US-Konsulin in „The Consul“

06.04.2017

Die Regisseurin Christiane Lutz, die US-Generalkonsulin Jennifer Gavito mit ihrem Ehemann Anthony Gavito sowie Jonas Kaufmann

Die Regisseurin Christiane Lutz, die US-Generalkonsulin Jennifer Gavito mit ihrem Ehemann Anthony Gavito sowie Jonas Kaufmann

Die US-Generalkonsulin in München Jennifer Gavito besuchte am vergangenen Freitag gemeinsam mit ihrem Ehemann Anthony Gavito eine Vorstellung von The Consul im Cuvilliés-Theater - eine von Christiane Lutz inszenierte Produktion unseres Opernstudios. Wir nutzten die Gelegenheit und sprachen nach der Aufführung mit ihr.


Es ist witzig, dass Sie als US-Konsulin in die Oper The Consul , die auch in einem europäischen US-Konsulat spielt, gehen. Ist das ein Zufall?

Nein, das ist kein Zufall. Im Rahmen der Produktion The Consul fand ein Fotoshooting im US-Konsulat statt. Hier habe ich einen Sänger des Opernstudios (Galeano Salas, Anm. d. Redaktion) kennengelernt, der auch Amerikaner ist. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte von dieser Oper. Ich wollte die Oper dann unbedingt sehen.

Wie und was hat Ihnen persönlich als Konsulin an The Consul gefallen?

Erstmal finde ich das Setting der Oper interessant. Unsere Visum-Abteilung auf der Bühne zu sehen – das ist schon witzig. Was mir überdies sehr gut gefallen hat, ist die Thematik per se: Die Gesetze und die Ordnung eines Staats gegenüber den menschlichen Einzelschicksalen. Heutzutage müssen wir, nicht nur die USA, sondern alle westlichen Länder, über solche Themen nachdenken. Denn wir haben viel Einwanderung und viele Flüchtlinge, die bei uns eine bessere Situation suchen. Das muss mit unseren Gesetzen in Balance gebracht werden. Ich finde es sehr gut, dass es eine Oper aus den 1950er Jahren gibt, die genau diese aktuellen Themen anspricht.

In der Oper steht das Flüchtlingsthema im Zentrum des Geschehens. Nun spielte sich in den vergangenen Jahren hier in Deutschland ein Teil der europäischen Flüchtlingskrise ab. Inwiefern waren und sind Sie als amerikanische Konsulin von deren Auswirkungen betroffen?

Natürlich beobachten wir das. Wir haben in den USA jedes Jahr über eine Million legale Einwanderer und insgesamt leben elf Millionen illegale Einwanderer bei uns. Vor allem die Gründe für die europäische Flüchtlingskrise und der Krieg in Syrien sind nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt relevant. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit unseren europäischen Partnern zusammen und unser gemeinsames Anliegen ist es, die Probleme vor Ort zu lösen. Denn wenn der Krieg weiter gehen sollte, werden die Flüchtlinge überall Zuflucht suchen. Unser Ziel ist es, dass die Leute in ihrer Heimat bleiben können und dort stabile und sichere Verhältnisse vorfinden.

Ganz viele Personen in The Consul beantragen ein Visum. Alle sind in einer Notsituation und scheitern am Visum und so an der Bürokratie. Haben Sie den Eindruck, dass dies – also nicht einreisen zu können – auch gerade ein Thema in Amerika ist?

Das ist immer ein Thema. Ich selbst habe vor zwanzig Jahren auch Visa ausgestellt und kann mich immer noch an schwierige Fälle erinnern. Viele Leute empfinden das Antragstellen als einen kalten bürokratischen Prozess. Doch ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dem nicht so ist. Es gibt Gesetze, die befolgt werden müssen und manchmal können wir aus bürokratischen und gesetzlichen Gründen nicht helfen, obwohl wir das gerne tun würden. Ich selbst habe solche Fälle erlebt: Ich weiß, dass ich aus rechtlicher Sicht zwar die richtige Entscheidung getroffen habe, doch dem Betreffenden konnte ich damit nicht weiterhelfen. An solche Fälle erinnere ich mich auch jetzt noch nach zwanzig Jahren.

Wie also auch die Sekretärin im Stück: Sie lässt am Ende ihre kühle Maske fallen und bringt ihr Mitgefühl in ihrer Arie All those faces zum Ausdruck.

Ja, genau. Man versucht, ein bisschen Distanz zu wahren. Es gibt in allen Ländern Gesetze, die nicht in allen Situationen passend sind. Themen wie etwa Grenzsicherheit sind durchaus wichtig, doch wir dürfen nicht vergessen, dass wir es auch mit Menschen und deren Schicksalen zu tun haben.

Die Oper ist sehr emotional. Sie zeigt explizit Einzelschicksale auf, die einem ans Herz gehen. Wie stark ist Ihr Berufsalltag von Emotionen bzw. Einzelschicksalen geprägt? Oder stehen bürokratische Fragen im Vordergrund?

Ich persönlich habe sehr lange im mittleren Osten in Ländern wie Libanon und Syrien und auch in Jerusalem gearbeitet - also in Regionen, die heute unmittelbar oder mittelbar vom Krieg betroffen sind. Wenn ich etwa über die Situation in Syrien lese, berührt mich das persönlich. Es ist somit unmöglich, immer nur bürokratisch zu denken. Doch ich kann nicht auf alle Themen weltweit emotional reagieren. Ich denke, dass das aber menschlich ist.

Letzte Frage: Waren Sie enttäuscht, dass der Konsul gar nicht in The Consul in Erscheinung tritt?

Ich wollte ihn natürlich sehen und finde es ein bisschen schade, dass er so unnahbar erscheint. Das Ziel von meinen Kollegen und mir ist es nämlich, in Deutschland mit vielen Leuten in Kontakt zu treten, um Amerika auf einer persönlichen Ebene zu repräsentieren. Wir arbeiten ja mit den Menschen vor Ort und bemühen uns, ansprechbar zu sein.

Bader, Maria

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