Interview: Osiel Gouneo ist Puck!

12.05.2017

Die Hauptrollen in Ein Sommernachtstraum sind offiziell Titania und Oberon aber jeder weiß, dass insgeheim Puck der Protagonist ist. Osiel Gouneo verrät uns warum...

Anlässlich der Wiederaufnahme des Shakespeare-Klassikers Ein Sommernachtstraum am 13. Mai 2017 haben wir unseren Philostrat/Puck Osiel Gouneo zum Gespräch getroffen. Hier sind seine Eindrücke von der Rolle des schelmischen Kobolds und Dieners des Elfenkönigs:

Wie ist es für dich die Rolle des Philostrat/Puck zu tanzen?

Was mich am meisten an dieser Doppelrolle fasziniert, ist, dass sie durch das komplette Stück führt. Dieser Charakter zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte, schließlich ist er verantwortlich für die Liebesirrungen und Liebesverwirrungen zwischen den Paaren. Außerdem ist Puck eine vielseitige Persönlichkeit: In der Menschenwelt, als Philostrat, ist er ein Mann mit guten Manieren und guter Bildung; in der Märchenwelt aber hat Puck zwei andere Gesichter, einerseits ist er sehr charismatisch, andererseits auch völlig ungezogen. Das macht für mich die Darstellung spannend. Dazu kommt, dass Puck kindlich fröhlich wirkt. Das finde ich sympathisch. Er versucht, die Menschheit und ihre Liebesgeschichten zu verstehen. Mit der Macht der Liebesblume ist er aber überfordert, deswegen macht er Fehler.

Osiel Gouneo bei den Proben

Hast du dich schon vorher mit der Geschichte von Ein Sommernachtstraum auseinandergesetzt?

Für mich war der Ballettmeister Kevin Haigen, der mit uns gerade das Stück einstudiert, ausschlaggebend, dass ich mich so intensiv mit der Figurenkonstellation von Ein Sommernachtstraum beschäftigt habe. Er ist mit mir jedes einzelne Kapitel durchgegangen, hat mir erklärt, welche Rolle was tut, wie die einzelnen Charaktere sind und wann genau ich was zu tun habe. Erst durch diese detaillierte Probenarbeit konnte ich so richtig in die Geschichte eintauchen. Das ist natürlich für mein Rollendebüt super.

Somit kommen wir zu der Frage wie die Arbeit mit Kevin Haigen ist?

Kevin ist für mich ein Segen! Er hat die Rolle des Philostrat/Puck damals 1977 gemeinsam mit John Neumeier kreiert und sie viele Jahre selbst auf der Bühne getanzt. Ich lerne unglaublich viel von ihm, kann seine ganze tänzerische Erfahrung aufsaugen. Ich habe viel aus dieser Probenarbeit mitgenommen. Nun liegt es an uns Tänzern, das in den kommenden Vorstellungen auf der Bühne umzusetzen.

Was hältst du von der Handlung?

Mir gefällt die Geschichte und ich verstehe sie. Wie so oft im Leben geht es um Liebe, aber auch um Macht und um Vertrauen.  Das geht schon im 1. Akt los,  das ist eine Situation, die wir fast alle kennen: Man zweifelt an der Liebe des Gegenübers, weil er oder sie sich plötzlich auch für jemand anderen interessiert. Von der Enttäuschung und dem eigenen Stolz getrieben, handelt man oft unüberlegt und überstürzt. Dann sagt oder tut man Dinge, die man eigentlich gar nicht so meint. Im Stück und in der Handlung sorgt das für großes Konfliktpotenzial.

Denkst du, dass man die Geschichte in unsere reale Welt übertragen kann?

Definitiv. Ich habe schon viele solche Situationen erlebt. Zum Beispiel verliebt sich eine Frau in einen Mann, diese Frau wird aber von einem anderen Mann geliebt. Sie entscheidet sich für den, den sie mehr liebt oder mehr zu lieben glaubt. Manchmal ist man blind vor Liebe und handelt ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Rücksicht darauf, wie sehr das den anderen verletzt. Ich finde ja: Es ist immer besser, sich ehrlich zu einigen.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch

Natalie Knappik/Annette Baumann

Zurück

Kommentare

Neuer Kommentar