Und? Wie war's?

JapanTournee

Nach zwölf Tagen in Tokio, nach zwei Symphoniekonzerten und je drei Aufführungen von “Roberto Devereux” und “Lohengrin” haben wir uns am Montag zusammen mit dem Großteil der Truppe wieder auf den Heimweg gemacht. Nur eine kleine Besetzung bleibt noch für “Ariadne auf Naxos” eine weitere Woche in Japan.

Nach einem erfolgreichen Konzert mit dem “Te deum” und der 9. Symphonie von Anton Bruckner traf sich die Horngruppe mit Kent Nagano zum Gruppenbild in der NHK Hall. Die Hornisten haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu ihrem musikalischen Chef und freuen sich schon auf das Erscheinen von Schumanns Konzertstück für vier Hörner beim Label FARAO. Ein reine Hornensemble-CD wurde von Kent Nagano dirigiert und ist bereits zur Hälfte eingespielt. Sie wird im nächsten Jahr erscheinen.

Ein Highlight der Tour waren für uns Orchestermusiker sicher die beiden Konzerte in der legendären Suntory Hall und im Bunka Kaikan (von uns liebevoll “Beton-Bunka” genannt) mit unserem GMD Kent Nagano. Wie wir von unseren früheren Auftritten hier schon wissen, ist die Akustik der Suntory Hall phänomenal. Es macht einfach Spaß hier zu spielen, weil man die Kollegen mühelos hört (wieder eine Gelegenheit für Grüße nach München und seinen Gasteig). Und auch der donnernde Applaus nach Brahms’ Vierter hörte sich hier besonders schön an.

Als Wagner-Orchester haben wir natürlich schon viele herausragende “Lohengrin”-Aufführungen erlebt. Aber wie Johan Botha hier die Gralserzählung gesungen hat, war auch für uns ein besonderes Erlebnis – toll! Auf dem Bild sieht man, aus welcher Perspektive wir Hornisten die Opernaufführung gesehen haben.

Nach fast zwei Wochen voller Höflichkeit und Zurückhaltung, freuen wir uns schon fast wieder auf eine grantige Bedienung in einem Münchner Lokal, vor allem wenn sie frische Brez’n dabei hat. Beides ist in Japan naturgemäß eher Mangelware…
Davon abgesehen sind die Ausgehmöglichkeiten in Tokio jedoch nahezu unbegrenzt, die Qualität des Essens hoch und die Preise meistens nicht übertrieben. Vorausgesetzt, man hält sich beim Bier zurück, denn das geht schnell ins Geld: Der halbe Liter kostet zwischen 4 und 13 Euro – ein Prost an die Wiesnwirte: Ihr habt noch viel Luft nach oben! In einer “Sky Bar” im 53. Stock (siehe Foto) kann’s dann durchaus auch noch teurer werden.

Noch ein Nachtrag zum Thema “Englischkenntnisse”, das wir bereits im letzten Blogbeitrag hatten: Gerne schreibt man ja seinen Lieben zu Hause eine Postkarte. Also wollten wir im Hotel Briefmarken kaufen; um genau zu sein: sechs Stück. Die nette Dame am Empfang nahm also unsere Postkarten entgegen und fing an zu zählen: “One, two, three, five, seven, nine… Okay, Sir: nine postcards!” Als sie unseren leicht irritierten Blick bemerkte, zählte sie nochmals nach: “One, two, three, five, seven, nine… Okay: nine!”

Ein weiteres typisch japanisches Phänomen ist der Tokioter Autogrammjäger. Wenn unsereins in den frühen Morgenstunden zum Frühstück geht und noch kaum aus seinen Augen schauen kann, sitzt der Fan bereits seit einiger Zeit in der Hotel-Lobby und hofft, einen der Solisten für ein Foto oder Autogramm abfangen zu können. Das selbe Spiel findet nach der Vorstellung statt: Vorbildlich in Zweierreihen geordnet, steht der Autogrammjäger zuerst vor dem Künstlereingang an. Wenn er hier keinen Erfolg hat, fährt er ins Hotel und wartet dort mit zen-gleicher Geduld bis in die frühen Morgenstunden auf seinen Star.

Beim traditionellen großen Abschlussempfang im Hochhaus von Herrn Sasaki, dem Chef der veranstaltenden Agentur NBS, machen dann bereits konkrete Planungen für die nächste Japantour die Runde. Zur Einstimmung auf die Rückreise nach Europa gibt’s beim Italienfan Herrn Sasaki ein mediterranes Buffet. Bis bald, schön war’s und – Saionara!

Einen Tag nach uns Musikern trafen gestern auch unsere Instrumente wieder in München ein. Und damit ist die Tournee nun wohl wirklich zu Ende – zumindest für uns.

Kommentare

  • Am 07.10.2011 um 10:29 Uhr schrieb Caro

    Danke für diesen tollen Blog-Eintrag! Es ist schon etwas Besonderes, Teil dieses Gastspiels gewesen zu sein, und es wird mir immer in Erinnerung bleiben!!! Grüße an alle die dabei waren!

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