Masken?

Das Schlaue FüchsleinOpernstudioKostüm

Wie stellt man Menschen, die Tiere spielen, auf der Bühne dar? Dieses Thema steht wahrscheinlich zwangsläufig am Anfang jeder Produktion von „Das schlaue Füchslein“. Was für den aufmerksamen Opernbesucher, der unsere Produktion gesehen hat, vielleicht interessant ist, ist die Tatsache, dass die Art, wie wir letztendlich die Tierwelt auf der Bühne darstellen, nicht von Anfang an feststand, sondern das Ergebnis eines intensiven Versuchsprozesses ist. Hier also einige Fotos, die diesen Prozess veranschaulichen.

Bei unseren ersten Versuchen in Wien haben Patrick Bannwart und ich parallel zur Herstellung des Bühnenbildmodelles mit Material expermentiert, das wir von Ikea und verschiedenen Baustellen zusammengesammelt haben.

Die fertige Maske sah dann so aus:

Wie man sieht, ist hier von einer psychologischen Durchleuchtung der Figur, wie wir sie dann am Ende auf die Bühne gebracht haben, noch nicht viel zu sehen. Vielmehr kommen hier all die Filme zum Vorschein, die uns schon von klein auf viel Freude mit Masken gemacht haben, allen voran wohl „The Fly“:

Natürlich besteht diese Entwurfsphase auch aus Internet-Recherche, und so bin ich auf einen Film gestoßen, der versucht hat, den Erfolg der „Fliege“ von 1986 zu wiederholen:

Der Film, für interessierte Leser dieses Blogs, heißt „Mosquito Man“, und wenn der Film das hält, was das Foto verspricht, sollte man ihn sich vielleicht demnächst mal auf einem Video-Beamer mit ein paar besoffenen Freunden zu Chips und Fanta ansehen…

Patrick und ich haben auch kurz daran gedacht, die verschiedenen Tiergesichter einfach auf weiße Kissen, die die Sänger tragen, zu projizieren:

Das sah anfangs vielversprechend aus, aber wir haben dann doch schnell gemerkt, dass sich dieser Ansatz schnell erschöpft. Vor allem würde das auch bedeuten, dass die Sänger sich nur in Abhängigkeit zu vorproduziertem Video-Material bewegen könnten, womit die gesamte Aufführung zu einer Art Präzisionschoreographie geronnen wäre – also viel zu einschränkend für alle Beteiligten.

Im nächsten Schritt habe ich im Kostümfundus der Oper nach Masken gesucht; da gab es riesige Hasenköpfe und einen ebenso großen Froschkopf. Die haben unsere Proben dann auch bis zuletzt begleitet. Außerdem gab es da eine größere Anzahl an Vogelmasken, die ich – alles vor Beginn der Proben – als mögliche Masken für die Hennen reserviert hatte:

Während dieser Arbeitsphase habe ich einige Skizzen gemacht, die sich bewusst noch nicht mit dem Gedanken der Realisierbarkeit befassen:

Diese Skizze zeigt einen Größenvergleich zwischen Mensch und Tier – würde man einen Film zum „Schlauen Füchslein“ machen, wäre das ein einfaches und effektives Mittel, um die Menschenwelt von der Tierwelt zu trennen. Theoretisch könnte man auch Wattons, also Schaumstoffanzüge für die „Menschen“ bauen.

Eine weitere Skizze spielt mit dem Gedanken, dass nicht die Tiere Masken tragen, sondern die Menschen – was durchaus ein interessanter dramaturgischer Ansatz wäre; Frantik und Pepik, die beiden Kinder, die das Füchslein quälen, sähen demnach so aus:

Hier stand ein wenig Tim Burton mit seinen beiden Monsterkindern Tweedledee und Tweedledum aus „Alice in Wonderland“ Pate:

Nachdem ich meine Skizzen der Leitung der Kostümabteilung gezeigt habe, war erst einmal betretene Stimmung: viel zu teuer! Also habe ich, um uns alle ein wenig zu beruhigen, selber die wichtigsten Masken gebaut, aus material, das ich in Möbelhäusern, Baumärkten, Haushaltswarengeschäften und Tierhandlungen zusammengesammelt habe. Hier ein paar Beispiele:

Man sieht: der Aspekt der kostengünstigen Realisierung hat Einzug gehalten. Und ein weiterer Gedanke kommt hinzu: Die Masken sollten alle so aussehen, als ob sie von den Trägern selber gebastelt worden wären. Und die „Tiere“ tragen, abgesehen von den Masken, keine „Tierkostüme“.

