Lieber Alfred...

Wiedersehen!

Du warst, bist und bleibst ein wahrer Theatermensch. Unvergesslich sind Deine Auftritte als Köchin in “Die Liebe zu den drei Orangen”, Frank in “Die Fledermaus”, Waldner in “Arabella” oder zuletzt Benoît in “La bohème” – um nur ein paar wenige Deiner vielen, vielen Bühnenrollen zu nennen. Aber für uns Ensemblemitglieder bist du viel mehr ein Beispiel für Pünktlichkeit, Ordnung, Einstudierung, Präsenz während der Proben und herausragende Leistungen auf der Bühne. Um es in ein Wort zu fassen: Du bist professionell.

Besonders wichtig für uns war Deine Leistung, die Du über viele Jahre hinter der Bühne als Solistensprecher erbracht hast. Das Engagement und der Einsatz, den Du für Deine Kollegen gezeigt hast, war großartig. Sei es das Gespräch mit dem Intendanten, Vertragsfragen, Ton- und Bildaufnahmeverträge oder auch wie man eine neue Partie einstudiert.

Und nicht zu vergessen Deine vielen lustigen Theateranekdoten! Auch beim Festeplanen warst Du immer mit dabei und natürlich hattest Du immer ein offenes Ohr und kluge Ratschläge für uns alle.

50 Jahre bist Du nun auf der Bühne gestanden. Dazu herzlichen Glückwunsch! Du hast die Augen und Ohren von Tausenden von Zuschauern mit Deiner Stimme und Bühnenpräsenz erfreut. Am vergangenen Freitag hast Du bei “La bohème” deinen Abschied gefeiert – und das wie immer mit einer hervorragenden Leistung.

Alfred, es wird immer einen Platz im Herrensolo für Dich geben, an dem Du Deine Zeitung lesen und einen Kaffee trinken kannst. Wir Solisten freuen uns auf Dich!

Dein Ensemble aus der Bayerischen Staatsoper

Kommentare

  • Am 30.07.2012 um 02:38 Uhr schrieb LorenzodaPonte

    "Erschütternd!" *)

    Lieber, hochverehrter Herr Kammersänger,
    eine bedeutende Ära an der Bayerischen Staatsoper ist zu Ende gegangen. Die Ära Alfred Kuhn. Fast 30 Jahre, dabei immer unglaublich präsent, in jeder Rolle, egal wie groß, egal wie klein, Hauptrolle oder Wurzen, immer eindrucksvoll und außerdem, egal ob im Gesang, im Rezitativ oder im Dialog, immer brilliant textverständlich, bis zum letzten stimmlosen Konsonanten, bis in den hintersten Winkel des Nationaltheaters. Da sollten sich viele, viele Sänger ein Beispiel nehmen. Vielleicht geben Sie ja jetzt Meisterkurse in präziser Artikulation (obwohl, bei vielen jüngeren Sängern wäre das vermutlich aussichtslos).

    Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen, dass Sie ihr unvergleichlich-mürrisches "Wie lang er bleibt!" vollklingend ins Nationaltheater knarrten, um sich anschließend in die bösartige Lust am "recht barbarisch" sein so hineinzusteigern, wie das in derartig prägnanterer Doppelironie kein Osmin je dargestellt hat. Wie schön, dass dieses "Liebesverbot" auf CD erhältlich ist. Wie schade, dass es sonst so gut wie keine Aufnahmen gibt (Orff "Kluge"?)... Aber so viele, viele gute Erinnerungen.

    Sie werden nicht nur den Kollegen (s. o.), sondern auch dem Münchner Publikum sehr, sehr fehlen. Auch wenn Sie hier weder den "König Heinrich" noch, obgleich Sie ja "nämlich vom Lied kommen" einen speziellen Liederabend (das ließe sich ja nachholen, wie wäre es denn mit dem "Krämerspiegel") gesungen haben.
    Es wäre wirklich schön, wenn wir sie irgendwann, irgendwo wieder hören dürften. Einem derartigen Bühnenviech (bitte die drastische Formulierung zu verzeihen) wie Ihnen wird der völlige Ruhestand hoffentlich schwer fallen. Repertoire gäbe es genug.

    Alles erdenklich Gute,
    viel Freude, Gesundheit
    und eine schöne, fröhliche Zeit
    wünscht Ihnen
    LorenzodaPonte

    *) Fledermaus, 3. Akt

  • Am 30.07.2012 um 02:43 Uhr schrieb LorenzodaPonte

    "Erschütternd!" *)

    Lieber, hochverehrter Herr Kammersänger,
    eine bedeutende Ära an der Bayerischen Staatsoper ist zu Ende gegangen. Die Ära Alfred Kuhn. Fast 30 Jahre, dabei immer unglaublich präsent, in jeder Rolle, egal wie groß, egal wie klein, Hauptrolle oder Wurzen, immer eindrucksvoll und außerdem, egal ob im Gesang, im Rezitativ oder im Dialog, immer brilliant textverständlich, bis zum letzten stimmlosen Konsonanten, bis in den hintersten Winkel des Nationaltheaters. Da sollten sich viele, viele Sänger ein Beispiel nehmen. Vielleicht geben Sie ja jetzt Meisterkurse in präziser Artikulation (obwohl, bei vielen jüngeren Sängern wäre das vermutlich aussichtslos).

    Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen, dass Sie ihr unvergleichlich-mürrisches "Wie lang er bleibt!" vollklingend ins Nationaltheater knarrten, um sich anschließend in die bösartige Lust am "recht barbarisch" sein so hineinzusteigern, wie das in derartig prägnanterer Doppelironie kein Osmin je dargestellt hat. Wie schön, dass dieses "Liebesverbot" auf CD erhältlich ist. Wie schade, dass es sonst so gut wie keine Aufnahmen gibt (Orff "Kluge"?)... Aber so viele, viele gute Erinnerungen.

    Sie werden nicht nur den Kollegen (s. o.), sondern auch dem Münchner Publikum sehr, sehr fehlen. Auch wenn Sie hier weder den "König Heinrich" noch, obgleich Sie ja "nämlich vom Lied kommen" einen speziellen Liederabend (das ließe sich ja nachholen, wie wäre es denn mit dem "Krämerspiegel") gesungen haben.
    Es wäre wirklich schön, wenn wir sie irgendwann, irgendwo wieder hören dürften. Einem derartigen Bühnenviech (bitte die drastische Formulierung zu verzeihen) wie Ihnen wird der völlige Ruhestand hoffentlich schwer fallen. Repertoire gäbe es genug.

    Bleibt noch, Ihnen ganz herzlich zu danken, für die unzähligen eindrucksvollen Opernabende, die Sie stimmgewaltig und mit so viel Spielfreude und der gerade für Komik auf der Bühne so unerläßlich wichtigen (aber wem schreibe ich das) Präzision für Ihr Publikum mitgestaltet haben. Es war immer eine ganz besondere Freude,
    Alfred Kuhn zu hören, Alfred Kuhn zu sehen, Alfred Kuhn zu erleben.

    Danke!

    Alles erdenklich Gute,
    viel Freude, Gesundheit
    und eine schöne, fröhliche Zeit
    wünscht Ihnen
    LorenzodaPonte

    *) Fledermaus, 3. Akt

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