Die erste Woche der Asien-Tournee

16.09.2017

Taipeh

Die Sommerpause des Staatsorchester ist auch in diesem Jahr etwas kürzer als üblicherweise. Am 6. September trifft sich das Bayerische Staatsorchester erstmalig wieder am Münchner Flughafen. Für manche ist es noch so, als ob die letzte Vorstellung erst vor einer Woche gewesen wäre. Doch es gibt viel zu erzählen und der eine oder andere Musiker kommt gar nicht erst zum Münchner Flughafen, sondern fliegt direkt aus dem Urlaub zu unserem ersten Ziel: Taipeh. Die Reise dauert insgesamt knappe 18 Stunden, die Zeitverschiebung liegt bei 6 Stunden, zum Glück bietet die Airline 295 Filme zur Auswahl an, da ist für jeden das passende dabei. Nach einer Zwischenlandung in Singapur kommen wir  schließlich abends im Hotel an und jeder hofft das richtige Heilmittel gegen den Jetlag zu haben. Die einen schlafen sofort, die anderen erkunden die Umgebung.

Am nächsten Tag heißt es schließlich gleich um 10 Uhr: Probe mit Kirill Petrenko. Und jeder weiß was da erwartet wird: Volle Aufmerksamkeit und 120 prozentige Konzentration. 

Immigration in Taipeh
Ankunft in Taipeh

Die National Concert Hall ist ca. 30 Minuten vom Hotel entfernt. Die - mit einer Karaoke-Anlage ausgestatteten - Busse bringen die Musiker zur ersten Probe. Wir staunen nicht schlecht, als wir vor dem Bühneneingang ankommen: Das Gebäude ist beeindruckend. Es ähnelt mehr einem buddhistischen Schrein oder Tempel als einem Konzertsaal. Doch keine Zeit für eine Besichtigung der Anlage (vis-a-vis gibt es einen genauso beeindruckenden Zwillingsbau, das National Theatre), denn der Saal muss getestet werden, man spielt sich ein. Unser Generalmusikdirektor kommt und es geht gleich los. Sofort wird alles abverlangt. Selbst die, die nicht schlafen konnten und daher besonders müde sind, werden wieder munter. Mahler, Beethoven, Rachmaninow. In zwei Proben wird alles komplett durchgespielt und an Details gefeilt, oft mehrere Minuten an einem einzigen Takt. Der Solist der Reise, Igor Levit, wird schnell Teil des Orchesters und die Proben lassen Gutes erhoffen. Was unvermittelt auffällt: Die taiwanesischen Organisatoren sind a) alle weiblich b) alle sehr jung und c) unendlich hilfsbereit und freundlich. Die Konzerthalle selbst ist zu Beginn noch gewöhnungsbedürftig, doch merken die Musiker, man hat hier viele Möglichkeiten, man muss sich nur darauf einstellen. 

Musiker des Bayerischen Staatsorchester bei der Probe: Guido Gärtner (Violine)
Tomoko Ishida (Violine)
Andreas Öttl (Trompete)
Benedikt Don Strohmeier (Violoncello)

Das erste Konzert überrascht dann vor allem wegen des Publikums. Es ist auffallend jung und sehr locker gekleidet. Manch einer gibt auch zu, noch nie etwas von Kirill Petrenko oder dem Staatsorchester gehört zu haben. Der Applaus kommt dann aber wie eine Welle an übersprühender Glückseligkeit ohne Hemmung auf das Orchester zu. Es wird gepfiffen, die Hände werden hochgeworfen und ja, manche umarmen sich sogar. Die erste Anspannung fällt ab, denn man merkt: Kirill Petrenko, Igor Levit und das Bayerische Staatsorchester funktionieren auch in Taipeh. Auch wenn manch einer noch nie was von uns gehört hat, spätestens jetzt weiß man auch in Taiwan Bescheid. Das zweite Konzert ist mindestens so erfolgreich, mit dem Unterschied, dass diesmal die Gäste schon beim Betreten der Konzerthalle selbst dem Merchandise-Team applaudieren, bevor das Konzert überhaupt gestartet ist. Unsere „Bayerische Staatsoper“-Umhängetaschen sind dann auch binnen 20 Minuten ausverkauft. Merke: Taiwanesen lieben Taschen!

