Bilder einer Orchesterprobe

03.02.2017

Frank Bloedhorn spielt seit 2001 Trompete im Bayerischen Staatsorchester. Und er fotografiert. Er fotografiert während der Orchesterproben, auf Tourneen und hält somit ganz intime, besondere und humorvolle Momente eines Orchesters fest. Vom 2. Februar bis 2. Mai 2017 könnt Ihr seine Bilder in einer Sonderausstellung im Karl-Valentin-Musäum in München sehen. Was Euch dort erwartet und warum sich ein Besuch lohnt, haben wir Frank Bloedhorn selbst gefragt.

Frank Bloedhorn, Selbstporträt

Wie kamst du zum Fotografieren und mit was fotografierst du am liebsten?
Wie so oft war es die Kamera vom Papa, die nur darauf wartete von mir ausprobiert zu werden. Da war ich etwa zwölf Jahre alt und spielte bereits drei Jahre im Posaunenchor Trompete. Eine Agfa Isolette war es. Aus heutiger Sicht wirklich wunderschön, mit einem Faltbalgen aus Leder und als Aufnahmesystem eine Mittelformatkamera. Kein Plastik sondern Aluminiumguss. Meine erste eigene Kamera war dann eine Nikon FA. Diese Kamera, bestückt mit einem 50 mm Objektiv, war meine ständige analoge Begleiterin auf so vielen Reisen bis hin nach Nicaragua. Dort habe ich dann auch Fotojournalisten getroffen, die mit Leica fotografierten. Der Hammer! Allein das satte Auslösungsgeräusch - großartig. Natürlich haben mich besonders deren Fotos beeindruckt, die in der Times oder bei National Geographic erschienen. Das ist lange her und mittlerweile fotografiere ich mit einer Leica M3, R7 und digital aktuell mit der M240, meine Lieblingskamera. Dazu die drei Lieblingsobjektive mit 21 mm, 50 mm und 90 mm Festbrennweite.

In deiner Ausstellung dreht sich alles um die Orchesterprobe. Inspiriert dich die Musik zum Fotografieren oder sind es eher die Instrumente als Motive?

Ganz klar: die Instrumente sind die Motive und das wirklich Spontane aus einer Situation heraus. Da ich selbst Musiker bin und somit eine Art Insider der vielen Proben und Arbeitsabläufen an der Staatsoper oder auf Konzertreisen, bleibt der Blickwinkel für die Motive immer irgendwie ausgefallen, manchmal kurios - auf jeden Fall aber anders.

Eine andere Inspirationquelle ist für mich durch die Straßen zu ziehen, sich treiben zu lassen, den Daumen am Auslöseknopf und dann die wunderbar inspirierende Musik von Pat Metheny am Ohr. Das ist unglaublich klasse und genial.

Die Trompete, Théâtre des Champs-Élysées
9vor8. Das Konzert kann beginnen, Konzerthaus Dortmund
Tiefgreifende Bewegung mit dem Kontrabass, Wiener Musikverein
Durchblick, Beethovenhalle Bonn

Hast du ein Vorbild? Mit welchem Fotografen würdest du gerne einmal zu Abend essen?
Es gibt dazu einige Beispiele: Thorsten von Overgaard, ein Dänischer Fotograf, Autor und Lehrer, der ausschließlich Leica Produkte benutzt. Irving Penn und seine phänomenalen Portraitstudien. Steve McCurry und sein Verdienst um den Fotojournalismus, nicht zu vergessen Sebastião Salgado, sozial engagiert und mit einer Fotografie, die unter die Haut geht.
Ein Abendessen mit Anne Leibovitz wäre das Größte. Eine ganz starke Persönlichkeit. Wirklich irre sind ihre aufwendig inszenierten Fotoporträts.

Was erwartet die Besucher deiner Ausstellung?
Es ist eine bunte Mischung unterschiedlichster Motive, die auf ihre eigene Weise das Thema Orchester, die Musikproben oder das Drumherum einer Konzertreise beschreiben. Die meisten Fotos sind während unserer Europa-Tournee mit dem Bayerischen Staatsorchester und Kirill Petrenko entstanden. Manche Motive hat ganz spontan vor oder nach einer Vorstellung mein iPhone eingefangen. Die meisten Aufnahmen sind unbearbeitet geblieben. Andere Fotografien habe ich verfremdet oder am Computer verändert.

Ich habe einen Traum, Orchestersitzprobe mit 1 Ton, Das Staatsorchester in Abu Dhabi
Posaunenengel, Théâtre des Champs-Élysées

Wie passen für dich die zwei Kunstformen Musik und Fotografie zusammen, was unterscheidet sie?
Musik und Fotografie passen ganz wunderbar zusammen. Immerhin sind es die zwei wichtigsten Sinne für uns Menschen. Auge und Ohr haben allerdings nur ihre eigene, vergleichsweise eng bemessene Reichweite. Und jedes nimmt andere Qualitäten der Wirklichkeit wahr. Aber wer will bestimmen, was wirklich ist und wahr? Beide Sinne gehören zusammen und passen auch zusammen - vorausgesetzt sie werden in ihrer jeweiligen Stärke erkannt. 

Zurück

Kommentare

  • Am 08.02.2017 um 13:25 Uhr schrieb Susanne Leber-Füssel

    Sono emozionata!

    Die Fotos von Frank sind mit so viel Feingefühl, mit so viel Auge und dem Gespür für den Augenblick "geschossen", dass sie mich zutiefst berühren. Und in dem einen oder anderen entdeckt man dann doch ein kleines Augenzwinkern.
    Go and see!!!

Neuer Kommentar