Herr Conners und seine drei Verwandlungen

KostümKunstgewerbeProbenL'enfant Et Les Sortilèges

Bereits seit 1990 ist Kevin Conners Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper. Unzählige Partien hat er in dieser Zeit im Nationaltheater gesungen, mit der Premiere von Maurice Ravels L’Enfant et les sortilèges kommen sogar noch drei weitere Rollen hinzu: In dieser Märchenoper wird er als Wedgwood-Teekanne, als altes Männchen und als Laubfrosch zu hören und, in dieser Produktion ganz besonders wichtig, zu sehen sein.

Die Idee der Kostümbilderin Anna Nykovska für seinen ersten Auftritt als Teekanne war eine Kopfbedeckung in der entsprechenden Form. Diese muss natürlich sehr leicht sein, damit der Sänger nicht durch das Tragen beeinträchtigt wird – vor allem, weil Kevin auf der Bühne ganz schön springen und tanzen muss! Dafür wurde eine Styroporkugel mit Papier kaschiert, Schnabel und Henkel modelliert und auf eine Filzkappe mitsamt schwarzer Haare geklebt. Bei der Anprobe wurde die Schräge der Kanne und der Ausschnitt für den Kopf ermittelt.

Auf Wunsch des Regisseurs sollte außerdem Tee aus der Kanne fließen. Dafür haben wir einen kleinen Plastikbehälter in die Kanne eingebaut, den man mit Flüssigkeit befüllen kann.

Bei dieser Anprobe musste Kevin die Kanne noch mit ungeschnittenen Haaren probieren – später auf der Bühne wird ihn der lange Pony nicht mehr stören.

Auch für Kevins Kollegin Okka von der Damerau, die die chinesische Teetasse singt, wurde die Kopfbedeckung genau ihrem Kopf angepasst. Hier markiert unser Modistin Margarethe Luegmair-Ertl die exakte Form der Filzkappe und den Ausschnitt für die Ohren, damit die Tasse das Hören nicht beeinträchtigt.

Kevin hat nach dem „Teekannenauftritt“ nur ein paar Minuten Zeit um sich auf das groteske „Alte Männchen“, das einem Mathematikbuch entsteigt, umzuziehen. Für dieses Kostüm hat unsere Kunstgewerbeabteilung Gummimilch mit Stoff in Falten gelegt und trocken lassen. Daraus ergibt sich diese Oberflächenstruktur:

Aus diesem Material wurde eine enge Hose und ein Oberteil genäht und Kevin angepasst. Außerdem trägt Kevin Spitzenschuhe und ein Tutu. Nachträglich haben wir das Kostüm noch bemalt, weil uns bei der Klavierhauptprobe aufgefallen war, dass man aus der Distanz des Zuschauers die Hautstruktur des alten Mannes gar nicht mehr wahrnehmen kann. Bei der Bemalung haben wir versucht, die Höhen und Tiefen mehr zu betonen, damit die Falten deutlicher zu sehen sind.

Da der Umzug so schnell gehen muss, wird Kevin die „Gummihose“ schon unter der „Teekannenhose“ tragen, damit er dann schneller in die anderen Kostümteile schlüpfen kann. Wegen akuten Zeitmangels wird dieser Umzug direkt auf der linken Seitenbühne stattfinden – in so kurzer Zeit schafft er’s nicht in seine Garderobe. Außerdem muss noch die Perücke aufgesetzt und das Gesicht auf alt geschminkt werden. Da stehen dann schon mal vier Personen um Kevin bereit, die ihm dabei helfen, wieder rechtzeitig im neuen Kostüm auf der Bühne zu erscheinen. Aber immerhin: Kevin scheint sich in seinem Kostüm wohlzufühlen!

Genauso schnell muss Kevin sich danach in einen weißen Laubfrosch verwandeln. Hier die Positivform in der Werkstatt unserer Maskenabteilung, die nicht nur Kevins Froschkopf herstellen musste, sondern auch die Masken für den gesamten Froschchor!

Für Kevin heißt es also wieder: alles ausziehen, dann zügig einen Wattonbauch übers neue Shirt geschnallt, eine weite Hose darüber, Socken, Froschfüße, Froschhandschuhe und Jacke darübergeklettet. Zum Schluss noch die große Froschmaske aufgesetzt und mit großen Watschelschritten ab auf die Bühne, wo er dem Kind begegnet!

So wie über Kevin könnte man noch viele kleine Kostümgeschichten zu L’Enfant erzählen. Da ist zum Beispiel Angela Brower, die erst im Morgenmantel auf der Bühne sitzt, dann als miauende Katze aus dem Orchestergraben krabbelt, um sich schließlich innerhalb einer Minute ins Eichhörnchenkostüm mit buschigem Schwanz zu werfen. Oder der gesamte Chor, der sich von Schäfern zu Fröschen und dann in vier Minuten in Vögel verwandeln muss. Für die Kostümabteilung ist das natürlich der helle Wahnsinn – und wenn alles klappt, die reine Freude!

Kommentare

Neuer Kommentar