Spielend tanzen – unser buntes Ballettprogramm für Kinder und Jugendliche

Weckt die Tanzlust in den Kindern: Tanz- und Theaterpädagogin Simone Endres beim SpielBallett © Giulia Iannicell

Das Bayerische Staatsballett ist nicht nur eine Bühne für professionelle Tänzerinnen und Tänzer, es gibt auch ein umfangreiches Programm für junge Ballettneulinge. Von sonntäglichen SpielBalletten, eigens für Kinder kreierten Sitzkissenkonzerten, produktionsbezogenen Workshops für Schulklassen bis hin zu regelmäßigen Einheiten im Tanzenden Klassenzimmer ist die CAMPUS-Abteilung der Bayerischen Staatsoper und des Bayerischen Staatsballetts unter der Leitung von Ursula Gessat stets daran interessiert, auch junges Publikum an Tanz heranzuführen. Wir haben die Tanz- und Theaterpädagogin Simone Endres zum Gespräch getroffen, um mehr über das Programm für das junge Publikum und ihre Arbeit zu erfahren.

„Wir müssten alle mehr tanzen!“

So das Motto von Simone Endres, die als ausgebildete Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin in unterschiedlichen Musical-Produktionen u.a. in Berlin, Stuttgart und Hannover zu sehen war. Vor 15 Jahren hat sie sich schließlich dazu entschieden, als Theaterpädagogin mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.

Schon als Kind hat Simone Endres leidenschaftlich gerne getanzt und auch in ihren Projekten als Theaterpädagogin war es ihr immer ein Anliegen, tänzerische Elemente einzubauen. 2015 hat sie schließlich die Ausbildung zur Ballettpädagogin nach den Waganowa-Lehrplänen bei den Ballettseminaren in Stuttgart abgeschlossen, im Herbst 2018 kam sie zum Bayerischen Staatsballett. „Durch den Umstand, dass ich diese Ausbildung erst spät absolviert habe, durfte ich das Tanzen noch einmal ganz neu kennenlernen und kann die Schülerinnen und Schüler in diesem Lernprozess gut nachvollziehen. Ich selbst lerne jeden Tag noch etwas dazu.“

Haben Spaß beim Tanzen in den Ballettsälen des Bayerischen Staatsballetts: Schülerinnen und Schüler beim Projekt Tanzendes Klassenzimmer © Katja Lotter

Wir lassen die Klassen tanzen!

Zu Beginn jedes Schuljahres haben die Klassen sämtlicher Schulstufen, von Grund über Real- und Mittel- bis hin zu Berufsschulen, die Möglichkeit, sich für das Projekt Tanzendes Klassenzimmer bei der Campus-Abteilung der Bayerischen Staatsoper anzumelden. Hierbei besucht die Tanzpädagogin die Klasse einmal pro Woche über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler auf spielerische und abwechslungsreiche Weise ans Ballett heranzuführen. Choreographien zu einem Stück der aktuellen Spielzeit werden gemeinsam erarbeitet und je nach Altersgruppe dürfen sich die Lernenden auch szenisch ausprobieren. Einzelne Tanzeinheiten werden in den Ballettsälen des Bayerischen Staatsballetts abgehalten, wodurch den Kindern die Möglichkeit geboten wird, die Atmosphäre des Hauses zu spüren und eine Ballettprobe mit den Tänzerinnen und Tänzern der Compagnie hautnah mitzuerleben. Ein Highlight im Rahmen des Tanzenden Klassenzimmers ist schließlich der kostenlose Besuch einer Ballettvorstellung im Nationaltheater.

Schülerinnen und Schüler erarbeiten zusammen mit Simone Endres eine Choreographie zu einem Stück der aktuellen Spielzeit im Rahmen des Projekts Tanzendes Klassenzimmer © Katja Lotter
Simone Endres führt im Tanzenden Klassenzimmer die Kinder auf spielerische und abwechslungsreiche Weise ans Ballett heran © Katja Lotter

SpielBallette – ein Experimentierfeld für alle

Das Bayerische Staatsballett bietet regelmäßig sogenannte SpielBallette an, bei denen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren an einem Sonntagnachmittag spielerisch an den Tanz geführt werden. Tanzerfahrung ist hierfür nicht nötig, vielmehr wird den Kindern ein Ort geboten, an dem sie experimentieren und erste Balletterfahrungen sammeln dürfen. „Am liebsten würde ich jeden Tag ein SpielBallett machen“, meint Simone Endres und erklärt, dass sie diese Sonntage liebt, an dem sich eine buntgemischte Gruppe aus Kindern mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Ambitionen für einen Nachmittag zum Tanzen zusammenfindet.

