Essengehen mit Hermann Nitsch

Saint François D'assiseHermann Nitsch

wesentliche offizielle aufgabe für mich als assistent war die erstellung der videos, die in den aufführungen von „Saint François d’Assise“ zu sehen sind. wesentliche inoffizielle aufgabe für mich als assistent ist es, mit nitsch die speisekarten der münchener lokale zu vermessen. hier also die völlig persönliche und unvollständige auswertung.

brenner
liegt nahe an der oper, war also fast unausweichlich. essen und trinken ohne makel, das personal mit interessanter auffasung zum thema „korrekte dienstkleidung“: ein hemd sollte entweder in der hose stecken oder nicht, beides an einer person ist leider ein no-go, vor allem bei der preisklasse und mit diesen attitüden. akustisch ist der raum eine qual.

zum sedlmayr
großartige speisekarte, angenehme akustische atmosphäre, leider entriss man uns die speisekarte bei küchenschluss sehr unsanft. ich kam trotzdem wieder. schämte mich dann meiner eigenen inkonsequenz.

austernkeller
ein lokal wie sex mit einem transvestiten. irgendwie eigenartig, aber nicht schlecht.

becco fino
ausgezeichnete italienische küche, die selbst bei dem italienkenner und -liebhaber nitsch anerkennung findet. leider oft ausgebucht. die vollbusigen frauenfotos am pissoir sind leider unerträglich.

biergarten am chinesichen turm
anfang mai mit den blühenden kastanienbäumen: ein vorschlag wie der himmel sein könnte. leistungslose menschenanhäufung.

benjarong
solide thailändische küche und angenehm ruhig. denn liebe münchner: es ist nicht nötig, seinen nachbarn beim essen ins ohr zu schreien. die lautstärke in euren lokalen ist manchmal unerträglich. das benjarong ist da eine wunderbare ausnahme, und haxe auf dauer ist auch nicht zum aushalten.

vietnam-restaurant mai
gut, gut, nichts auszusetzen. keine schnörkel am teller, die dort nicht sein sollen.

weißes brauhaus im tal
die ganze speisekarte kann empfohlen werden. das rotkraut ein gedicht und von der kostümbildassistierenden hanna hollmann vorzugsweise bestellt. wunderbar schrullige bedienung und küche auch noch am späteren abend.

spatenhaus an der oper
die speisekarte riecht wunderbar nach leder, was ich als lederschwester natürlich sehr attraktiv finde. deren inhalt ist durchwegs zu empfehlen. die rustikale aber neue einrichtung ist am rande des wahnsinns und lässt an den letzten teil der “piefke-saga” denken. für das deckengemälde im erdgeschoss hasse ich selbst den pinselproduzenten. der mir bei besuchen ohne nitsch stets angebotene tisch neben dem klo ist eine zumutung und einzig der blick auf die küche gleicht dies aus. also: alles brav essen. und das opernlogo am teller ist ganz bezaubernd.

ab nun bin ich wieder in wien, arbeite an einer serienlösung für die offenen bücherschränke (wann kommt einer in münchen?), schneide endlich “fettklößchen”, meinen film nach dem gleichnamigen roman von guy de maupassant, kümmere mich um meine werkstätte WERKIMPULS und denke an die zeit in münchen.

amen.

Kommentare

  • Am 10.07.2011 um 15:56 Uhr schrieb Michaela Lohrray

    Bon Apetit!!!!

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