Die Europatournee des Bayerischen Staatsorchesters, Teil IV

TourneeOrchesterProbenEuropatournee

20. September: Meran

Nach einer vierstündigen Busfahrt erreichen wir bei herrlichem Wetter Bozen. Kurze Mittagspause und dann geht es auch schon weiter zur Anspielprobe im schönen Kursaal von Meran.

Unsere Bratschengruppe freut sich darauf, gleich Bruckners 7. Sinfonie im ausverkauften Kursaal von Meran zu spielen (und vielleicht auch ein bisschen auf den halben freien Tag in München und die Gelegenheit auf die Wiesn zu gehen?).

22./23. September: Gent

„The sexiest instrument of the orchestra!“
Zitat des Intendanten und Geschäftsführers des Festspielhauses Baden-Baden, Andreas Mölich-Zebhauser

In Bruckners 7. Sinfonie spielt sie eine tragende Rolle und verleiht dem Orchesterklang eine enorme Tiefenwirkung – die Wagnertuba. Wie geht man mit so viel Erotik und Verantwortung um? Christian Loferer wollte es genauer wissen und fragte bei seinen Kollegen Franz Draxinger und Maximilian Hochwimmer nach.

CL: Lieber Franz, wie spielt sich die Wagnertuba und worin besteht eigentlich die Schwierigkeit des Instruments?
Franz: Die Problematik besteht darin, dass es ein Nebeninstrument ist und somit nicht so häufig gespielt wird. Außerdem ist die Luftführung anders als beim Waldhorn, und die Intonationsfindung gestaltet sich oft schwierig.
CL: Max, du spielst, zusammen mit Wolfram Sirotek, eine der tiefen Wagnertuben. Worin besteht für dich der Reiz, dieses Intrument zu spielen?
Max: Sich als Tubenquartett zu finden, das intonatorisch gut stimmt! Die 7. Sinfonie von Bruckner ist wohl die berühmteste und bewegendste, die für Wagnertuben geschrieben wurde. Man hat als Tubenquartett eine solistische Aufgabe und wir kommen als letzte auf die Bühne und stehen beim Schlußapplaus als erste auf. (lacht)
CL: Wie oft sitzt Du in einer Spielzeit an der Wagnertuba?
Franz: Zur Zeit mehr als sonst, da wir uns in einem Bruckner-Zyklus befinden und dort meist Wagnertuben gefordert sind. Ende November zum Beispiel sind die Tuben wieder in Bruckners 9. Sinfonie zu hören.

Kent und seine Crew in Gent: Zwei Tage lang ist das Bayerische Staatsorchester in der belgischen Stadt zu Gast, im Gepäck haben sie Strauss’ Metamorphosen und Bruckners Siebte. Neben dem Konzert im Rahmen des Festival van Vlaanderen stehen außerdem noch die Einspielung von Bruckners Sinfonie für eine neue CD und ein geschlossenes Konzert für die EU-Verteidigungsminister auf dem Programm. Die Fotografin Christine Schneider hat die beiden Tage fotografisch dokumentiert. Unten finden Sie die Galerie!

Aber wie fühlt man sich nach zwei Wochen Leben aus dem Koffer? Johanna Kölmel lässt einen persönlichen Einblick zu:

„Die neunte Station der Tournee. Ich muss zugeben, dass ich ein leichtes Tourtief nicht verleugnen kann. Die letzten Tage waren sehr anstrengend: Jeden Morgen mindestens vier Stunden Reise und abends Konzert in einer anderen Stadt, in einem neuen Saal mit ungewohnter Akustik. Ein Kollege, der Solo-Fagottist Holger Schinköthe, versuchte mich vor dem Konzert aufzumuntern: ‘In der Kathedrale ist die Bruckner-Symphonie zu Hause.’ Und wirklich, es war erhebend – zuerst Strauss’ schwermütige Metamorphosen und dann Bruckners Siebte, die orgelgleich die riesige Kirche ausfüllte.
Der indische Gruß ‘Namaste’ bedeutet: ‘Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir.’ Mir schien es, als ob wir für die Dauer des Konzerts mit etwas Höherem und auch unter uns in einen besonderen Dialog traten.
Mein Kollege Holger hatte Recht. Nach dieser einzigartigen Konzerterfahrung war ich erfrischt und versöhnt.“

Kommentare

Neuer Kommentar