Lulu probt

LuluDmitri TcherniakovProben

Marlis Petersen bei den Proben zu "Lulu"
Marlis Petersen bei den Proben zu "Lulu"

Eine neue Inszenierung von Lulu. Eine Figur, die man nicht fassen kann, ein Werk, das in seinen Anforderungen über alles hinausgeht, was es bis dahin in der Oper gegeben hat. Nun setzt Dmitri Tcherniakov (der Alban Bergs erste Oper, Wozzeck, vor sechs Jahren erstmals überhaupt in Moskau auf die Bühne gebracht hat) dieses Werk an der Bayerischen Staatsoper neu in Szene.

In der Oper Lulu wechseln sich groteske Passagen mit beinahe (oder scheinbar) realistischen Schilderungen ab. In der Interpretation von Dmitri Tcherniakov – der wie stets auch sein eigener Szenograph ist – wird dieser Kontrast zusätzlich verstärkt durch ein abstraktes Bühnenbild, das als überdimensionales Zeichen für innere Zustände fungiert, untergründige und unbewusste Beziehungen andeutet: knapp zwei Dutzend Zellen mit quadratischem Grundriss, komplett aus Glas, vier Meter hoch, ein Raum voller innerer Widersprüche: Die Kammern sind Rückzugsorte und Gefängniszellen, die Konstruktion symmetrisch übersichtlich und labyrinthisch verschlungen, das Glas erlaubt Durchsicht und wirft doch spiegelnd den Blick des Menschen auf sich selbst zurück. Ein Material, hart und kalt, das trotzdem je nach Lichteinfall einladend wirken kann. Der Schritt von einer Zelle zur nächsten ist oft gar nicht direkt möglich, sondern führt manchmal über umständliche Pfade.

Dmitri Tcherniakov im Glaslabyrinth
Dmitri Tcherniakov im Glaslabyrinth

Ein Raum, der die Sinne verwirrt. Dieser Raum ist auch ein Sinnbild für Lulu selbst. Diese Frau, die von sich selbst sagt: „Ich habe nie in der Welt etwas anderes scheinen wollen, als wofür man mich genommen hat; und man hat mich nie in der Welt für etwas anderes genommen, als was ich bin“, verändert sich, je nachdem, wer sie betrachtet; Lulu ist durchlässig für alle Projektionen, sie erfüllt die Wünsche, die man von ihr erwartet. Aber wer sie wirklich ist, ob es einen Kern gibt, der ihr Innerstes darstellt, das bleibt bis zum Schluss offen.

Und in diesem Bühnenbild agieren die Figuren in konkreten, fast filmisch detaillierten Situationen. Bei fast vollständigem Verzicht auf Mobiliar ist das Augenmerk auf die wenigen verwendeten Requisiten umso bedeutsamer: Hier muss alles bis ins Kleinste stimmig und wirklichkeitsnah sein. Nur so lässt sich das fragile Zusammenspiel von realistisch und surrealistisch überhaupt ermöglichen und aufrechterhalten. Das erarbeitet Dmitri Tcherniakov mit seinen Darstellern minutiös. Jeder Satz, jede Geste wird mit Subtext untermauert.

In der ersten Bühnenprobe am 5. Mai wurde erstmals der Beginn des 3. Akts probiert. Und hier, in der einzigen Szene mit größeren Ensembles, geschieht in der Inszenierung etwas Besonderes: Die Perspektive wandelt sich. Statt psychologisch realistischem Interagieren entsteht ein innerer Albtraum Lulus, die – nachdem der wichtigste Mensch ihres Lebens, ihr dritter Ehemann Dr. Schön, von ihr umgebracht wurde – nun nur noch von Trabanten umschwirrt wird, von Menschen, die ihre eigenen Interessen verfolgen und sie dafür benutzen.

Die konzentrierte und dennoch ausgelassene Stimmung dieser Proben wird in den Fotos von Wilfried Hösl dokumentiert.

Probenimpressionen von Wilfried Hösl

Regisseur Dmitri Tcherniakov und Sängerin Marlis Petersen im Dialog
Regisseur Dmitri Tcherniakov und Sängerin Marlis Petersen im Dialog
Dmitri Tcherniakov mit Sängern und seinem Produktionsteam
Dmitri Tcherniakov mit Sängern und seinem Produktionsteam
Die Statisterie der Bayerischen Staatsoper bei den Proben
Die Statisterie der Bayerischen Staatsoper bei den Proben
Marlis Petersen im Gespräch mit Oksana Lyniv, der Assistentin von Kirill Petrenko
Marlis Petersen im Gespräch mit Oksana Lyniv, der Assistentin von Kirill Petrenko
Hochkonzentriert bei der Arbeit
Hochkonzentriert bei der Arbeit
Sehr eng ist die Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und der Sängerin der Titelrolle.
Sehr eng ist die Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und der Sängerin der Titelrolle.
Jedes szenische Detail muss begründet sein.
Jedes szenische Detail muss begründet sein.
Große Geste
Große Geste
Blick von oben auf die Bühne
Blick von oben auf die Bühne
Und auch der Spaß kommt bei den Proben nicht zu kurz: Posieren für den Fotografen!
Und auch der Spaß kommt bei den Proben nicht zu kurz: Posieren für den Fotografen!

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