Petrus ist Richard-Strauss-Fan

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Am Samstag Morgen hätte das wohl niemand geglaubt: Über München goss es wie aus Kübeln – und die Generalprobe für das abendliche Oper für alle-Konzert wurde kräftig verregnet. Doch die Optimisten unter den Kollegen behielten schließlich recht: Der Abend war klar und mild – und Petrus zeigte sich als Richard-Strauss-Fan. Perfekte Bedingungen für einen wunderschönen Oper für alle-Abend also!

An der Bayerischen Staatsoper wird Richard Strauss neben Mozart und Wagner als „Hausgott“ verehrt – und so liegt es natürlich nahe, dem Komponisten zu seinem 150. Geburtstag im Jahr 2014 ein Konzert zu widmen. Auf dem Programm standen also fast ausschließlich Werke aus seiner Feder – bis auf den stürmischen Auftakt mit Verdis Ouvertüre zu La forza del destino, den traditionell ATTACCA, das Jugendorchester des Bayerischen Staatsorchesters, bestreiten durfte.

Danach jedoch war das Bayerische Staatsorchester unter der Leitung von Philippe Jordan an der Reihe. Nachdem bereits beim ersten Guillaume Tell auf dem Programm stand, ging es auch im Oper für alle-Konzert um Helden – wenngleich recht verschiedene. So stand zunächst Till Eulenspiegels lustige Streiche, Strauss’ symphonische Dichtung „nach alter Schelmenweise in Rondeauform“, auf dem Programm. Von Tills Geburt bis seinem Tod konnte die Lebensreise dieses Vaters aller Schelmen durchlebt werden.

Nach ihrer umjubelten Traviata wenige Tage zuvor war die Sopranistin Diana Damrau dann auch als Solistin beim Konzert mit von der Partie: Mit fünf Orchesterliedern von Richard Strauss riss sie das Publikum zu Jubelstürmen hin – und verließ die Bühne nicht, ohne sich mit einer innigen „Zueignung“ als Zugabe zu verabschieden.

Das Konzert endete schließlich mit der großen symphonischen Dichtung Ein Heldenleben, in der Strauss erneut musikalisch die Lebensgeschichte eines Helden erzählt – diesmal jedoch mit deutlich größerem Pathos als im Eulenspiegel. Vom Hauptthema wird der Held nacheinander seinem Widersacher gegenüber gestellt, er trifft seine Geliebte, kämpft, stiftet Frieden bis schließlich am Ende „Des Helden Weltflucht und Vollendung“ steht.

Nach dem Konzert dann großer Applaus von knapp 8.000 Besuchern, die hoffentlich auch im kommenden Jahr wiederkommen werden: Dann wird bei Oper für alle erneut Philippe Jordan dirigieren, nämlich Mussorgskys Bilder einer Ausstellung und Strawinskys Le Sacre du Printemps.

Kommentare

  • Am 20.07.2014 um 17:00 Uhr schrieb Wolfgang Proß

    Bitte erlauben Sie einen Hinweis und eine Bemerkung: Till Eulenspiegel stirbt nicht "unterm Fallbeil“, sondern – gut hörbar – am Galgen. Und was die Verehrung von Richard Strauss als "Hausgott" betrifft, so hat das Festspiel-Heft der Bayerischen Staatsoper (Max Joseph X, 2014) eine weniger denk- als fragwürdige Hommage abgeliefert.

  • Am 24.07.2014 um 18:51 Uhr schrieb Johannes Lachermeier - Redaktion

    Danke für Ihre kritische Anmerkung, Wolfgang Proß. Mit dem Fallbeil haben Sie natürlich völlig recht – wir haben das korrigiert. Mit Hartmut Zelinskys kritischem (und durchaus streitbarem) Beitrag zu Richard Strauss stellen wir lediglich eine andere Perspektive zur Debatte - die Verehrung des Komponisten bleibt dennoch bestehen.

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