Kinder und Tiere auf der Bühne? Aber ja!

KinderCampusNepomuks NachtProben

Eine alte Theaterredensart besagt, Kinder und Tiere hätten auf der Bühne nichts verloren. Wenn das so wäre, hätte ein Regisseur, der gerade eine Kinderoper mit Kindern für Kinder inszeniert, ein Problem. Nicht genug, dass er in Nepomuks Nacht Kinder auftreten lässt, im Stück wird auch noch der Papa Oberon in einen Esel verwandelt. Zu den Kindern kommt also auch noch ein Tier!

Wie entsteht denn überhaupt so eine Redensart?

Oft sagt man, dass gerade Kinder auf der Bühne authentischer wirkten. Die Authentizität im Spiel der Kinder ist für sich gesehen noch kein Problem, vielmehr erstrebenswertes Ziel aller Akteure. Erst im direkten Vergleich – Kind und Profi auf der Bühne – kommt der Unterschied zum Tragen: Neben einem Kind wirkt ein Akteur, noch dazu ein Sänger in der Oper, wie eine unwirkliche Kunstfigur. Dieser Unterschied kann als Problem oder auch als Qualität begriffen werden. Das-Bei-Sich-Sein im Spiel der Kinder ist für alle anderen erwachsenen Sänger und Schauspieler und auch den Regisseur eine Bereicherung. Jeder logische Fehler, jede gekünstelte Bewegung wird von Kindern schonungslos erkannt und sofort in Frage gestellt. Was man später häufig als Sänger hinnimmt und einfach macht, weil der Regisseur es so will, wird von Kindern nicht akzeptiert.

So wurde ich in einer der letzten Proben von einem kleinen Mädchen darauf hingewiesen, die Requisitenmilchflasche doch bitte wieder in den Kühlschrank zu stellen, sonst würde sie sauer und ungenießbar.

In einer anderen Probe griffen die zuschauenden Kinder plötzlich ein und sagten, dass, so wie die Kinder auf der Bühne abspülten, doch kein Mensch zu Hause abwasche. Das sei doch völlig unlogisch! Auf diesen berechtigten Einwand hin korrigierten wir die Szene, bis die Kinder mit dem, was sie sahen, zufrieden waren.

Ein weiteres Mal stellte mir ein Mädchen die Frage: „Warum wird der Papa denn in der Nacht in einen Esel verwandelt?“ – Weil er sich wie ein Esel verhält. – „Dann muss er doch nicht erst verwandelt werden.“ – Die Mama kann über die Verwandlung den Papa mit neuen Augen sehen, wieder lieb haben und später erkennen, was sie an dem Nicht-Esel-Papa hat. Ich hoffe, diese Erklärung fiel zu ihrer Zufriedenheit aus!

Kinder können die beste logische Selbstkontrolle des Regisseurs während der Probenarbeit sein. Ohne dabei einer Abteilung des Hauses auf die Füße treten zu wollen: Kinder nehmen oft ganz selbstverständlich die Position der beobachtenden und mitdenkenden Produktionsdramaturgen ein – und sie machen das sehr gut!

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