen, die es bei einem Projekt dieser Dimension zu lösen gilt.

Hoffen wir, dass die Geburtstagskinder es zu schätzen wissen!

Weitere Informationen unter Wagner vs. Verdi

Kommentare

  • Am 26.01.2014 um 11:27 Uhr schrieb Türkei Ferien Bericht

    Wow! Beeindruckend! Diese Figuren habe ich bereits schon mal in meinen Ferien in der Türkei gesehen. Wirklich beeindruckend und ein wahrliches Kunstwerk. Kompliment an den Künstler.

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