Prisca Zeisel ist unsere Hoffnungsträgerin!

02.11.2017

Prisca Zeisel, Solistin des Bayerischen Staatsballetts, wurde jüngst von der Fachzeitschrift tanz zur Hoffnungsträgerin des Jahres 2017 gekrönt: „Sie hat die Chance bisher bestens genutzt und ist wohl noch für viele Überraschungen, auch in modernen Stücken, gut.“ Das Münchner Publikum überzeugte sie zuletzt als Myrtha, Königin der Wilis, in Giselle und als Gamzatti, Tochter des Radjas, in La Bayadère. Höchste Zeit mit ihr über ihre Rollen, ihre Vergangenheit und natürlich ihre Hoffnungen für die Zukunft zu sprechen.

Prisca Zeisel als Myrtha in „Giselle“
Prisca Zeisel als Myrtha in „Giselle“

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Preis. Dieser wurde Dir unter anderem für Deine Darstellung der Myrtha in Giselle verliehen. Wie verstehst Du das Wesen dieser Rolle? Ist sie für Dich eher Mensch, Geist oder Zwischenwesen?
„Die Wilis sind Bräute, die wegen der Männer vor ihrer Hochzeit ums Leben gekommen sind – daher rührt auch der Hass der Wilis auf das andere Geschlecht. Bei der emotionalen Darstellung von Myrtha versuche ich diesen Hass mit dem Geisterhaften und dem Tod zu verbinden. Ich würde sagen, dass sie eher ein Geisterwesen ist. Alles was von dem Mensch ‚Myrtha‘ übrig geblieben ist, ist nur noch ihre menschliche Seele, die vor allem den schon erwähnten Hass in sich trägt. Bei Charakteren wie Myrtha aus dem Reich der Geister sollten die Spitzenschuhe daher wirklich nie laut sein, weil man wie ein Geist über die Bühne schweben sollte.“

Myrtha ist stark im Jenseits verwurzelt. Du tanzt auch die Rolle der heimtückischen Gamzatti in La Bayadère, die ihre Rivalin, die Tempeltänzerin Nikija, dorthin befördert. Wie ist es denn, unmoralische Rollen wie diese zu tanzen?   
„Ich finde das immer ganz lustig, weil man beim Tanzen auf der Bühne Dinge ausleben kann, die man im echten Leben nicht machen darf, ohne dafür ins Gefängnis zu kommen. So gesehen ist das eine tolle Gelegenheit sich auszuleben (lacht). Mein Lieblingsmoment in diesem Ballett ist der Dialog zwischen Nikija und Gamzatti, wenn ich als Gamzatti Nikija zum ersten Mal sehe und ihr mehr als deutlich zu verstehen gebe, dass ich ihren geliebten Solor heiraten werde.“

Die ganze Partie der Gamzatti wirkt technisch sehr herausfordernd. Wie viele Paar Spitzenschuhe benötigst Du, um diese Rolle zu tanzen?
„Bei der letzten La Bayadère-Vorstellung habe ich zwei Paar Spitzenschuhe benötigt: Die erste Variation ist musikalisch sehr ruhig, deswegen verwendete ich ein weiches Paar, damit man nicht alle Schritte hören konnte. Dagegen der Grand Pas ist musikalisch stärker, da tanze ich dann auch mit härteren Schuhen. Für Vorstellungen ziehe ich prinzipiell immer gerne neue Spitzenschuhe an, die ich mir präpariere und nur einmal im Training zum Eintanzen anziehe. Dadurch weiß ich, was ich von den Schuhen erwarten kann, und dass sie nicht nach fünf Minuten auf der Bühne brechen (lacht).“

Zurzeit hast Du die Möglichkeit, verschiedenste Rollen zu tanzen, und es scheint alles nur bergauf zu gehen. Wie hat alles angefangen? Was hat die Leidenschaft für Ballett in Dir ausgelöst?
„Meine Mutter war Tänzerin an der Wiener Staatsoper, ich selbst fing zunächst mit Kunstturnen an und tanzte dann mit elf Jahren in einer Ballettschule vor. Ursprünglich war da gar nicht so viel Leidenschaft dahinter, denn für mich war das Training an der Stange im Vergleich zum Kunstturnen eher langweilig. Als die Ballettausbildung aber anspruchsvoller wurde und sich für mich die Chance eröffnete, auf der Bühne zu stehen, fing ich an, mich noch mehr für Ballett zu interessieren. Bei mir war es nie so, dass ich eine Ballerina im Tutu sah und dachte: Wow, das will ich auch machen! (lacht). Mich hat eher die harte Arbeit an meinem Körper zusammen mit der künstlerischen Darstellung angesprochen.“

Prisca Zeisel als Gamzatti links, Laurretta Summerscales als Nikija rechts
Prisca Zeisel als Gamzatti links, Laurretta Summerscales als Nikija rechts

Was hoffst Du jetzt als Hoffnungsträgerin noch zu tanzen?
„Ich freue mich über jede Rolle, die ich tanzen und interpretieren darf. Bis jetzt ist meine Lieblingsrolle Aegina in Spartacus. An ihr liebe ich es, sowohl technisch als auch darstellerisch herausgefordert zu sein. Deswegen hoffe ich auch auf Julia in Romeo und Julia. Ansonsten steht jetzt Christian Spucks Anna Karenina auf dem Spielplan, vielleicht ergibt es sich, Anna Karenina einmal in Zukunft darzustellen. Des Weiteren ist Tatjana in Onegin eine weitere meiner Lieblingsrollen, die mich wirklich anspricht, weil sie sehr dramatisch ist. Julia und Tatjana – beides sind Rollen aus John-Cranko-Stücken, welche ich sehr gerne mag, da sie so wunderschön erzählt sind. Vor allem wenn man dann auch noch mit den Ballettmeistern vom Stuttgarter Ballett arbeitet, ist das immer etwas ganz besonderes. Man lernt, dass hinter jedem Schritt und einer Geste ein Gedanke steckt. Es macht die Ballette viel schöner zu tanzen, wenn man sich bewusst macht, was jede Bewegung aussagt.“

Wir wünschen Prisca Zeisel alles Gute für die Spielzeit!

Das Interview führten Antonia Hostlowsky und Meihui Yu

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