„Für den Klang eines Orchesters ist Kammermusik unabdingbar“

12.10.2016

Bei der Premiere von Fidelio schwebte das Odeon Quartett in Käfigen auf die Bühne herab und spielte über den Sängern schaukelnd den „Heiligen Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit“ aus Beethovens spätem Streichquartett op. 132. Nun eröffnet das Quartett am Sonntag die Kammerkonzertsaison des Bayerischen Staatsorchesters. Wir haben mit den Kolleginnen und Kollegen darüber gesprochen, was diese Konzertreihe für sie bedeutet und wie sie sich formiert haben.

Die Kammerkonzerte, so Michael Durner, 1. Violine im Odeon Quartett, sind nicht nur weitere Vorstellungen im Konzertkalender des Bayerischen Staatsorchesters. Vielmehr sind sie ein wichtiger Antrieb, sich selbst durch die Konzertreihe zu fordern und weiterzuentwickeln.
Das Bayerische Staatsorchester besteht aus 140 Musikern mit zumeist einer Solostelle je Stimmgruppe. Durch die Kammerkonzerte können viele Musiker aus dem Tutti heraustreten und so weiter am eigenen Klang arbeiten – etwas, das im Kollektiv nicht immer möglich, aber sehr wichtig ist, um einen optimalen Gesamtklang zu erzielen. Insbesondere in Kammerkonzerten wird das Aufeinander-Hören, das Miteinander-Spielen auf die Spitze getrieben. Michael Durner: „Ich kenne meine drei Kollegen des Quartetts fast besser als viele aus dem Orchester“ - und wenn er das sagt, wirkt es fast ein bisschen so, als ob er eigentlich sagen möchte: „Das ist meine Familie!“

Michael Durner (Foto: Wilfried Hösl)
Felix Gargerle (Foto: Wilfried Hösl)
Felix Gargerle (Foto: Wilfried Hösl)

Das Odeon Quartett…

…wurde im Jahr 2004 gegründet. Der Anlass: Felix Gagerle, 2. Violine, hatte einen fußballspielenden Freund in Hohenweiler in Vorarlberg. Als die Mehrzweckhalle des Ortes frei wurde, traf man sich dort eigentlich für wöchentlich stattfindende Trainings – doch dann entstand eine Idee: Neben der eigenen körperlichen Ertüchtigung wolle man die Menschen vor Ort auch ein bisschen mehr an die sogenannte „Hochkultur“ heranführen. Für die Idee konnte er auch die Kollegen Christiane Arnold (Viola) und Peter Wöpke (Violoncello) gewinnen – und so gab es 2004 das erste Konzert des Odeon Quartetts in Hohenweiler.
Werke von Haydn, Dvořak und Webern standen auf dem ersten Konzertprogramm. Seitdem tritt das Odeon Quartett jedes Jahr im November dort auf. Aus dem ursprünglich spontanen Anlass hat sich nun ein Quartett geformt, das eine eigene Sprache entwickelt hat. Der Austausch ist höchst „demokratisch“, über jeden Komponisten und die Interpretationsmöglichkeiten wird intensiv diskutiert. Doch am Ende langer Theoriedebatten heißt es dann dennoch: „So, genug geredet, jetzt spielen wir einfach mal!“

Christiane Arnold (Foto: Wilfried Hösl)
Christiane Arnold (Foto: Wilfried Hösl)
Peter Wöpke (Foto: Wilfried Hösl)
Peter Wöpke (Foto: Wilfried Hösl)

Zum Programm

Die Vorfreude auf das erste Kammerkonzert ist im Quartett ist groß. Dass Reger im "Regerjahr" – vor 100 Jahren verstarb der deutsche Komponist – gespielt wird, ist logisch. Alle Musiker (hinzu kommen Henning Ruhe am Klavier und Jürgen Key auf der Klarinette) sind sich einig: Es ist eine enorme Herausforderung, Reger zu spielen. Die beiden Stücke von ihm (Trio für Violine, Viola, Klavier e-Moll op. 102 und das Klarinettenquintett A-Dur op. 146) wurden extra aus unterschiedlichen kompositorischen Schaffensphasen gewählt, um auf die musikalische Entwicklung des deutschen Komponisten und Pianisten aufmerksam zu machen.
Das Adagio Schuberts funktioniert dabei als perfektes Intermezzo. Felix Gargerle: „Max Reger kam in seiner späten Schaffensphase sehr nah an Schubert heran. Im Gegensatz zu anderen Komponisten wurde Reger mit den Jahren weniger komplex in seinen Strukturen. Es lag daher für uns Nahe, Schubert zu spielen.“

1. Kammerkonzert 2016/17
So, 16. Oktober 2016, 11.00 Uhr
Allerheiligen Hofkirche
Karten

Jürgen Key (Foto: Wilfried Hösl)
Jürgen Key (Foto: Wilfried Hösl)
Henning Ruhe (Foto: Wilfried Hösl)

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