Kein Jahr, in dem Milch und Honig fließen

13.10.2017

Opernhonig

Opernhonig 2017: Leider keine üppige Ernte

„83 Gläser, mehr nicht.“ Als die Hausimkerei der Bayerischen Staatsoper vor wenigen Tagen über den Umfang der Honigernte 2017 informierte, war die Überraschung groß. Die Enttäuschung auch. Insgesamt produzierten die vier Bienenvölker auf dem Dach des Nationaltheaters gerade einmal 21 Kilogramm Honig. Eine satte Ausbeute sieht anders aus. War der Frühling zu warm, der Juli zu kalt, der Boden zu nass oder die Bienen faul? Schnell machten Spekulationen die Runde, zumal die Kollegen vom Staatstheater Nürnberg über ein ähnlich maues Ergebnis berichteten. Die beiden Häuser hatten vor zwei, bzw. vier Jahren ihre eigenen Imkereien gegründet, um auf die Probleme der Honigbiene aufmerksam zu machen. Zeit, mit Experten zu sprechen. Wir haben die beiden zuständigen Theaterimker mit Fragen gelöchert.

„Die Völker starteten nur sehr schlecht und schwach aus dem Winter. Schuld daran ist wahrscheinlich die Varroamilbe, ein Parasit, der vom Blut der Honigbiene Apis mellifera lebt“, erklärten uns die beiden, Christiane Seefried in Nürnberg und Johannes Gronau in München. „Nachdem neben den Honigbienen mittlerweile auch die Wildbienen vom Aussterben bedroht sind, muss es neben der Varroamilbe, die nur die Honigbiene parasitiert, aber auch noch andere Gründe für diese Dezimierung geben.“

Dass Pflanzenschutzmittel, ‎Nahrungsknappheit, einseitige Ernährung und ein schrumpfender Lebensraum die größten Probleme der Insektenwelt darstellen, ist bekannt. Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, hat die Bayerische Staatsoper vor vier Jahren ihre eigene innerstädtische Imkerei gegründet. Aufgrund des massenhaften Fleischkonsums der Gesellschaft werden von der hiesigen Landwirtschaft vornehmlich Mais und Getreide angebaut, also Tierfutter produziert. Das ist neben den Biogasanlagen Hauptursache Nummer eins für die Vermaisung und Monokultur der Felder, wo zudem immer mehr Dünger und Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. „Beides führt zum Rückgang von Wildpflanzen und Insekten“, so Gronau. „Mittlerweile geht es den Insekten in der Stadt sogar besser als auf dem Land.“ Und weiter: „Anstatt Pflanzen eigens für die Energieproduktion anzubauen, könnten hierfür auch Grünabfälle und anfallende Stoffe aus der Tierhaltung verwendet werden. Außerdem gibt es Blühmischungen, die anstatt von Mais angebaut werden können, und zur richtigen Zeit – also vom Frühjahr bis zum Sommer – Nahrung für Insekten bieten.“

Gibt es weitere Gründe, warum es Bienenvölkern schlecht gehen und die Ernte klein ausfallen kann? „Ja. Immer mehr Menschen möchten sich selbsttätig für den Erhalt der Honigbiene einsetzen und stellen sich ohne jegliche Schulung Völker in den Garten oder auf den Balkon. Dies hat oftmals den Tod der Bienen und die Ansteckung von Völkern, die von Imkern behandelt wurden, ‎zur Folge. Wir können daher nur empfehlen, professionelle Imkerkurse zu besuchen, bevor man sich der Bienenhaltung zuwendet“, sagen die beiden. Und ja, auch sie werden sich wieder um solche bemühen: „Wir planen, im kommenden Jahr Imkerkurse anzubieten und diese auch öffentlich zugänglich zu machen.“ Bis dahin darf die neue Ernte des Opernhonigs Jahrgang 2017 genossen werden, erhältlich ab sofort im Opernshop. Aufgrund der Exklusivität kann pro Person jedoch nur ein Glas erworben werden. Schmecken tut er so gut wie immer. Daher: Einfach bewusst genießen!

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Kommentare

  • Am 16.10.2017 um 09:36 Uhr schrieb Markus Hahnel

    Anmerkungen zum Milch & Honig-Blog-Beitrag

    Vielen Dank für euren tollen Blog-Beitrag.
    Als Hobbyimker und Stadtimker macht man immer häufiger ähnliche Erfahrungen.

    Eure Erklärungen und Rückschlüsse sind richtig und wichtig, doch gehen sie etwas am Kern der Problematik vorbei.

    Dafür müsst ihr runter vom Operndach, wo die Bienenvölker stehen, rein in den Publikumsraum und in die Foyers.

    Dort sitzen und wirken allabendlich nämlich die Menschen, Entscheider und Sponsoren, die für unsere agrarindustrielle Landwirtschaft stehen und deren (noch) sehr erfolgreiches Geschäftsmodell uns unser Ökosystem und die Biodiversität um die Ohren fliegen lässt.

    Ein Beispiel: die BayWa gehörte laut Jahresbericht 2014 zu den Opernsponsoren; die verdient ihr Geld nicht mit Streuobstwiesen!
    Oder all die Opernliebhaber mit ihren Dritt- und Viertautos (Nummer 1 im Panzerformat, Nummer 4 Alibi-elektrisch), aus den Zweit- und Drittwohnungen, mit architektengeplanten pflegeleichtem aber bienenfeindlichen Minimalgrün. Nachhaltig ist anders!

    Ein Vorschlag: nehmen wir von den 106,67 Euro Subvention pro Opernbesucher ein paar beiseite und investieren die in den Umstieg auf eine ökologische Landwirtschaft!

  • Am 16.10.2017 um 10:11 Uhr schrieb Markus Hahnel

    Anmerkungen zum Milch & Honig-Blog-Beitrag

    Vielen Dank für euren tollen Blog-Beitrag.
    Als Hobbyimker und Stadtimker macht man immer häufiger ähnliche Erfahrungen.

    Eure Erklärungen und Rückschlüsse sind richtig und wichtig, doch gehen sie etwas am Kern der Problematik vorbei.

    Dafür müsst ihr runter vom Operndach, wo die Bienenvölker stehen, rein in den Publikumsraum und in die Foyers.

    Dort sitzen und wirken allabendlich nämlich die Menschen, Entscheider und Sponsoren, die für unsere agrarindustrielle Landwirtschaft stehen und deren (noch) sehr erfolgreiches Geschäftsmodell uns unser Ökosystem und die Biodiversität um die Ohren fliegen lässt.

    Ein Beispiel: die BayWa gehörte laut Jahresbericht 2014 zu den Opernsponsoren; die verdient ihr Geld nicht mit Streuobstwiesen!
    Oder all die Opernliebhaber mit ihren Dritt- und Viertautos (Nummer 1 im Panzerformat, Nummer 4 Alibi-elektrisch), aus den Zweit- und Drittwohnungen, mit architektengeplanten pflegeleichtem aber bienenfeindlichen Minimalgrün. Nachhaltig ist anders!

    Ein Vorschlag: nehmen wir von den 106,67 Euro Subvention pro Opernbesucher ein paar beiseite und investieren die in den Umstieg auf eine ökologische Landwirtschaft!

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