Die Europatournee des Bayerischen Staatsorchesters, Teil I

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6.-8. September: Probenphase in München

Gleich geht die Probe los! Im Nationaltheater sind noch bis Mitte September die Sommerreparaturen im Gange, aber unter Tage, im 3. Untergeschoss des Probengebäudes, ist das Bayerische Staatsorchester bereits fleißig am probieren. Es bereitet sich unter der Leitung von GMD Kent Nagano auf die große Europatournee vor.

Pläne, Pläne, Pläne… Eine lange Reise mit so vielen Flügen, Zug- und Busfahrten will gut organisiert sein.

Und los geht’s: In etlichen Containern werden die Instrumente der Musiker, die Fräcke der Herren, Notenpulte und Basshocker transportiert. Mit dem LKW geht’s dann los auf die Reise.

Na, dann kann ja nix mehr schiefgehen. Zumindest für die Jungfrauen unter den Musikern…

9. September: Reise nach Wien

Erster Reisetag. Alle sind motiviert und (noch) gut gelaunt. :-)

Die Ruhe vor dem Sturm bzw. dem ersten Konzert beim Festival in Grafenegg. Wo Carerras gegessen hat, da lassen wir uns auch nieder. Ein Riesenschnitzel zur Stärkung vor Bruckner am kommenden Abend.

10. September: Wien – Grafenegg

Kent Nagano und Pianist Nikolai Lugansky im Auditorium Grafenegg beim Probieren…

…und nach dem Konzert. Unser erster Auftritt war ein gelungener Auftakt für die Tournee. Als Zugabe spielte Nikolai Lugansky das Intermezzo aus dem „Faschingsschwank aus Wien“ von Schumann. Das war genau der richtige traurig-schöne Abschied, denn leider spielen wir das Schumann-Klavierkonzert auf der ganzen Tournee nur einmal. Schade!

Allein, was hat es zu bedeuten, wenn ein Geiger mitten im 2. Satz von Bruckners 7. Symphonie einfach aufsteht und die Bühne verlässt? Hat er seinen Dämpfer vergessen? Oder hat er schlicht keine Lust mehr? Natürlich nicht – es war so: Unserem Konzertmeister Markus Wolf war die E-Saite gerissen. Er tauschte blitzschnell mit Aldo Volpini, der am Pult hinter ihm saß, die Geigen. Aldo ging hinaus, zog eine neue Saite auf und stahl sich nach dem 3. Satz wieder auf seinen Platz. Er gab Markus die „reparierte“ Geige (immerhin eine Stradivari) und erhielt seine eigene zurück. Die Leute in der ersten Reihe waren wohl ziemlich überrascht!

11. September: Essen

Wie entspannt eigentlich Kent Nagano auf so einer anstrengenden Tournee? Wir haben mal nachgefragt: „Wie Sie vielleicht gesehen haben, reise ich mit vielen großen Koffern; sie sind alle gefüllt mit Büchern und Partituren. Trotz ständiger Ortswechsel ist es seltsamerweise eine ruhige Zeit, in der ich Telefon, Fax und Computer entfliehe, lese und Partituren studiere. Ich bereite mich auf kommende Konzerte vor. Heute treffe ich meine Familie. Meine Frau kommt aus Düsseldorf, es ist also wie Heimkommen.“

12. September: Bonn

Thomas März ist Schlagzeuger beim Bayerischen Staatsorchester. In Bruckners 7. Symphonie hat er eine besondere Aufgabe: Er spielt mit seinem Becken genau einen Ton! So bereitet er sich vor: „Die ‘Wartezeit’ während des 1. Satzes, in dem ich nichts zu tun habe, ist oft anstrengender, als wenn man die ganze Zeit zu spielen hätte. Es ist aber genau Bruckners Absicht, die Spannung kontinuierlich zu erhöhen, die sich dann mit meinem Schlag im 2. Satz entlädt. Schrecksekunden entstehen, weil es dort vor dem tatsächlichen einen vermeintlichen Höhepunkt gibt, der zu Verwirrung führt. Muss ich noch spielen? Hätte ich schon spielen sollen? Oder reise ich lieber gleich ab? Ich habe diese Symphonie schon oft mit dem Bayerischen Staatsorchester spielen dürfen, und so weiß ich, dass bei wachem Geist der Einsatz überhaupt nur an einer Stelle möglich und sinnvoll ist. Ein absichernder Seitenblick auf meine Kollegen an Pauke und Triangel, die bis dahin im 2. Satz auch „tacet“ hatten, lässt uns gemeinsam mit dem Orchester den Höhepunkt spielen. Den Rest der Symphonie kann ich dann entspannt genießen.“

Bonn: Wieder Standing Ovations, wie auch schon in Essen. Und eine ganz besondere Freude: Kent Nagano wurde mit dem Wilhelm-Furtwängler-Preis ausgezeichnet. Wir gratulieren unserem Chef sehr herzlich!

Kommentare

  • Am 17.09.2010 um 11:19 Uhr schrieb Renate Weißenborn

    11.September 2010 - Kruppsaal der Philharmonie Essen - Kent Nagano und das Bayerische Staatsorchester = ein Hochgenuß !!!
    Es war für mich ein Abend, der mch in der Musik versinken ließ ! Bruckners 7. Sinfonie war einfach überwältigend schön - und die sanften Streicherklänge zu den "Metamorphosen" von Richard Strauss streichelten meine Sinne ! Das Publikum dankte es dem großartigen Klangkörper und seinem Dirigenten mit Standing Ovations.
    Herzlichen Glückwunsch an Kent Nagano zur Auszeichnung mit dem Wilhelm-Furtwängler-Preis !
    R.W.

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