„Saint François d’Assise“: was bis hierher geschah

Saint François D'assiseHermann NitschOpernfestspieleProben

am 1. juli werden die diesjährigen münchner opernfestspiele mit olivier messiaens „Saint François d’Assise“ eröffnet. hermann nitsch inszeniert und ich, frank gassner, bin dabei sein assistent, unterstütze ihn bei seiner arbeit und werde hier in den nächsten wochen von den probenarbeiten berichten.

wie wird man überhaupt assistent von hermann nitsch? auch wenn jetzt einige entäuscht sein mögen: ich musste weder probeschlachten noch mich mit farbe beschütten. durch einen zufall habe ich 1998 für das 6-tage-spiel von hermann nitsch weite teile der bauten und tischlerarbeiten übernommen. daraus hat sich eine langjährige zusammenarbeit ergeben. in dieser zeit war ich an allen künstlerischen tätigkeiten von nitsch beteiligt. so leitete ich etwa die 122. aktion im burgtheater und arbeitete an seiner letzten bühneninszenierung, den „Szenen aus Goethes Faust“ von robert schumann an der oper zürich mit.

die konkreten arbeiten zu „Saint François d’Assise“ haben bereits vor etwas mehr als einem jahr begonnen. arbeitsmittelpunkt war prinzendorf an der zaya, etwa 60 km nördlich von wien im weinviertel gelegen. dort lebt und arbeitet nitsch seit rund 40 jahren in einem großzügigen schloss, dem zentralen ort seiner arbeit.

wer interesse hat, kann das anwesen auch besuchen. eine gelegenheit dafür ist das traditionelle pfingstfest, das dieses jahr am 12. juni stattfindet: in den räumen des schlosses sind dann arbeiten von nitsch ausgestellt, und im verlauf des nachmittags wird mit blaskapelle in mehreren etappen über die felder zu einer kellergasse gewandert, wo der tag in heurigenathmosphäre ausklingt. diese feste sind der heitere und leichte teil der arbeit von nitsch. zeitlich nehmen diese in seinem werk genausoviel platz ein wie die bekannteren aktionen und sind in deren zählung mit aufgenommen. in der öffentlichkeit eher bekannt sind jedoch die aktionen mit blut, fleisch und farbe.

im benachbarten mistelbach besteht ganzjährig die möglichkeit sich mit der arbeit von nitsch auseinanderzusetzen. das sehr großzügige hermann nitsch museum zeigt jährlich wechselnde ausstellungen. auch in neapel kann das ganze jahr über eine beeindruckende sammlung im dortigen, alleinig nitsch gewidmeten museum entdeckt werden.

doch zurück zur entstehung der aufführung von „Saint François d’Assise“: in unzähligen gemeinsamen arbeitssitzungen entwickelte nitsch seine münchner inszenierung. neben dem regiekonzept, das in weiten teilen an die aufführung eines oratoriums erinnert, nahm dabei die entwicklung der videoprojektionen für das bühnenbild viel energie in anspruch. wie bereits bei seinen vorherigen opernarbeiten besteht das bühnenbild nicht aus starren bildern, sondern aus einem rundhorizont, der mit sich stets bewegenden videos bespielt wird. nach vielen besprechungen mit nitsch erstellte ich aus seinen grundideen die mehrstündigen farbenprächtigen videos. mit hanna hollmann, die ebenfalls schon bei vielen arbeiten von nitsch mitwirkte, entwarf nitsch die kostüme. sie wirkt auch auf der bühne mit und leitet die akteure bei den aktionen.

schon längst haben in den werkstätten der bayerischen staatsoper die arbeiten an der ausstattung begonnen – und sind größtenteils schon abgeschlossen: die sehr schlichten bühnenbauten sowie die bei nitsch schon fast obligatorischen tragen und kreuze sind bereits fertig gestellt. das riesige bodentuch ist genäht und wird in diesen tagen vollendet. die kostüme hängen in weiten teilen natürlich auch schon fein gebügelt an kleiderhaken. seit anfang mai wird bereits großteils im rennert-saal, einer der probebühnen, geprobt. dabei wurde das regiekonzept durch mitarbeit von natascha ursuliak konkretisiert. in den nächsten wochen verlagert sich nun das geschehen mehr auf die hauptbühne um technik, orchester, sänger usw. bis zur premiere zusammenzuführen.

weitere berichte dazu werden folgen.

Kommentare

  • Am 03.06.2011 um 23:26 Uhr schrieb Mariano

    Boah, die totale Kleinschreibung ist ja sowas von waaahnsinnig künstlerisch!

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