Schatzsuche, Finderglück – und wie findet man’s eigentlich?

StaatsbibliothekGeschichte

Wem würde der Bestand einer Bibliothek nützen, wenn er nicht in allgemein zugänglichen Medien, vor allem dem Internet, nachgewiesen und damit auffindbar wäre? Die Online-Katalogisierung einzelner Musikhandschriften war in Spezialkatalogen seit den Achtziger Jahren kein Diskussionsthema mehr. Eine solche kostenfrei zu nutzende Spezialdatenbank ist etwa der Katalog des größten internationalen musikbibliographischen Unternehmens, des Répertoire International des Sources Musicales, kurz RISM.

Für das heterogene Opernmaterial des Nationaltheaters, das bei den meisten Werken Handschriften, Notendrucke, Textbücher und vieles mehr enthält, entschied man sich 1998 allerdings zur Verzeichnung im allgemeinen Online-Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek. Er weist nicht nur alle Bücher und Zeitschriften, sondern seit seinem Bestehen auch alle Notendrucke der Musikabteilung vollständig nach.
Mit der Katalogisierung des Aufführungsmaterials fanden zum ersten Mal auch umfangreiche Handschriften-Beschreibungen Eingang in diesen allgemeinen Bibliothekskatalog.

Und nun die Opern.
Zunächst die Zuordnung: Gleiches zu Gleichem ordnen. Welches Werk ist überhaupt gemeint, wenn z.B. Einbandetikett und Titelblatt von drei verschiedenen Partituren aus der Frühzeit des 19. Jahrhunderts das „Donauweibchen“ oder eine „Nymphe der Donau“ des Wiener Singspielkomponisten Ferdinand Kauer für sich reklamieren? Wenn die musikalischen Donaunixen in der Frühzeit des Nationaltheaters womöglich noch unter derselben Signatur ins Fach gestellt wurden? In archivalischen Unterlagen, aber auch in der Fachliteratur zur Operngeschichte finden sich zahlreiche solide Nachschlagewerke und Verzeichnisse, die ebensolche Verstrickungen auflösen: Einem Erfolgswerk wurden bisweilen mehrere „Folgen“ hinzugedichtet, es handelt sich hier um drei eigenständige Werke.

Erst das Erfolgsstück: Das (ursprüngliche) Donauweibchen als Wiener Erfolgsstück von Januar 1798, von dem im Münchner Opernmaterial nicht weniger als drei Partituren von ca. 1812, 1815 und 1826 existieren; ein Ausnahmefall. Hier einige Stimmen aus dem Konvolut mit der Signatur St.th. 166-5

Die schön gebundene Partitur des einen Monat nach dem ersten Teil in Wien uraufgeführten „2. Theils“, das in München versehentlich dem Material des ersten Donauweibchens einverleibt wurde, jetzt aber wieder separat steht (unter der Signatur St.th. 5005)

Die unvollständige Partitur des „3. Theils“ (St.th. 318), das im Nationaltheater überhaupt nicht gespielt wurde – lediglich 1811 im „Weinmüllerschen Theater“, einer kleinen privaten Institution.

Alle notwendigen Informationen wurden nun zu jedem einzelnen Werk zusammengetragen:

Alle Titelfassungen der Oper im vorliegenden Aufführungsmaterial, dazu der Originaltitel des Werkes, der im Material selten genannt ist, da nahezu alle Opern in deutscher Sprache aufgeführt wurden. Und das wichtigste Element zum Wiederauffinden im Datenmeer: Bei jedem Werk wird die Provenienz mit der standardisierten Floskel „Historisches Aufführungsmaterial der Bayerischen Staatsoper“ in den Titelfeldern verankert.

Namen: Komponist, Librettist und ggf. weitere am Werk beteiligte Personen.

Daten: Wann uraufgeführt, wann und womöglich auch von wem in München erstaufgeführt und wiederum neu einstudiert – diese Kenntnisse können sehr hilfreich sein, wenn die Datierungsnot für Handschriften eine Schätzung der Entstehungszeit erforderlich macht, oder verschiedene Dirigentenhände in einer Partitur Bezeichnungen hinterlassen haben.

Beschreibungen der wichtigsten Charakteristika des Opernmaterials, wie stark sich die Benutzung im Theaterbetrieb in Gebrauchsspuren niedergeschlagen hat (und leider manchmal auch: welche Quellen aus konservatorischen Gründen nicht mehr benutzt werden dürfen). Alle Charakteristika, die die zeitliche Schichtung des Materials deutlich machen können, werden gesammelt – man denke an viel gespielte und häufig umgearbeitete Werke. An diesen Teil, der die Charakteristika des Gesamtmaterials einer Oper benennt, fügen sich die Beschreibungen der einzelnen Quellen an – zuerst alle Handschriften, dann alle Drucke des Materials.

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