Schütten, schmieren, wischen

Saint François D'assiseWerkstättenHermann NitschProbenVideo

die vergangene woche stand bei den proben zu „Saint François d’Assise“ im zeichen der bühnenwerkstätten in poing: in den sehr großzügigen räumen wird alles gemalt, gezimmert und geschweißt, was später auf der bühne des nationaltheaters zu sehen ist. das bühnenbild für „Saint François d’Assise“ wird jedoch zum überwiegenden teil aus videoprojektionen bestehen – für die malwerkstätten gab es daher nicht viel zu tun. lediglich zwei seitenprospekte sowie das bodentuch wurden in poing angefertigt.

nitsch und ich haben am anfang der woche die arbeiten abgenommen und den nächsten schritt besprochen und organisiert: am donnerstag ist das ganze team der „akteure“ (jener teil der darsteller, die die aktionistischen teile der aufführung übernehmen) nach poing gefahren um für eine malaktion im letzten akt der oper zu proben. da nitsch ja nicht selbst auf der bühne stehen wird um zu malen, wurden die beteiligten von nitsch ins schütten, schmieren und wischen eingewiesen. zunächst wurde mit bechern großflächig farbe verschüttet, die dann mit besen verteilt wurde, um die fläche erneut zu beschütten. einer unauffälligen partitur folgend wurden rund 150 liter handelsübliche dispersionsfarbe verwendet, die je farbton in jeweils drei verschieden konsistenzen, schüttbar, streichbar und knetbar, zur verfügung stand.

viele jahre lang hatte sich nitsch lediglich auf eine farbe, meist rot oder schwarz, in seinen bildern konzentriert. seit rund 8 jahren arbeitet er (wieder) mit dem ganzen farbspektrum. bei der aufführung der oper steht allerdings der theatrale akt des malens im vordergrund, weniger das ergebnis des bildes. nur wenige akteure hatten bereits erfahrung im malen, schon gar nicht in diesen dimensionen. es hat also manchen etwas überwindung gekostet tief in das „fleisch der farbe“ zu greifen und die farbe als substanz sinnlich zu erleben. gut geschützt mit overalls fielen aber bald die sorgen sich schmutzig zu machen.

in einem zweiten teil der probe wurde die farbe still rinnen gelassen. auf einer senkrechten leinwand wurde für eine weitere szene geprobt: von oben wurde mit großen proberöhren rote farbe auf eine leinwand aufgetragen. eine stille, meditativ anmutende arbeit.

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