Match! – Musik, die man sehen kann

Im Rahmen der diesjährigen Festspiel-Werkstatt führen zwei Musiker des Bayerischen Staatsorchesters, Jakob Spahn und Carlos Vera Larrucea, zusammen mit dem Cellisten Johannes Moser unter anderem ein Werk von Mauricio Kagel auf – in gleich zweifacher Ausführung: Match!.

Ein Vertreter des instrumentalen Theaters

Foto: Nationaal Archief - Sjakkelien Vollebregt / Anefo

Mauricio Kagels Kompositionen üben eine unglaubliche Faszination aus und machen neugierig auf die Hintergründe der Werke. Seine Werke sind performativ, abstrakt, mit einer gesunden Würze Humor – und ein ganzheitlicher Inszenierungsgedanke zeichnet sie aus. Der künstlerische Wirkungsbereich des in Buenos Aires geborenen Künstlers könnte kaum weiter gefasst sein. Er war Komponist, Dirigent, Librettist und Filmregisseur, und all das oft sogar gleichzeitig. Kagel gilt als einer der wichtigsten Vertreter des instrumentalen Theaters. Diesem Komponisten war vor allem daran gelegen, die Musiker und deren Umfeld beziehungsweise die Inszenierung der Stücke von Anfang an in die Komposition mit einfließen zu lassen. Alle Aspekte eines Konzertabends spielen eine Rolle, vom Raum über die Zuschauer bis hin zur Kleidung. Die eingespielten, teilweise ans Absurde grenzenden  Rituale des gemeinsamen Kunstgenusses (die wir teils gar nicht mehr wahrnehmen) werden in Frage gestellt und spielerisch ins Rampenlicht gerückt. So entstanden Werke wie beispielsweise ein Konzertstück für Pauken und Orchester, das damit endet, dass der Paukist in sein Instrument stürzt. Es ist also durchaus erlaubt, Kagels Werk mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten. Vor zwei Jahren wurde im Rahmen der Festspiel-Werkstatt seine Komposition Mare Nostrum aufgeführt, die das Publikum in seiner Ganzheitlichkeit fesselte.

Die Partitur

Schlägt man die Partitur von Match! auf, stolpert man zunächst über eine dreiseitige, erklärende Zeichen- und Instrumentenlegende. Angesichts der Tatsache, dass gerade einmal drei Instrumentalisten eingeplant sind und das Stück nicht länger als 20 Minuten dauert, ist das doch eine beachtlich detaillierte Anweisungsskizze.

Visuelle Klangwelt

Die Konstellation in aller Kürze: Zwei Cellisten liefern sich ein Match, und der Schlagzeuger agiert als (am Ende verzweifelt scheiternder) Schiedsrichter. Kagel selbst sagt über die Entstehung des Werkes, er sei eines Morgens aufgewacht und habe das gesamte Stück geträumt, in allen Details, inklusive der Spielregeln. Innerhalb von nur sieben Tagen schrieb er daraufhin die Partitur nieder.

Das instrumentale Theater ist für die Musiker eine ganz besondere Herausforderung. Kagel, so wie auch andere Zeitgenossen und Genreinterpreten, wandte sich bei seinen Stücken davon ab, nur auf den perfekt getroffenen Ton abzuzielen. Für viele Musiker stellt gerade das die große Herausforderung dar. Musiker, die es gewohnt sind, konzentriert an ihrem Instrument zu sitzen, werden mit Kagel zu Schauspielern und manchmal sogar zu Akrobaten. Jakob Spahn, Johannes Moser und Carlos Vera Larrucea stellen sich bei ihrem Werkstatt-Abend mit großer Freude dieser Aufgabe. Kagel: „Von Anbeginn meiner Arbeit an der Komposition wurde mir klar, dass die Klangwelt, die ich im Traum gehört hatte, weniger eine akustische als eine visuelle Klangwelt war.“ Die Bewegung, die notwendig ist, um einen Ton zu erzeugen, ist ihm mindestens so wichtig wie der Ton selbst – wenn nicht gar wichtiger.

Unbedingt ansehen

Zum Abschluss noch ein Gedanke von Mauricio Kagel:

„Hierzu möchte ich bemerken, dass mich die Grenze zwischen dem Komischen und dem Ernsthaften stets interessiert hat, da ich des öfteren Belustigendes nur da sehe, wo anscheinend für das Lachen kein Raum gelassen ist …“

Und unser Trailer gibt einen kleinen Eindruck von der spielerischen Herangehensweise, mit der sich die Musiker und das Regieteam diesem Abend genähert haben.

Trailer zu "Match!"

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Kommentare

  • Am 07.07.2018 um 00:29 Uhr schrieb Ulrike Bielek

    Ich will das nochmal sehen und hören!

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