Unterwegs: Das Staatsorchester in Abu Dhabi

OrchesterTourneeAbu DhabiRichard Wagner

Ein Dirigent, vier Solisten und uns Orchestermusiker – das ist das, was das Publikum beim Konzert auf der Bühne sieht. Dass darüber hinaus auch noch eine Sängerin des Opernstudios aus dem Off die Chorstellen im „Venusberg“ singt, dass ein Repetitor, ein Orchesterinspektor, zwei Orchesterwarte, eine Ärztin, drei Journalisten, ein Fotograf und zwei Reisebegleiter auf unserer Tour nach Abu Dhabi dabei waren, wissen die wenigsten. Und was überhaupt an Organisation für eine solche Reise nötig ist: Allein das logistische Glanzstück, alle Musiker samt Instrumenten gesund und pünktlich ankommen zu lassen. Hut ab vor unserem Orchesterbüro!

Respekt auch für die Gastgeber vor Ort: Alles ist perfekt organisiert und das Hotel fabelhaft. Während das Konzert im sagenhaft riesigen und luxuriösen Emirates Palace Hotel stattfindet, wohnen wir im Intercontinental – durchaus auch keine schlechte Adresse. Nach drei Proben, die wir bereits in den letzten Wochen München hatten, legen wir in Abu Dhabi zwei Proben zu einer langen zusammen und haben so etwas mehr Zeit für Pool, Wüstentour oder Fußball.

Das Konzert selbst war ein voller Erfolg: Mit Nina Stemme, Petra Lang, Klaus Florian Vogt und James Rutherford hatten wir natürlich auch exzellente Solisten mit dabei! Thomas Hengelbrock dirigierte das phantastische Programm mit Auszügen aus den Meistersingern, dem Fliegendem Holländer, Tannhäuser und Lohengrin.

Aber wozu viele Worte: In unserer Fotogalerie wollen wir einen kleinen Einblick in unsere Reise geben. Die Bilder stammen von unserem Fotografen Wilfried Hösl und von Mitgliedern des Orchesters.

Kommentare

  • Am 04.05.2010 um 15:10 Uhr schrieb Christian Fiennes

    Ich bin ein passionierter Opern- und Klassikliebhaber. Und ich denke, daß wir unsere Kulturgüter auch in anderen Kulturkreisen vorstellen sollten. Dennoch frage ich mich, ob Kulturschaffende, die vom Staat, sprich von den Steuern von uns allen finanziert werde, in Zeiten leerer Kassen, hoher Arbeitslosigkeit, riesiger sozialer Notstände solche "Urlaubsreisen" unternehmen sollten. Sollte man die Arbeitszeit der Musiker nicht vielleicht auch ?mal für ein Benefizkonzert zugunsten eines sozialen Projekts in Bayern auffüllen? Internationale Reputation ist ja schön, daheim zu helfen fühlte sich sicher noch viel besser an.
    Mich würde interessieren, was andere Operngänger darüber denken!

  • Am 04.05.2010 um 15:57 Uhr schrieb Annette Zühlke, Direktorin des Musikalischen Bereichs der Bayerischen Staatsoper

    Ich darf Sie beruhigen: Diese "Urlaubsreise" des Bayerischen Staatsorchesters - wie Sie es nennen - hat den Steuerzahler keinen Cent gekostet, sondern Geld in die Staatskasse eingespielt. Abu Dhabi Classics hat als Veranstalter die Kosten für die Reise und die Honorare der Solisten und des Orchesters getragen.
    Im Übrigen darf Sie ich darauf hinweisen, dass das Bayerische Staatsorchester am 30. Mai 2010 in St. Michael ein Benefizkonzert zugunsten einer neuen Orgel geben wird. Dies ist nur eine von vielen kleineren und größeren Benefizveranstaltungen, die das Orchester jedes Jahr mit unterstützt.

  • Am 04.05.2010 um 16:51 Uhr schrieb Bernhard

    Die Antwort beruhigt mich nun nicht. Ich gebe Herrn Fiennes Recht. Wenn ich richtig informiert bin, zahlt der Staat doch die Gehälter der Musiker - oder sind sie in ihrer Freizeit nach Abu Dhabi gereist?
    Und ein Benefizkonzert für eine Orgel ist, glaube ich zumindest, nicht das, was Herr Fiennes meint - es geht ihm um soziale Projekte. Ich hielte das auch für ein positives Signal aus der Welt der Hochkultur. Ich könnte mir da zum Beispiel die Unterstützung der Münchner Tafel oder einer Obdachlosenhilfe vorstellen.

  • Am 04.05.2010 um 23:47 Uhr schrieb Ingrid

    Könnte es sein, dass die beiden Herren ein ganz klein wenig neidisch sind, weil sie nicht mit im Flieger saßen?

    Auch wenn die Fotos wunderschön sind, war es ja wirklich nicht nur eine Vergnügungsreise, sondern auch harte Arbeit und dadurch eine tolle Werbung für die BSO und unser schönes Bayernland. Das ist doch nicht zu verachten und eigentlich Pflichtprogramm.

