Hongkong III: Warum überhaupt das Ganze?

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Wozu eigentlich ein so großer logistischer und künstlerischer Kraftakt wie unsere Tournee nach China?

Als ich an Bord des Flugs LH 730 mit dem Ziel Hongkong im gefühlten Nirgendwo der Nacht aufwache, verrät mir lediglich der bedrückend nahe Bildschirm vor mir , dass das Dunkel unter mir das tibetische Hochland sein muss.

Unwillkürlich drängt sich mir folgende Frage auf: warum verfrachtet man eine gesamte Opernproduktion in Kisten, Container und Flugzeuge, um diese dann 9000 km weiter östlich im Rahmen des Hong Kong Arts Festival vier mal auf die Bühne zu bringen?

Prestige und Profit? Weil Opernhäuser und Orchester unserer Größenordnung das nun einmal tun? Oder weil das Adjektiv “internationales” vor dem Wort “Ansehen” – ebenso wie die hohe Nachfrage – auch eine Verpflichtung beinhaltet, der es nachzukommen gilt? Absolut. Vielleicht wäre dies alles schon Grund genug.

Doch ich wurde noch um einige weitere Antworten reicher. Bei der ersten Vorstellung im Grand Theatre konnte ich mich darüber freuen, wie gut sich das Orchester binnen einer Probe auf die schwierige Akustik im Graben eingestellt hatte. Das Uhrwerk Bayerische Staatsoper lief mit allen von der Zeitverschiebung gebeutelten Beteiligten und entgegen aller Widrigkeiten im Nebel von Hongkong genauso reibungslos wie im heimischen München.

Gastspiele bieten also Erfahrung und fordern Beweglichkeit. Und dem Gefühl, die Zelte auf- und abzubauen, haftet etwas Ursprüngliches an, wie beim Wandertheater, auch wenn dieser Vergleich im Hinblick auf unsere Historie und die heutigen Reisebedingungen natürlich nur bedingt zutrifft.

Die Erkenntnis, dass Mozart und Da Ponte in ihrem Witz und ihrer Erzählkunst nicht nur zeitlos sind, sondern einfach überall verstanden werden, mag selbstverständlich klingen. Trotzdem stimmte mich das Lachen und Staunen des herzlichen chinesischen Publikums froh – nicht zuletzt aufgrund unserer wunderbar spielenden und singenden Solisten.
Vieles wird also belebt durch das Reisen und durch die damit verbundenen neuen Eindrücke: der Austausch untereinander, mit den Gastgebern und mit dem Publikum.

Es brauchte dann aber die Bemerkung einer Flugbegleiterin von Flug LH 731 nach München (lag unter uns wohl wieder Tibet?), die uns erzählte, wie gern und oft sie in München in die Oper gehe. Da wurde mir klar: kein Gastspiel ohne Heimspiel. Wir fahren weg um wiederzukommen; und um das zu vermissen, was uns manchmal vielleicht als selbstverständlich gilt.

Ich freue mich auf das Nationaltheater.

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