Somit ist in dieser Arbeitsphase bereits die Grenze zwischen Tier- und Menschenwelt gefallen, die Masken sind eher Zeichen als Behauptung dafür, dass die Sänger tatsächlich Tiere darstellen.

Um diese Idee zu verdeutlichen, habe ich die folgende Zeichnung gemacht:

Die Tierwelt sollte an dieser Stelle ein wenig so sein, als ob verwilderte Kinder mit selbstgebastelten Masken Tiere spielen. Während der Proben haben wir diese Idee auch auf die Fuchskinder übertragen: Die sollten aussehen wie eine wilde Räuberbande:

Die Masken haben wir aus Baumwolltragetaschen angefertigt. Die sahen dann so aus:

Als wir dann die Masken auf einer Probe ausprobiert haben, sahen sie leider nicht wild und bedrohlich genug aus, und irgendwie war es auch schade, die Gesichter der Kinder nicht zu sehen. Deshalb haben wir den Masken die Ohren abgeschnitten und sie auf Kapuzenjacken genäht.

Zufällig wurde an dem Tag, als wir uns für diese Lösung entschieden haben, die Nachricht bekannt, dass Maurice Sendak, der Zeichner und Autor des Kinderbuch-Klassikers „Wo die wilden Kerle wohnen“, gestorben war. Die Kapuzenjacken mit den Fuchsohren sind in gewisser Weise also auch eine Verbeugung vor dem großen Zeichner und Autor Sendak. Hier ein Foto aus dem sehr schönen Film „Wo die wilden Kerle wohnen“ von Spike Jonze:

Zuletzt noch eine Zeichnung, die während der Endproben unserer Füchslein- Produktion entstand und die eine hilfe für die Requisite und die Ankleider sein sollte, die gemeinsam dafür verantwortlich waren, dass Andrew Owens, unsere „Mücke“, die richtigen Blutbeutel zur richtigen Zeit hat:

Man sieht die verschiedenen Stadien der Mücke im Verlauf des Abends: Zuerst hat die Mücke einen einzelnen Blutbeutel und kommt sozusagen auf den Geschmack.

Beim nächsten Auftritt hat sie vier Blutbeutel, randvoll gefüllt; die Mücke ist jetzt in einem „Blutrausch“ und tanzt mit dem Blut über die Bühne. Einige Zeit später kommt sie wieder, aber leider ist sie diesmal am Verhungern: die Blutbeutel sind leer, ihre blutigen Flügel hängen schlaff herab. Sie soll aussehen wie ein Junkie, dem die Droge ausgegangen ist. Die Mücke stirbt auf der Bühne. Nach einer Bühnenverwandlung treffen wir wieder auf die Mücke: Sie ist auferstanden, hat einen Heiligenschein und weiße Flügel. Und sie ist dick geworden!

Beim letzten Auftritt der Mücke sehen wir, dass sie richtig fett geworden ist: die Mücke ist eigentlich die glücklichste Figur unserer Inszenierung geworden, andererseits ist sie allerdings auch tot.

Ich hoffe, dieser Blogbeitrag hat gezeigt, wie viel Arbeit in der Entwicklung von ein paar Fuchsohren stecken kann. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich bei allen Beteiligten, allen voran der Kostümabteilung unter Ulrich Gärtner und Georg Schletter, die uns mit unendlich viel Geduld Schritt für Schritt begleitet und unterstützt haben! Vielen, vielen Dank!

Und so sieht „Das schlaue Füchslein“ am Ende auf der Bühne aus: zur Fotogalerie

Kommentare

  • Am 10.01.2013 um 17:29 Uhr schrieb Dr.Kraeker

    Ist diese Inzenierung neu ???

    2012 war das Schlaue Füchslein eine Zumutung !!!

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