„Ich hätte nie gedacht, dass es so cool wird!“

Diese Woche begann mit einer Premiere: Die letzte von drei Vorstellungen von Così fan tutte trug nicht nur das Label „Familienvorstellung“, sondern war zugleich auch die erste „Studentenvorstellung“ an der Bayerischen Staatsoper. Mehr als die Hälfte des Hauses war mit jungen Erwachsenen besetzt, die sich gerade im Studium oder einer Ausbildung befinden. Der Großteil davon war zum aller ersten Mal in unserem Haus. Gezielt bei den universitären Erstsemestertagen im Oktober rührten wir die Werbetrommel für diese Pilotvorstellung – und waren überwältigt von der großen Resonanz. Zunächst hatten wir 500 Plätze reserviert. Dieses Kontingent haben wir schnell auf über 1.200 Plätze erweitert.

Nach dem Besuch gab es Freigetränke für Studenten und Auszubildende beim „Afterglow“

Wie fühlt sich nun so eine Vorstellung im Haus an? Nun, zunächst ganz entspannt. Während sich sonst bereits fünf Minuten nach Einlass längere Schlangen an der Abendkasse bilden mit Gästen, die dort ihre hinterlegten Karten abholen möchten, so ist es heute bis mindestens 20 Minuten vor Beginn im ganzen Haus verdächtig ruhig. Dann aber strömen die jungen Massen in das Haus und unsere Garderobieren kommen ganz schön ins Schwitzen – trotzdem können wir fast pünktlich beginnen. In der Zuspätkommer-Lounge im Capricciosaal werden sich während des ersten Akts sogar weniger Personen als sonst einfinden: genau zwei Besucher.

Es ist beeindruckend, aus einer der Seitenlogen die Reaktionen des Publikums zu erleben. Die Produktion (Inszenierung: Dieter Dorn; Bühne und Kostüme: Jürgen Rose) feierte 1993 im damaligen „Alten Residenztheater“, heute Cuvilliés-Theater, Premiere. Meine Kolleginnen und Kollegen neben mir und ich haben sie sicherlich schon dutzende Male gesehen, die Pointen sind bekannt – und so ist es nun umso spannender, die direkte Reaktion des Publikums nachzuverfolgen: Das Lachen, das Staunen und das Mitfühlen ist so unmittelbar, so echt – eben so, wie es ist, wenn man etwas zum allerersten Mal erlebt. In unserem kurzen Newsletter einige Tage vor der Vorstellung haben wir den Studentinnen und Studenten nur mitgeteilt: „Eigentlich müsst Ihr Euch gar nicht vorbereiten – es gibt Übertitel, zwei Paare sowie einen Junggesellen und eine Kammerzofe, die versuchen werden, die Treue der Frauen auf die Probe zu stellen.“ Das hat gereicht – und schon zur Pause freut sich das Ensemble über einen sehr großen, warmen Applaus.

Das Ensemble von „Così fan tutte“ mischte sich unter die Zuschauer beim Afterglow

Ich bin gespannt, wie viele Plätze nach der Pause wohl frei bleiben würden. Die Foyers der Pausengastronomie füllen sich schon einmal gut (dankenswerter Weise hat die Theatergastronomie heute studentenfreundliche Preise für Wein, Bier und Wasser angeboten) und zu Beginn des zweiten Aktes fallen mir im Parkett nur einige wenige freie Sitze auf. Das Publikum geht voll und ganz mit dem Bühnengeschehen mit: Es gibt große Lacher über die Verkleidungskünste von Despina (Tara Erraught) und die Überredungskünste zur Untreue durch Dorabella (Angela Brower). Bei Fiordiligis großer (und langer!) Arie (Per pietà) kann man eine Stecknadel fallen hören, so konzentriert ist die Stimmung im Saal. Den größten Zwischenapplaus räumt Guglielmo (Sean Michael Plumb) bei seiner Arie (Donne mie, la fate a tanti) ab, bei der er sich auf dem Steg zwischen Orchestergraben und erster Reihe direkt an das junge Publikum wendet. Am Ende dann folgt ein euphorischer und langer Schlussapplaus, den unsere Spielleiterin im Abendbericht mit dem Prädikat „Riesenapplaus“ adelt.

Danach geht es für 300 Studierende noch zum „Afterglow“ ins Freunde-Foyer, bei dem auch die Künstler kurz vorbeischauen und sich unter das begeisterte Publikum mischen. Bei kostenlosen Getränken (Dank des Staatlichen Hofbräuhauses München und der Weinhandlung Delinat) gab es noch eine Stunde die Möglichkeit, mit den Kommilitonen die Vorstellung nachwirken zu lassen, Meinungen auszutauschen („war das jetzt ein happy end oder nicht?“) oder gar den nächsten Besuch zu planen. Fortsetzung folgt!

» Die nächsten Vorstellungen im Programm fürs Junge Publikum
 


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