Die Europatournee des Bayerischen Staatsorchesters, Teil III

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17. September: Baden-Baden

Eine Skatpartie auf dem Weg zum nächsten Auftrittsort, dem Festspielhaus Baden-Baden.

„Dicke Freunde“: Unser kleinstes und schmalstes Orchestermitglied, Rita Rosza, mit zwei Tuben. Aber keine Sorge, normalerweise hat sie nicht so schwer zu tragen: Sie spielt Geige.

Backstage herrscht andächtige Ruhe, während auf der Bühne Beethovens 1. Symphonie gespielt wird. Nach der Pause steht Bruckner auf dem Programm, da müssen wieder alle ran.

Der doppelte Maestro: Kent Nagano trifft einen Fan mit entsprechendem T-Shirt.

18. September: Besançon

Cäcilie “Cäci” Sproß und Gerhard Breinl sind zwei der dienstältesten Kollegen im Bayerischen Staatsorchester. Klar, dass die beiden einen ganzen Haufen Erfahrung mitbringen. Johanna Kölmel hat das Paar befragt.

Johanna Kölmel: Liebe Cäci, lieber Gerhard, wie lange seid ihr schon im Orchester?
Cäci: 25 Jahre.
Gerhard: 37 Jahre.
Cäci: …macht zuammen 62 Jahre! (lacht)
JK: Und wie lange seid ihr schon ein Paar?
Cäci: Seit 22 Jahren.
JK: Geht ihr als Kollegen anders miteinander um als zu Hause?
Beide: Nein.
Cäci: Zu zweit zu reisen ist entspannter als alleine, denn man hat noch jemanden, der pünktlich mit einem aufstehen, den Zug oder Bus erwischen muss. Es ist gut, wenn noch jemand da ist, der auch Kontrolle übernimmt, die Augen offen hat.
Als Opernorchester reisen wir nicht oft, dafür gerne, es ist immer heiter und entspannt.
Gerhard: Es ist nicht so, dass jeder nach z.B. einer Zugfahrt sofort eigener Wege geht und seine Ruhe haben will, die Kollegen verbringen gerne auch in den freien Stunden Zeit miteinander.
JK: Wieviele Tourneen habt ihr schon mit dem Bayerischen Staatsorchester gemacht?
Cäci: Vielleicht 60?
Gerhard: Weiß ich nicht mehr. Unzählige.
JK: Was würdet ihr als erfahrene Weltreisende jungen Kollegen raten?
Cäci: Überhaupt nichts. Jeder muss selbst seinen Stil finden, die Generationen ändern sich.
Gerhard: Die Jüngeren integrieren sich gut und sind alle verantwortungsbewusst. Man sollte sich den Tagesablauf gut einplanen und seine Kräfte für den Abend sparen, dass man konzentriert ist. Nach den Konzerten ein bisschen zu feiern ist natürlich ok und gehört dazu. Ich persönlich könnte nicht tagsüber z.B. ins Museum gehen und abends spielen, das ginge nur an einem freien Tag. Ich bummle gerne durch die jeweilige Stadt um die Atmosphäre aufzunehmen; einfach ins Café setzen und Leute beobachten.

Pause auf dem Weg nach Besançon

Unser Konzertmeister Markus Wolf nutzt die Zeit während der Busfahrt: schlafend.

Seit vier Jahren ist Kent Nagano nun bereits GMD des Bayerischen Staatsorchesters. Doch bereits in den Jahren davor hatte der kalifornische Dirigent verschiedene Posten an Orchestern in Europa inne. Johanna Kölmel hat nachgefragt, wie sich sein Blick auf die USA und auf Europa in dieser Zeit geändert hat.

Johanna Kölmel: Was haben Sie heute gefrühstückt?
Nagano: Eine starke Tasse Kaffee.
JK: Sie waren zehn Jahre in Lyon, Ihr erster Chefposten in Europa. Was waren Ihre ersten europäischen Eindrücke und sehen Sie heute einige Dinge anders?
Nagano: Ja. Ich war gleichzeitig in Manchester, also in England und in Frankreich, Paris, Lyon. Die Perspektive, wie ich von Europa zurück auf die USA schaue, hat sich geändert: 1989 war die Welt ganz anders als heute. Besonders eben die Wahrnehmung der USA, nicht alles wurde schlecht, nur anders; europäisch Denken hat eine gewaltige Entwicklung durchgemacht. Immerhin ist es zwei Jahrzehnte her, dass die Mauer fiel, vor nicht allzu langer Zeit hatten wir noch die Deutsche Mark.
JK: Nennen Sie Kalifornien Ihr Zuhause?
Nagano: Landschaftlich ist es meine Heimat, wir haben ein Haus in San Francisco. Emotional ist Deutschland meine Heimat, gleich danach kommt Paris. Ich fühle mich in Bayern zuhause.
JK: Gehen Sie zum Oktoberfest?
Nagano: Jedes Jahr!
JK: Verstehen Sie Bayerisch?
Nagano: Ein bisschen. In den Alpen allerdings nicht mehr. (lacht)

19. September: Rimini

Und auf geht’s von Frankreich nach Rimini.

Auf dem Weg über die Alpen: der Montblanc von oben


?
Hmm… Lecker Isolationsschlauch!

Kommentare

  • Am 25.09.2010 um 10:25 Uhr schrieb Berthold Paul

    Ich bin begeistert vom gestrigen Konzert in Hamburg mit Strauss und Bruckner 7.!! Wo sind die nächsten Konzerte??!
    Mein Frau und ich grüßen das Orchester und vor allem Maestro Nagano!!
    Herzl. Grüße Berthold und Ingeborg Paul aus Hamburg

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