MAVRA/IOLANTA #1: Russisch für Anfänger

Ganz am Anfang der Opernstudio-Neuproduktion Mavra/Iolanta steht der Text. Und der ist russisch. Schon viele Monate vor dem gemeinsamen Probenbeginn starten die Sängerinnen und Sänger deshalb mit Sprachunterricht, um neue Opernpartien einzustudieren. Wir haben die jungen Sänger bei den ersten Schritten zur Premiere begleitet.

Long Long
Long Long übernimmt in der Produktion eine Hauptpartie

Die künstlerische Reise von  Mavra/Iolanta beginnt ein halbes Jahr vor der Premiere. Eine besondere Herausforderung für einige Opernstudiomitglieder ist die russische Sprache der zwei Opern. Für den aus Peking stammenden Tenor Long Long ist es vielleicht die größte sprachliche Umstellung: Nicht nur Aussprache und Lautsprache sind komplett anders als seine Muttersprache, auch das Libretto in kyrillischer Schrift muss erstmal entziffert werden.

BSO: Was sind deine ersten Schritte, um dir die Textpartie einer fremdsprachigen Oper anzueignen?
Long Long: Zuerst habe ich mir für Iolanta meinen Kollegen Oleg Davydov, dessen Muttersprache Russisch ist, zur Seite genommen, um mit ihm die Aussprache der Wörter durchzugehen. Das forderte viel Disziplin und Durchhaltevermögen, es hat fast sechs Wochen lang gedauert, den ganzen Text durchzugehen und einzustudieren. Und auch die Muskeln brauchen ihre Zeit, um sich an neue Aussprache-Bewegungen zu gewöhnen.

Dabei hast du doch sicherlich auch ein Lieblingswort auf Russisch, oder?
Ja. „Cердце“ [serdtse], das heißt „Herz“. Die Bedeutung des Wortes ist für mich sehr emotional und mir gefällt die Aussprache des russischen Wortes.

Wie studierst du die Partie des Vaudémont?
Ich lerne die Noten meistens gleichzeitig mit Text und Aussprache, das macht es für mich viel einfacher, da beispielsweise durch den Rhythmus der Text leichter einzuprägen ist und man dabei ein besseres Gefühl für den Gesamtkomplex bekommt. Dazu kommt dann noch das Anhören von Aufnahmen, durch die ich mir die Melodien und den Text einfacher merken kann und man schon einmal einen Höreindruck bekommt. Für den Inhalt habe ich eine englische Übersetzung, das bedeutet, dass ich zuerst nur den Gesamtzusammenhang der Oper kenne. Einzelne Passagen und deren Übersetzungen zu erfassen, das kommt mit der Zeit.

Die jungen Künstler sind jedoch nicht auf sich allein gestellt. Die Bayerische Staatsoper hilft und organisiert lange vor Aufführungsstart ein spezielles Sprachcoaching. Zwei Wochen lang begleitet Ljuba Orfenova die Sänger des Opernstudios und übt mit ihnen nicht nur Text und Aussprache perfektionistisch ein, sondern auch alles was sonst dazu gehört: Musik, Ausdruck, Charaktere, Dramaturgie.

Probenausschnitt mit Long Long und Ljuba Orfenova

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Ljuba Orfenova ist russische Pianistin, Sprachtrainerin und musikalische Assistentin, die seit 1991 stetig mit prominenten Dirigenten und Regisseuren unserer Zeit zusammenarbeitet: darunter Antonio Pappano, Vladimir Jurowski oder Richard Jones. Sie ist an der Vorbereitung von Aufführungen und Konzertauftritten weltweit beteiligt und hat sich international einen Namen gemacht. Sie erhielt den Ehrentitel „Geehrte Künstlerin Russlands“ und gewann 2017 den National Opera Award „Onegin“ in der Kategorie „Accompanist“.

Russischer Text mit chinesischer Lautschrift: ein Foto aus Long Longs Notenbuch.

Wort für Wort zur Figur

Die Noten studieren, den Charakter verstehen und somit auch den Text Wort-für-Wort übersetzen und lernen, all das kommt noch hinzu. Nach und nach fügen sich die Einzelteile zusammen und das Verständnis für die Geschichte wächst – spätestens bei den szenischen Proben wird der Inhalt verinnerlicht. Für den ein oder anderen Sänger verbirgt sich hinter der russischen Sprache eine Art Heimat, wie für Anna El-Khashem. Die gebürtige Russin versteht jedes Wort und kann dadurch ein paar Schritte überspringen und sich gleich an die Noten-Arbeit machen. Die Zeit, um sich in das Stück einzuarbeiten, benötigt jedoch jeder.

BSO: Was ist der größte Zungenbrecher in deiner Partie?
Long Long: „Rastorkt nud swaawsword swaju“. Dafür habe ich ewig gebraucht, ich habe es bestimmt an die 100-mal gesungen bis ich es richtig aussprechen konnte! Aber es ist auch lustig, da ich immer an meinen Zungenbrecher denken muss, wenn ich diese Passage singe.

Hast du davon schon Muskelkater im Mund?
Ja! Am Anfang war es wirklich sehr schwer für mich, da Muskeln beansprucht wurden, von denen ich nicht wusste, dass sie vorher überhaupt existierten – aber mit der Zeit gewöhne ich mich daran.

Mavra/Iolanta feiert am 15. April Premiere. Die Neuproduktion wird von Regisseur Axel Ranisch inszeniert.

Do, 18. April 2019, 19.00 Uhr
Sa, 20. April 2019, 19.00 Uhr
Mo, 22. April 2019, 19.00 Uhr
Do, 25. April 2019, 19.00 Uhr
So, 28. April 2019, 19.00 Uhr
Cuvilliés-Theater

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