In der freien Zeit zwischen den Proben wird so viel wie möglich erkundet. Tempel zwischen Hochhäusern, Night Markets, Restaurants oder eine Fahrt rauf auf den 101 Tower. Jeder ist fasziniert. Auch wenn nach drei Nächten noch immer der europäische Schlafrhythmus vorherrscht und viele unter dem Jetlag leiden, schließlich ist man nicht alle Tage in Taipeh. Das einzige, was nicht jeden begeistert, ist: Stinky Tofu. Da vergeht so manch einem Musiker die Essenslaune. Wir verraten nur so viel: Der Name ist Programm und verharmlost sogar noch!

Applaus für das Orchester und Kirill Petrenko nach Mahlers 5. Symphonie
Gäste in Taipeh mit dem Programmbuch des Abends
Der Park vor der Konzerthalle
Die wunderschöne Konzerthalle in Taipeh

Seoul

Nach vier Tagen Taipeh geht es dann weiter nach Seoul. Ungefähr 70 Musiker haben ihre Instrumente im Handgepäck. Wer auch immer vor der Asien-Tournee eventuell etwas nervös war wegen einer Reise nach Süd-Korea, hat spätestens jetzt alles vergessen. Die Erfahrungen und zeitlichen Abläufe lenken so sehr ab, dass jeder nur noch mehr sehen, spielen und erleben will.

Die Ankunft in Seoul überrascht dann auch aufs Neue. Die 8 Millionen-Einwohner Stadt nimmt sofort alle in ihren Bann. Gegen 19 Uhr schwirrt jeder aus in Restaurants in der Nähe des Hotels. 90% enden bei einem Korean BBQ. Die Bestellungen funktionieren zwar etwas holprig, da es kaum zu überwindende Sprachbarrieren gibt, aber schließlich beweisen alle ihr Scharade-Talent und werden mit exzellentem Essen beglückt.

Orchestermusiker beim Abendessen

Tag Sechs ist dann der erste komplett freie Tag. Sechs Musiker des Staatsorchesters nutzen den Tag und geben beim Goethe Institut von Seoul eine Meisterklasse für interessierte Musiker inklusive einem Konzert am gleichen Abend. Wieder andere nutzen die Zeit und üben im Hotel und so manchen Musiker trifft man bei einer Erkundungstour zwischen Königspalast und Seoul Tower. 

Meisterklasse des Bayerischen Staatsorchesters - Johannes Dengler (Horn)
Moritz Winker (Fagott)
David Schultheiß (Violine)
Casey Rippon (Horn)

Am nächsten Tag geht es dann weiter mit Mahler und Rachmaninow in der Concert Hall des Seoul Arts Center. Die Halle begeistert das Orchester umgehend. Auch wenn es diesmal nur 90 Minuten Zeit gibt, um die Akustik auszutesten und noch etwas an den Stücken zu feilen.

Das Publikum reagiert nochmal euphorischer auf unser Orchester, Petrenko und Levit. Der Applaus nach beiden Stücken gleicht fast dem eines Rock-Konzerts. Die überschwängliche Reaktion aus dem Publikum überträgt sich sofort auf die Musiker und so stört es dann fast gar nicht mehr, dass es am nächsten Tag heißt: Abfahrt um 6:45 Uhr Richtung Flughafen und Boarding nach Tokio.

Concert Hall, Seoul Arts Center
Kirill Petrenko (Generalmusikdirektor) und Igor Levit (Solist)
Koreanische Plakate
Kirill Petrenko (Generalmusikdirektor)

Ankunft in Tokio

Nach knapp zwei Stunden Flug kamen alle 93 Musiker und die dazu gehörenden Instrumente in Tokio an. Die meisten Musiker waren schon auf mehreren Tourneen in Tokio dabei und kennen die Stadt sehr gut, die Stimmung ist dementsprechend euphorisch. Es ist ein bisschen so, als ob man endlich wieder Freunde trifft, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. 

Auch die Tatsache, dass man ab jetzt die nächsten Wochen im gleichen Hotelzimmer verbringen kann, bringt eine gewisse Erleichterung und Ruhe.  Bei der Ankunft im Hotel treffen dann erstmals auf der Tournee Management, Chor, Orchester, Technik, Maske und Kostüm aufeinander, dazu kommen die Gesangssolisten von Tannhäuser und Zauberflöte. Die Reisegruppe besteht jetzt aus über 440 Mitarbeitern - die nächsten Wochen werden bestimmt turbulent... 

Fotos © Wilfried Hösl

Ankunft am Flughafen in Tokio
Skyline
Shibuya am Abend

Gaul, Fanny

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