Ein ganzer Nachmittag nur Tanzen: Das Projekt SpielBallett mit Simone Endres © Giulia Iannicell
Im SpielBallett sammeln die Tänzerinnen und Tänzer von morgen erste Balletterfahrungen © Giulia Iannicelli

Demnächst im Sitzkissenkonzert: Die Spielzeugschachtel

Die Sitzkissenkonzerte an der Bayerischen Staatsoper haben bereits Tradition, zusätzlich bieten wir nun auch ein neues Sitzkissenkonzert mit Tanz an. Am 22. Juni 2019 hat Die Spielzeugschachtel für das junge Publikum in der Parkettgarderobe des Nationaltheaters Premiere. Die Choreographie stammt von Dukin Seo, Tänzer des Bayerischen Staatsballetts, der eine zeitgenössische und dynamische Umsetzung der Geschichte zur Musik von Claude Debussy schafft, musikalisch interpretiert vom Bayerischen Staatsorchester und getanzt von Tänzern des Staatsballetts. Als Erzählerin und schrullige Spielzeugmacherin fungiert Simone Endres selbst, die dieses kreative Zusammenwirken unterschiedlicher Künstlerinnen und Künstler als ein „Herzensprojekt“ bezeichnet.

Auch sonst verfolgt die Tanz- und Theaterpädagogin Simone Endres allerlei spannende Aufgaben, wie beispielsweise auch im Juli die Kooperation mit dem Festival Rampenlichter von „Spielen in der Stadt e. V.“.

Tanzen als purer Selbstausdruck

Ganz wichtig ist für Simone Endres in ihrer Arbeit als Tanzpädagogin, dass sie einen wertungsfreien Raum schafft, in dem Fehler erlaubt sind und Platz für Freiheit und Kreativität entsteht. „Ballett wird stets mit Strenge und Disziplin assoziiert, doch das will ich in meinem Programm aufbrechen. Die Freude beim Tanzen ist das Wichtigste – die Kinder sollen Fehler machen dürfen, sich ausprobieren und sich dadurch selbst besser kennenlernen. Wo, wenn nicht beim Tanz, hat man die wunderbare Möglichkeit, sich selbst auszudrücken und dennoch gemeinsam in der Gruppe zu agieren, ohne dass der sportliche Wettkampf dabei im Mittelpunkt steht.“

Vielleicht fasst der ein oder andere nach dem Besuch im SpielBallett den Entschluss, mit dem Tanzen zu beginnen oder das abgebrochene Balletttraining wiederaufzunehmen. Dass sie nicht alle ihre Schützlinge zum Ballett berufen kann, ist Simone Endres dabei durchaus bewusst. „Wenn man nur zwei der zwanzig Kinder dazu bringt, in irgendeiner Form weiter zu tanzen oder ein positives Bewusstsein für den Tanz zu schaffen, und sei es erst Jahre später, hat man schon gewonnen.“ Die Tanzpädagogin sieht sich dabei als Türöffner, als eine Person, die Räume entstehen lässt, in denen die Kinder sich ausprobieren und sich selbst weiterentwickeln können.

„Wenn man nur zwei der zwanzig Kinder dazu bringt, in irgendeiner Form weiter zu tanzen oder ein positives Bewusstsein für den Tanz zu schaffen, und sei es erst Jahre später, hat man schon gewonnen", so Simone Endres © Katja Lotter

Wordrap mit unserer Tanzpädagogin Simone Endres

  • Mein Lieblingsballett ist:

Im Moment das Tripple Bill Portrait Wayne McGregor – darin ganz besonders Borderlands – von Wayne McGregor.

  • Theater oder Tanzpädagogik:

Wenn ich mich entscheiden müsste, dann wohl Tanzpädagogik – aber gerade die Kombination aus Theater- und Tanzpädagogik hier an der Bayerischen Staatsoper ist besonders spannend, weil es viele Möglichkeiten bietet, in verschiedene Richtungen kreativ zu arbeiten.

  • Bei diesem Lied muss ich sofort auf die Tanzfläche:

“Alors on Dance” von Stromae.

  • Meine erste persönliche Erinnerung an das Tanzen ist:

… ich, alleine mit einer Lampe tanzend im Wohnzimmer. Ich habe etwas im Fernsehen gesehen und sofort begonnen, es nach zu tanzen.

  • Als Einsteigerballett empfehle ich:

Es kommt natürlich auf die Altersgruppe an, aber Alice im Wunderland von Christopher Wheeldon ist immer sehr beliebt beim jungen Publikum.

  • Das mag ich an meinem Beruf besonders:

Dass ich als eine Art Türöffner fungieren kann, der Menschen in diese wunderbare Welt hineinholt.

  • Die größte Herausforderung dabei ist:

Das richtige Maß zwischen Disziplin und Freiheit zu finden.

  • Mein schönster Erfolgsmoment bisher war:

Immer wenn Kinder nach dem Spielballett sagen: „So, und jetzt fange ich wieder an zu tanzen!“

  • Nach einem ereignisreichen Arbeitstag freue ich mich auf …

… meinen Sohn!

 

Über die Homepage des Bayerischen Staatsballetts www.staatsoper.de/campus sowie in der CAMPUS Broschüre können sich alle Eltern von tanzbegeisterten Mädchen und Jungen sowie Lehrpersonen zum gesamten Angebot für das junge Publikum informieren.

Ein Blick in das Tanzende Klassenzimmer mit Simone Endres © Katja Lotter

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