„Freude an der Musik vermitteln“

AttaccaEcho

Herzlichen Glückwunsch, Allan, zum ECHO. Wo warst du, als du davon erfahren hast?
Allan Bergius (lacht) Als der Schmitzi (Rainer Schmitz, Hornist im Staatsorchester und Gründer sowie organisatorischer Leiter von ATTACCA) angerufen hat war ich, glaube ich, gerade beim Wickeln, jedenfalls allein mit den Kindern zu Hause.

Und wie war die Stimmung in der nächsten ATTACCA-Probe?
Allan Bergius Ausgelassen, klar. Vor allem kam ja noch dazu, dass wir fast gleichzeitig einen weiteren Preis verliehen bekommen haben. Die Gesellschaft zur Förderung der Münchner Opernfestspiele e.V. hat uns für unseren Beitrag zum Festspielkonzert „Oper für alle 2011“ ausgezeichnet. Ich habe dann zum Orchester gesagt: Als nächstes kommt der „Oscar“.

Bekommt man den ECHO einfach so aus heiterem Himmel, bewirbt man sich dafür oder gibt es sogar einen Wettbewerb?
Allan Bergius Für den Preis wird man vorgeschlagen und zwar entweder von einem Vertreter aus den Medien oder der Musikindustrie. Soweit ich weiß, werden die Preisträger von einer Jury ermittelt, die sich aus unabhängigen Branchenexperten, der ZDF-Musikredaktion und dem Arbeitskreis Klassik (Bundesverband der Musikindustrie) zusammensetzt.

Was ist das Besondere an ATTACCA?
Allan Bergius In erster Linie geht es bei ATTACCA darum, Freude an der Musik zu vermitteln und die Kinder an die Oper heranzuführen. Und dann ist es natürlich ein besonderes Privileg, im großen Saal des Nationaltheaters auftreten zu dürfen und intensiv mit den Kollegen vom Bayerischen Staatsorchester, die die Stimmproben leiten, zusammenzuarbeiten. Da ist eine echte Gemeinschaft entstanden, unabhängig vom jeweiligen Leistungsstand. Manche sind ja schon mehrere Jahre dabei und haben sich Stück für Stück vorgearbeitet, einige haben sogar ein Musikstudium begonnen. Doch das ist nicht das primäre Ziel von ATTACCA.

Wie war das bei dir, wolltest du schon immer Berufsmusiker werden?
Allan Bergius Jedenfalls bereits ziemlich früh. Ich hatte das Glück, im „Tölzer Knabenchor“ schon als Kind mit sehr guten Dirigenten aufzutreten, z.B. mit Leonard Bernstein, meinem großen „Idol“. Und meine Eltern sind ja auch beide Musiker, da war es mir irgendwie selbstverständlich, dass ich etwas mit Musik machen werde.

Der jüngste „Attaccist“ ist wie alt?
Allan Bergius Beim letzten Konzert hatten wir einen 10-Jährigen dabei, der Tamtam gespielt hat – das hat super funktioniert. Aber das ist eher die Ausnahme, die meisten Mitglieder sind zwischen 12 und 18 Jahre alt.

Ihr traut euch ja an ziemlich schweres Repertoire heran, wie zum Beispiel den „Feuervogel“ von Strawinsky, der auch für ein Profiorchester kein leichtes Stück ist. Hast du da im Vorfeld nie Bedenken gehabt, ob das zu bewältigen ist?
Allan Bergius Die Anfrage des Staatsballetts, ob wir nicht bei der „Feuervogel“–Produktion mitmachen wollen, war wirklich ein Moment, an dem ich dachte: Nein, das geht zu weit. Aber dann habe ich es als Chance und nicht als Risiko gesehen und die Attaccisten haben es wirklich toll hingekriegt. Überhaupt habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, nur Werke ins Programm zu nehmen, die die Jugendlichen herausfordern.

Du bist ja von klein auf mit Cello und Dirigieren quasi zweigleisig gefahren, hast schon mit 13 ein Kammerorchester gegründet und geleitet, dann das Üben auf dem Instrument und bei den Tourneen als Solist der „Tölzer“ war extra ein Privatlehrer dabei. Wie ging das denn mit der Schule zusammen?
Allan Bergius Naja, mit der Schule war es manchmal schon schwierig, auch wenn ich es letztlich noch ganz ordentlich hingekriegt habe. Dass ich in Latein zeitweise auf einer 5 stand erwähne ich zum Beispiel nicht so gern…

Kein Ding, das lassen wir einfach weg… Themenwechsel: wie war die Gala bei der Preisverleihung ?
Allan Bergius Bei der Gala war ich leider krank und Rainer musste alleine hin, aber er hat sich, glaube ich, ganz gut amüsiert. Vor allem, als er nach der Party mit dem ECHO im Arm am Checkpoint Charlie vorbeikam. Da stand ein Fotograf, denn es war ja der Vorabend zum Tag der Deutschen Einheit, und man konnte sich von ihm vor der historischen Kulisse ablichten lassen. Der hat verdutzt geguckt und sofort gefragt: Ist das’n ECHO? Als Rainer bejaht hat war er ganz beeindruckt und dann ist dieses lustige Foto mit den beiden und den Mützen entstanden.

Und der ECHO steht jetzt wo?
Allan Bergius Wo er im Moment gerade ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Da der ECHO ja der Musikalischen Akademie des Staatsorchesters verliehen wurde sucht Rainer noch nach einem geeigneten Plätzchen in den Räumlichkeiten des Orchesters.

Die Biografie von Allan Bergius auf unserer Website

Kommentare

  • Am 12.06.2012 um 05:03 Uhr schrieb Toelzerfanclever

    Als Fan des Tölzer Knabenchores habe ich diesen Beitrag über einen der besten Knabensolisten, den die Tölzer je hatten, mit großem Vergnügen gelesen !

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