    Ich freue mich auf jeden Fall sehr, dass Sie schöne und erfolgreiche Tage in Abu Dhabi hatten und auch darüber, Sie bald wieder hier bei uns zu erleben.

    Herzliche Grüße

  • Am 06.05.2010 um 09:39 Uhr schrieb Helga

    Ich gebe Christian Recht. Ich finde, daß man in "Notzeiten" wie diesen über den Sinn von solchen PR-Aktionen ernsthaft nachdenken muß. Dies betrifft nicht nur das Staatsopernorchester, sondern in München auch die Philharmoniker und das BR-Symphonieorchester. Man sieht nur Selbstdarstellung - teure Dirigenten, teure Broschüren, Reisen auf höchstem Niveau. Das finde auch nicht zeitgemäß.
    Die Idee, soziale Projekte in Bayern zu unterstützen finde ich super!!!

  • Am 06.05.2010 um 10:27 Uhr schrieb Ingrid

    Irgendwie verstehe ich nicht, warum die Erklärung von Frau Zühlke in dieser Diskussion nicht zählt. Die Kosten dieser Reise wurden doch von Abu Dhabi Classics voll übernommen und Benefizkonzerte finden statt. Ich sehe keinen Grund zur Aufregung und finde es für alle Beteiligten sehr schön, wenn sie in diesem Rahmen auftreten dürfen/durften und nicht nur im engen Orchestergraben sitzen müssen. So ein Ausflug tut doch jeder Psyche gut und die nächsten Monate werden hart genug.

  • Am 06.05.2010 um 11:06 Uhr schrieb Christian Fiennes

    Die Infos von Frau Zühlke befriedigen mich nicht. Ich denke, daß solche Reisen kein gutes Signal sind ... mag sein, daß Abu Dhabi alles gezahlt hat, und daß dem Münchner Publikum nur einige Tage das Orchester vorenthalten wurde. Wenn ich mir die Lebensbedingungen für viele Familien in München und Bayern anschaue, finde ich persönlich solche Tournéen (ebenso Japan-Tour der Philharmoniker) nicht angemessen.
    Und mit Benefizkonzerte meinte ich Konzerte für einen guten Zweck und nicht für eine Orgel - das nutzt ja wieder nur dem musikalisch Interessierten (und damit meist den gut Situierten).

  • Am 10.05.2010 um 12:28 Uhr schrieb Hagen Kohn

    @Christian Fiennes
    Darf ich fragen, was die Konzertreise eines Spitzenorchesters mit den Lebensbedingungen Bayerischer Familien zu tun hat? Abgesehen davon, dass diese im Bundesvergleich recht anständig ausfallen, gehören Konzertreisen zum festen Bestandteil des Orchesteralltags und übrigens zu deren Kulturauftrag. Wir möchten ja auch ab und zu das Chicago Symphony Orchestra in Deutschland zu Gast haben.

    By the way, auch ich bin mal als Pressesprecher des DSO Berlin mit dem Orchester nach Abu Dhabi gereist - das war alles andere als ein Erholungsurlaub.

  • Am 26.02.2012 um 01:33 Uhr schrieb Marie Hurd

    Auch ich bin passionierte Opern- und Ballett-Fan und Klassikliebhaberin. Ich finde, was Herr Fiennes zu sagen hat, alles mit den Lebensbedingungen von Menschen in finanzieller Not zu tun haben. Ich bin selber - unverschuldet durch eine seltene Erkrankung - betroffen und lebe weit unterhalb der Armutsgrenze. Mir sind Eintrittskarten für obige Veranstaltungen einfach nicht mehr zugänglich. Als Münchner Tafelempfängerin auch noch, kann ich froh sein, wenn ein wenig Geld übrig für eine MVV-Monatskarte übrigbleibt! Das gleiche gilt übrigens auch für die Museen. Viel zu viele Menschen denke nicht daran, dass selbst ein Euro für den Sonntagseintritt oft einfach nicht drinnen ist.
    Kultur sollte für jeden zugänglich sein.
    Ich würde es sogar begrüßen, wenn im Nationaltheater Freikarten für Menschen gäbe, die unterhalb der Armutsgrenze leben, denn sonst kommen sie nicht hin. Als Studentin hatte ich mehr Taschengeld zur Verfügung als jetzt und das Ermäßigungsangebot schließt einen großen Kreis der Bürger aus.
    Es gibt so viele sehr reiche Menschen, die sich die teuersten Plätzen im Haus leisten können. Und Subventionierungen für's Theater kommen auch noch hinzu. Sollte Kultur nur für eine erlesene Oberschicht noch geben?
    Es tut mir leid, "Oper für alle" tut's nicht gerade, vor allem, wenn man erkrankt ist und sich nicht beim Wind und Wetter auf den Steinen stundenlang ausharren kann. Dasselbe gilt für Stehplätze, die übrigens auch viel zu teuer sind. Es fehlt eindeutig die Sicht der Welt durch die Augen der Armen.
    Danke, Herr Fiennes, daß Sie dieses Thema angesprochen haben.

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