„Romeo und Julia“ im Oman

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Für drei Vorstellungen von Romeo und Julia war das Bayerische Staatsballett über Ostern in den Nahen Osten gereist: Im prunkvollen Royal Opera House Muscat im Oman zeigte die Compagnie John Crankos Version der Shakespearschen Tragödie. Susanne Ullmann, Pressereferentin beim Staatsballett, wagt hier im Blog einen persönlichen Rückblick. Und dazu gibt’s natürlich noch eine Menge Fotos von diesem außergewöhnlichen Gastspiel!

„Vor langer Zeit lebte in Muscat ein mächtiger Sultan namens Qaboos bin Said…“ So könnte ein altes Märchen aus Tausendundeine Nacht beginnen, und genauso märchenhaft wirkt der Anblick des Royal Opera House in Muscat. Das imposante Gebäude ist allerdings gar nicht aus vergangenen Zeiten und auch der Sultan ist ein heutiger, weltoffener Mann, der bereits 2002 beschloss, nach dem Vorbild von Covent Garden eine Kulturhochburg in seiner Hauptstadt zu errichten, die an technischer Ausstattung und prunkvoller Einrichtung ihresgleichen sucht. Reden auf der Seitenbühne während der Aufführung verboten, die grandiose Akustik überträgt das sofort ins Zuschauerhaus.

2011 wurde das Theater als Zentrum für Musik, Oper und Tanz mit Schwanensee vom Mariinsky Ballett eröffnet (mit dabei war damals auch unsere Demi-Solistin Evgenia Dolmatova). Seitdem haben viele Gastcompagnien aus der ganzen Welt die Highlights ihres Repertoires dort gezeigt. Fast jede Woche begrüßt das Team ein anderes Ensemble. Trotzdem, oder eher deshalb, war die Einladung nach Muscat für das Bayerische Staatsballett eine Ehre. Denn: „Was zählt ist Qualität“, sagt Intendantin Christina Scheppelmann, „die Zuschauer sind entweder Kenner oder gehen zum ersten Mal in Ballett, Oper oder Konzert und sie sollen wieder kommen wollen.“ Deshalb biete man nur das Beste an. Und weil man gerne bestätigt, dass man zum Besten gehört, fuhren wir hin – mit knapp 200 Personen und eigenem Charterflug. Erwartet wurden wir von einer internationalen Crew und einheimischen Angestellten, die das Wort Gastfreundschaft mehr als verinnerlicht haben. Ob der perfekt vorbereiteten Bühne verfiel unser technischer Leiter Joachim Ehrler gar in Schwärmereien.

Drei Vorstellungen von John Crankos Romeo und Julia standen auf dem Programm. Drei Vorstellungen Liebe, Rivalität und Tod, getanzt und gefühlt vom Ensemble des Bayerischen Staatsballetts und emphatisch begleitet vom Slowenischen Philharmonieorchester aus Ljubljana unter der Leitung von Robertas Šervenikas. „Wir wollen von unseren Tänzern, dass sie empfinden, was sie Ihnen mit der Choreographie erzählen. Damit Sie nachher ebenfalls die Tragik des Stückes in Ihren Herzen spüren können“, erklärte Ballettdirektor Ivan Liška beim Publikumsgespräch vor der Vorstellung. Und so war es. Empfing uns der Oman zuerst mit erschlagenden 39° Celsius, war der gleichsam heiße Applaus so gar nicht erschlagend sondern durchaus willkommen. Und wenn sich Julia (Lucia Lacarra und Ivy Amista) in unsäglicher Verzweiflung über den Verlust des geliebten Romeo (Marlon Dino und Tigran Mikayelyan) als letzten Ausweg ein Messer in die Brust rammt – wessen Auge bleibt dann noch trocken? Meines zumindest nicht.

Und Muscat selbst? Eine Stadt, die sich kaum greifen lässt. Marmor, Meer, Berge und Wüste vereinen sich entlang einer kilometerlangen Hauptstraße. Seit 1970 wächst die Stadt um den Sultanspalast in Old Muscat herum stetig. Den Reichtum zeigt man gern in exorbitant prachtvollen Gebäuden und großzügigen Grünanlagen. Die Krönung stellt sicherlich die Sultan Qaboos Moschee dar. Darin der größte Perserteppich der Welt mit ca. 900 qm. Daneben gibt es kleinere Viertel, in denen die Einheimischen wohnen, nicht ärmer, aber echter. Vom Fischmarkt und dem frisch gepressten Mangosaft zu schwärmen, würde zu weit führen.

Lassen Sie uns an dieser Stelle lieber aufräumen mit so manchem (Vor-)Urteil über den fernen Nahen Osten und dessen Religion. Ja, es ist im Oman durchaus erwünscht, sich ein wenig zu bedecken. Und, seien wir mal ehrlich, diesem Wunsch nachzukommen, tut so manch touristischem Körper ganz gut. Aber nein, es besteht keine Schleierpflicht, zumindest nicht im Oman. Frauen und Männer sind außerdem gleichgestellt, es gibt mittlerweile an den Universitäten sogar eine Männerquote, da die Anzahl der studierenden Frauen exorbitant hoch ist. Es lassen auch nicht alle Muslime fünf Mal am Tag alles stehen und liegen und pilgern gen Moschee. An einem Gebet pro Tag sollte jeder teilnehmen, dabei ist es freigestellt, welches das ist. Obwohl während unserer Abwesenheit ein Kamel vor dem Münchner Nationaltheater gesichtet wurde, war es kein Angebot eines Ölscheichs; dafür sind die Omanis viel zu höflich und zurückhaltend. Kein Compagniemitglied wurde eingetauscht. Und was sollen wir auch mit Kamelen auf der Bühne?

Den Kollegen der Oper können wir für das bevorstehende Gastspiel in Muscat mit La Cenerentola im April 2015 nur viel Spaß wünschen in diesem vielfältigen Land.

Den Kollegen vom Royal Opera House sagen wir ‚shukran‘ für die tolle Zeit. Wir kommen gerne wieder!

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