Hongkong IV: Deutsche Erlebnispädagogik bei gedrillten Chinesen?

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Manch einer der chinesischen Jugendlichen mag in den ersten Minuten an der Zurechnungsfähigkeit der Workshopleitung gezweifelt haben. Verlangte sie doch von den Schülern, sie sollen kreuz und quer umherlaufen, sich in verschiedene Situationen und Gefühlslagen hineinversetzen und diese in ihrer Körpersprache darstellen. Beim Üben der Mozart-Da Ponteschen Figurennamen „Ferrrando“ und „Fiorrrdiligi“ kamen die jungen Chinesen ausspracheakrobatisch zum Teil an Grenzen, was ihren Ehrgeiz aber in keiner Weise schmälerte.

Ein Team aus einer Musiktheaterpädagogin, einer Pianistin und einem Tenor führten innerhalb von zwei Wochen ein umfangreiches Education-Projekt an Hongkonger Schulen durch. In elf Schülerworkshops, einer Lehrerfortbildung, einer Schülereinführung und einer Backstage-Führung wurden über 200 Schüler aus zehn Hongkonger Schulen auf den Vorstellungsbesuch von „Così fan tutte“ vorbereitet. Die Jugendlichen zwischen zwölf und 14 Jahren hatten riesigen Spaß an der für sie eher ungewohnten Art der Unterrichtsgestaltung. Die Arbeit an den Figuren und den Szenen und vor allem die Kostüme, die wir aus dem Fundus der Staatsoper dabei hatten, versetzte die Jugendlichen durch alle Workshops hindurch in Ekstase und beflügelte im weiteren Workshop-Verlauf die Improvisationslust.

Es bleibt festzuhalten: Mozarts Gefühlskuddelmuddel begeistert, amüsiert und beflügelt auch viele 1000 Kilometer von Europa weit entfernte asiatische Teenager. Und ein Klischee muss widerlegt werden: Von Drill und Verklemmtheit, wie so oft behauptet, war bei den chinesischen Jugendlichen keine Spur! Das zeigt auch unsere Fotogalerie unten.

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