Großes Wiedersehen mit Osiel Gouneo

05.01.2018

„Ob als Puck, Albrecht oder Spartacus: Der Neuzugang beim Bayerischen Staatsballett hat München binnen einer Spielzeit erobert“, so das Fachmagazin tanz zur Ernennung Osiel Gouneos zum „Tänzer des Jahres 2017“. Seit letzter Spielzeit ist Osiel Gouneo als Erster Solist auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters zu erleben. Nach einer verletzungsbedingten Pause kerht er zu Jahresbeginn endlich wieder auf die Bühne zurück, in Spartacus und Don Quijote. Im Interview gibt er uns einen Einblick in sein Tänzerleben beim Bayerischen Staatsballett.

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Osiel Gouneu wurde als Tänzer des Jahres 2017 ausgezeichnet
Osiel Gouneu wurde als Tänzer des Jahres 2017 ausgezeichnet

Herzlichen Glückwunsch! Wie war es zu erfahren, dass Du zum „Tänzer des Jahres“ gekürt worden bist?

„Das ist für mich natürlich eine Ehre. Eine solche Auszeichnung bekommt man nicht jedes Jahr. Ich bin für die Chancen, die mir das Ensemble gegeben hat, sehr dankbar. Das Repertoire des Bayerischen Staatsballetts finde ich faszinierend. Außerdem sind die Ballettmeister und der Ballettdirektor sehr kompetent darin, die richtige Richtung für Künstler aufzuzeigen. Mein wichtigstes Anliegen hier in München war von Anfang an, das Ensemble soweit wie möglich zu unterstützen. Es geht in einer Company wie überall um die Aufopferung.“

Die Titelrolle aus Spartacus war nicht nur ein wichtiger Grund für deine Auszeichnung, sondern ist auch die Figur, in der wir Dich als nächstes wieder auf der Bühne erleben können. Wie viel Emotion muss man beim Tanzen in diese Rolle hineinstecken?

„Spartacus ist ein Charakter, für den man entweder alles oder nichts gibt. Eine Rolle, die man nie vergisst – sowohl physisch als auch emotional. Ich konnte anhand einer TV-Serie jedes Detail seiner Rebellion aufnehmen und habe so versucht, die Denkweise von Spartacus nachzuvollziehen. Ich muss sagen, dass es sehr schwierig ist, aus der Rolle Spartacus herauszukommen, weil der Adrenalinspiegel während der ganzen Vorstellung so hoch ist. Das ist aber noch nicht das Schwierigste. Die größte Herausforderung ist es, sich von dieser Rolle zu erholen, weil der Körper so sehr unter den gewaltigen Sprüngen und weiteren Anstrengungen leidet.“

Don Quijote feiert im Januar 2018 Wiederaufnahme. Du wirst die männliche Hauptrolle, den Basilio, das erste mal am Haus tanzen, auch wenn wir Dich hier in München schon in einem kleinen vielversprechenden Ausschnitt aus Don Quijote in der Gala der vergangenen Spielzeit sehen durften. Hast Du eine besondere Affinität zu diesem Charakter?

„Basilio ist die allererste Rolle, an die ich gedacht habe, als ich noch ein Kind war. Im Sommer dieses Jahres war ich in meiner Heimat Kuba. Dort hatte meine Mutter eine Überraschung für: eine meiner Zeichnungen aus meiner Kindheit, die mich als Basilio zeigt. Ich habe diese Rolle schon so oft getanzt und jedes Mal finde ich eine neue Facette, die ich noch nicht zum Ausdruck gebracht habe. Das ist etwas Schönes für mich, ein Geschenk. Es ist für mich wichtig, mir bewusst zu werden, dass ich etwas erreicht habe, von dem ich vor 16 Jahren geträumt habe.“

Nach seiner verletzungsbedingten Pause kehrt Gouneo als Spartacus zurück
Nach seiner verletzungsbedingten Pause kehrt Gouneo als Spartacus zurück

Die Kritiker schwärmen von deinen Pirouetten, die in die Unendlichkeit rotieren, Sprünge, die sich der Schwerkraft zu entziehen scheinen. Ist für Dich die Technik die größte Herausforderung oder etwas ganz anderes?

„Für mich ist es wichtig, die Balance zwischen einem Tänzer, der auf die Technik achtet, und einem, der auf den künstlerischen Aspekt schaut, zu halten. Ich versuche, meine Technik daher als eine Art Schmuck für meine Darstellung eines Charakters zu nutzen. Das ist so, als beträtest du eine leere Wohnung, rundum sind weiße Wände, nichts ist da, und du fängst an, die Wohnung einzurichten und zu dekorieren. Genauso schmücke ich die Charaktere mit Pirouetten und Sprüngen aus. In fast jeder Vorstellung wissen wahrscheinlich einige der Zuschauer nichts über die Technik. Aber du kannst sie mit deiner Darstellung beeindrucken, sodass sie schöne Erinnerungen von der Aufführung mitnehmen. Du kannst sie fühlen lassen, was du fühlst.“

Tänzer, insbesondere Spitzentänzer sind ständig mit hohen Erwartungen konfrontiert – Erwartungen vom Ballettdirektor, von den Ballettmeistern und auch vom Publikum. Empfindest Du einen Druck aufgrund solcher Erwartungen?

„Ich fühle mich sehr wohl bei den Ballettmeistern, weil sie mich und meine Arbeitsweise gut kennen. Auch mein Direktor weiß, wie ich denke. Was mich bekümmert, sind die neuen Medien. Heutzutage teilt man alles im Internet. Wir Künstler tragen somit als Vorbilder für die jüngere Generation eine riesige Verantwortung. Daher müssen wir aufpassen, was wir auf der Bühne vormachen. Deshalb habe ich mir beispielsweise immer Sorgen gemacht, wenn ich mit Verletzung auftrat. Einerseits sagte ich mir zwar immer: ‚Bei meinem Leben, ich gebe einfach alles!‘, aber andererseits dachte ich mir auch: ‚Ich sollte doch auf mich aufpassen und mich nicht so sehr strapazieren, wie ich es ohne Verletzung machen würde.‘“

Hast Du eine andere Leidenschaft als Ballett?

„Ja! Ich liebe es zu dekorieren, Mode und ich bin ein großer Fan der Schauspielkunst. Letzteres ist auch der eigentliche Grund, warum ich Ballett tanze. Ich würde sehr gerne in einem Drama oder Film mitspielen (lacht).“

Weitere Informationen zu den nächsten Vorstellungen von Spartacus und Don Quijote mit Osiel Gouneo finden Sie im Spielplan.

Das Interview führten Antonia Hostlowsky und Meihui Yu

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