Es war Liebe auf die ersten Töne

Adrian Mustea ist seit 2011 erster Solobratscher beim Bayerischen Staatsorchester. Am 25. Juli ist er mit sieben Kollegen in einem Kammerkonzert im Cuvilliés-Theater mit Werken von Schumann, Schubert und Schönberg zu hören. Im Interview erzählt er uns mehr zu diesem abwechslungsreichen Konzertprogramm und wie er seine Liebe zur Bratsche fand.

Adrian Mustea

Auf dem Programm stehen Schubert, Schumann und Schönberg. Drei Werk, die unterschiedlicher nicht sein könnten …
Ja, das sind drei sehr unterschiedliche Stücke, die ich schon lange spielen wollte. Nun habe ich endlich die Möglichkeit dazu, alle Stücke an einem Abend aufzuführen. Schubert schrieb die Arpeggione-Sonate für ein Instrument, das ihn nachhaltig beeindruckte, das aber kaum mehr gespielt wird. Heutzutage wird die Sonate von Cello oder Bratsche interpretiert, das klingt natürlich anders. Das Stück ist sehr virtuos, zauberhaft und abwechslungsreich. Man könnte fast sagen: Es ist wie Schuberts Leben. Schubert schrieb es im Sommer 1824, während er in Ungarn war. Zu Beginn der Reise schrieb Schubert an einen Freund: „Ich fühle mich als der unglücklichste und elendste Mensch auf der Welt“. Nachdem er zurückgekehrt war, schrieb Moritz von Schwind über den Komponisten: „Schubert ist hier, gesund und himmlisch leichtsinnig. Neu verjüngt durch Wonne und Schmerz und heiteres Leben“. Auch das Stück erzählt von dieser Veränderung. Es ist melancholisch und virtuos, aber auch freudig – und man hört ungarische volkstümliche Klänge heraus.

Die Märchenerzählungen sind Schumanns vorletztes Kammermusik-Werk. Ende 1853 lernte Schumann Johannes Brahms kennen. Durch diese Begegnung war er so beflügelt, dass er innerhalb kürzester Zeit seine drei letzten Werke schrieb. Für die Märchenerzählungen brauchte er nur drei Tage. Einige Zeitgenossen betrachteten das Werk als eine Illustration Grimm‘scher Märchen, Schumann dachte jedoch viel mehr an eine märchenhafte Aura des Stückes, die von der Instrumentation ausgeht. Für ihn war die Besetzung von Viola, Klarinette und Klavier etwas Märchenhaftes und ganz Besonderes. Klara Schumann dazu in ihrem Tagebuch: „Heute vollendete Robert vier Stücke für Klavier, Klarinette und Viola und war selbst sehr beglückt darüber. Er meinte diese Zusammenstellung werde sich höchstromantisch ausnehmen. Und die Zusammensetzung der Instrumente von ganz eigentümlicher Wirkung.“

Arnold Schönberg ist ein sehr spezieller Komponist und unglaublich vielfältig. Natürlich verbinden wir den Namen Arnold Schönberg heute mit Atonalität und Zwölftontechnik. Aber gerade die Verklärte Nacht wird als ein Höhepunkt spätromantischer Entwicklung anerkannt. Das Stück ist inspiriert von einem Gedicht von Richard Demel. Der Dichter schrieb über das Werk an Arnold Schönberg: „Gestern Abend hörte ich die Verklärte Nacht und ich würde es als Unterlassungssünde empfinden, wenn ich Ihnen nicht ein Wort des Dankes für Ihr wundervolles Sextett sage. Ich hatte mir vorgenommen die Motive meines Textes in Ihrer Komposition zu verfolgen aber vergaß das bald, so wurde ich von der Musik bezaubert.“

Wie kam es zu dieser Programmauswahl?
Das gesamte Programm stammt aus dem 19. Jahrhundert, die Stücke sind jedoch sehr verschieden. Ich finde die Zusammenstellung unglaublich spannend, denn für mich war es ausschlaggebend, die große Vielfalt der Komponisten zeigen zu können.

Wenn Schönberg heute vor Dir stünde, was würdest Du ihn gerne fragen?
Mich würde interessieren, was ausschlaggebend dafür war, dass er die damaligen Grenzen auf so unvergleichliche Art sprengte und warum seine Musik rationaler wurde.

Warum hast Du dich für Bratsche entschieden?
Ich komme aus einer Musikerfamilie, mein Vater ist Komponist, Dirigent und spielt Flöte sowie diverse Blasinstrumente. Meine Mutter spielt Bratsche, meine Schwester ist Geigerin. So habe ich anfangs auch Geige gelernt, war mit dem Bratschenklang jedoch sehr vertraut. Als ich 16 Jahre alt war, gab mir meine Mutter in den Schulferien dann eine Bratsche in die Hand und meinte, ich solle es doch mal ausprobieren. Der Klang der Bratsche und der Charakter dieses Instruments haben mich sofort so gefangen genommen, dass ich sofort wusste: Wir sind füreinander bestimmt. Man kann sagen, es war Liebe auf die ersten Töne.

Was zeichnet Dein Instrument aus?
Die Klangfarben liebe ich einfach. Der Klang der Bratsche hat viel Tiefe und Innigkeit, er ist warm und zieht mich sofort in seinen Bann.

Worauf können sich die Besucher bei Deinem Recital freuen?
Auf eine musikalische Reise durch das 19. Jahrhundert, die Sie durch die Vielfalt der Komponisten überraschen wird.  

 

4. Festspiel-Kammerkonzert: Recital Adrian Mustea
Do, 25. Juli 2019, 20.00 Uhr
Cuvilliés-Theater

Das Interview führte

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