Musik und Theater aus Fernost– Teil 3: Japan

25.09.2017

Aufwendig geschminkte Gesichter, pompöse Kostüme, stilisierte Posen, Gesang und Tanz. In einem Theater in Tokyos Stadtteil Ginza kann man fast täglich eine traditionelle Kabuki-Aufführung erleben. Dieses 1889 eröffnete Haus ist heute das größte Kabuki-Theater Japans und das einzige mit einer festen Spielzeit. Durch das Zusammenspiel verschiedener Kunstformen ist das Kabuki so etwas wie das japanische Äquivalent zur westlichen Oper.

Kabuki – Aus Tempelritualen zur japanischen Oper

Dieses im Zusammenhang mit Tempelritualen entstandene Theater wurde ursprünglich nur von Frauen, dann von jungen Männern gespielt. Da seinerzeit die prüden Tokugawa-Shogune des 17. Jahrhunderts jedoch beides als zu aufreizend und verführerisch empfanden, durften später nur noch Männer auftreten, auch in den Frauenrollen. Und das ist immer noch so. Es heißt, dass selbst Geishas die perfekten Bewegungen einer anmutigen Frau von den höchst talentierten Kabuki-Darstellern gelernt haben. Begleitet und unterstützt werden die Gesten, Bewegungen und Tänze von einigen der typischen Instrumente der japanischen Musik, etwa von der Shamisen, einer dreisaitigen Langhalslaute, oder diversen Trommeln, den Taiko.

Sho-Spieler ©wiki commons
Sho-Spieler ©wiki commons
Shamise-Spieler ©wiki commons
Shamise-Spieler ©wiki commons
Hichiriki-Spieler ©wiki commons
Hichiriki-Spieler ©wiki commons

Während das Kabuki mit seiner suggestiven, expressiven Musik traditionell ein Theater des Bürgertums war, werden in der höfischen Kunst und Musik etwas andere Klänge angeschlagen. Hier sind es etwa die Koto, die große, japanisch Zither, die Biwa, eine Laute, verschiedene Trommeln und Gongs oder die durchdringende, oboenartige Hichiriki, die den Ton angeben. Der spezielle Klang der Hichiriki soll der Legende nach sogar einmal die Haare einer Hofdame zum Stehen gebracht haben und einen Dieb in die Flucht geschlagen haben. Das wohl außergewöhnlichste Instrument in einem höfischen Musikensemble ist jedoch die Shō, eine Mundorgel mit tassenförmigem Windkasten, in dem 17 Bambuspfeifen stecken. Die Shō bildet den vielstimmigen Klangteppich der Musik, über dem die Melodie liegt. Um einen durchgängigen Klang zu erhalten, können diese Instrumente sowohl beim Einatmen, als auch beim Ausatmen einen Ton erzeugen.

Diese klassische Musik des japanischen Hofes, die Gagaku heißt, hat vieles aus der traditionellen chinesischen Musik übernommen, so auch das modale Tonsystem mit der aus fünf Tönen bestehenden pentatonischen Skala als Basis. Die Melodien sind langsam und wirken über den langen, monotonen Akkorden der Shō fast magisch und beschwörend. Dazu kommen beschleunigende oder verlangsamende Trommeltöne, unterstützt von heftigen, tiefen und markanten Schlägen auf eine große Trommel. Durch die extreme Langsamkeit sind die Melodielinien als solche schwer erkennbar.

Gemäß der konfuzianischen Philosophie wird der Musik auch eine ethische Funktion zugeschrieben. Sie sei die Grundlage geistiger Bildung und ziele nicht auf sinnlichen Reiz oder Unterhaltung ab. In diesem Sinne steht hinter der alten japanischen Musik immer eine moralisch-sittliche Idee, deren Wirkung durch die auffällige Ruhe verstärkt wird. Das alle Sinne reizende Kabuki-Theater ist heute und früher das profane und unterhaltsame Gegenstück zu solch einem spirituell-philosophischen Musikideal.

Heurich, Florian

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