Klappern, Klopfen, Gläserklirren

BühnenmusikDie SoldatenOrchesterSchlagzeug

Sage und schreibe 43 Schlagzeuger sitzen bei unserer Neuproduktion von Bernd Alois Zimmermanns Die Soldaten im Orchestergraben, auf und hinter der Bühne. Kristin Häring hat drei von ihnen, die als „Tischklopfer“ auftreten, vor einer Aufführung begleitet.

Nachmittags, kurz nach vier: In drei Stunden beginnt eine weitere Vorstellung von Die Soldaten, doch vorher gibt es einiges zu tun. Vor jeder Aufführung findet noch einmal eine kurze musikalisch-szenische Probe statt, damit alles reibungslos läuft. Besonders im Mittelpunkt steht dabei die Kaffeehausszene am Beginn des zweiten Akts. Diese ist besonders kompliziert, da nicht nur Sänger und Orchester daran beteiligt sind, sondern auch Tänzer und Tänzerinnen, eine Jazz-Combo und 18 „Tischklopfer“, die mit Löffeln, Gläsern und Tassen ordentlich Lärm machen. Alles läuft in dieser Szene nach einer genauen Choreographie, nichts wird dem Zufall überlassen: kein Schritt, keine Geste, kein Geräusch.

Um das alles so reibungslos realisieren zu können hat sich das Bayerische Staatsorchester 18 Schlagzeugstudenten aus München, Salzburg und Zürich mit ins Boot geholt, die die Rollen dieser Tischklopfer übernehmen. Ich treffe Philomene, Edzard und Thomas kurz vor der Probe zum Gespräch. Für Thomas und Edzard ist es das erste Mal, dass sie auf der Bühne an einer Produktion mitwirken und nicht im Orchestergraben sitzen. „Das ist schon eine besondere Herausforderung, wenn man gleichzeitig Musik machen, sich dabei aber auch noch choreographisch bewegen und auf die Mimik achten soll,“ erzählt Edzard. Die Angst vor dem Schauspielern sei da schon größer gewesen als die Scheu vor moderner Musik. „Die Noten schauen ja meistens schlimmer aus als sie dann tatsächlich sind,“ verrät Thomas. Außerdem sei das alles gar kein Problem gewesen, weil Dirigent Kirill Petrenko alles sehr genau einstudiert habe: „Es war ein unglaublich tolles Arbeiten mit Petrenko“, freut sich Philomene, „er hat alles ganz penibel einstudiert, dadurch hat man alles super gelernt.“

Die Tischklopfer müssen allerdings nicht nur den richtigen Rhythmus klopfen können, sondern während der Szene auch noch sprechen. „Das Schwierige dabei war wirklich, dass man teilweise nur einzelne Silben oder Worte hat, die man ganz genau setzen muss, so dass sich dann in der Gruppe daraus ein ganzer Satz ergibt“, erklärt Philomene. Die Sprecheinsätze müssen aber nicht nur richtig, sondern vor allem auch laut sein: „Nach der ersten Probe hatten wir alle richtige Halsschmerzen, weil wir so viel rumbrüllen mussten,“ erzählt Edzard.

Doch die letzte Szene der Oper entschädigt für alles: „Ganz am Schluss dürfen wir richtig die Sau rauslassen, mit Kunstblut um uns spritzen und Requisiten durch die Gegend werfen, das macht richtig Spaß,“ freut sich Thomas. Und Edzard schiebt noch hinterher: „Am Anfang war das schon echt komisch mit dem Kunstblut, aber wenn man sich traut draufzubeißen, merkt man schnell, dass das echt gut schmeckt. Nach Minze, Kirsche oder Himbeere“.

Nach der Koordinationsprobe, in der noch einmal einige Details besprochen werden, geht es für die Schlagzeuger in die Maske. Philomenes lockiges Haar wird dann unter einer Art Duschhaube versteckt, die Haut der Musiker wird weiß geschminkt und zu guter Letzt wird Ihnen noch eine Perücke aufgesetzt.

Dann müssen sie nur noch ihre Uniformen anziehen – und die Vorstellung mit Klappern, Klopfen und Gläserklirren kann beginnen.

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