Kisten und Inventare

GeschichteStaatsbibliothek

Ein Transfer von Bibliotheksbeständen kann unter Umständen Generationen von Bibliothekaren kontinuierlich beschäftigen.

Mehrfach wiederholt sich zwischen 1975 und 1993 diese Situation: Wir befinden uns in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Die zwischen der Leitung beider Häuser, der Oper und der Staatsbibliothek, schriftlich vereinbarte Übergabe eines Teils der historischen Opernbibliothek hat stattgefunden. Konkret bedeutet dies: Mehrere Kubikmeter Aufführungsmaterial sind eingetroffen. Sie ergänzen großenteils die schon früher (1922 und 1938) abgegebenen Bestände.

In diesen großen Grundstock, der Anfang der Siebziger Jahre für den Katalog der Musikhandschriften erschlossen wurde, soll nun das neu angelieferte Material sinnvoll eingearbeitet werden. Die erste und wichtigste Aufgabe ist die Grobordnung des Materials anhand der vorhandenen Werke. Durch einen glücklichen Zufall erweist sich das Signaturensystem, das der erste Opernbibliothekar im 1825 neu errichteten Haus eingeführt hatte, als so tragfähig, dass es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein weiter genutzt wird: Jede Oper, jedes Werk erhält eine eigene Nummer, und alles zugehörige Material wird damit etikettiert und somit am gleichen Standort versammelt.

Am deutlichsten zeigt sich das Prinzip im wichtigsten Arbeitsmittel aller Abgaben, dem umfassenden „Opern-Inventar“ von ca. 1899.

In ihm wurden gewissenhaft alle Daten zum Vorhandensein und Verbleib des jeweiligen Aufführungsmaterials vermerkt: Laufend vergebene Nummer, Titel, Komponist, die Anzahl der vorhandenen Textbücher, Partituren, Stimmen und Klavierauszüge. Die Rubrik „Bemerkungen“ klärt Wissenslücken: Werke ohne Aufführungsmaterial, die in den vorausgehenden Inventaren bereits laufende Nummern erhalten hatten, sowie nicht mehr vorhandenes Material ist sorgfältig „ausgestempelt“. Abgaben an die Staatsbibliothek sind bei jedem einzelnen Titel vermerkt.

Ein alphabetisches Titel-Register der Opern am Schluss des Bandes machen einzelne Werke leicht auffindbar.

Doch – ist in den Quellen immer „drin, was draufsteht“?

Dies mit dem Sachverstand der musikhistorisch geschulten Bibliothekarin zu prüfen, ist nicht nur eine notwendige, sondern auch eine äußerst spannende Aufgabe. Und man ist wirklich erstaunt, was man alles finden kann …

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