Das Opernstudio-Tagebuch: „Welcome to L.A.“

02.01.2017

Johannes Kammler, (noch) Nachwuchssänger im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper, reist nach Los Angeles, um vier Konzerte unter der Leitung von Gustavo Dudamel zu singen. Für unseren Blog hat er den ersten Tagebucheintrag des Opernstudios geschrieben: Ein Reisebericht.

„Ladies and gentlemen, your flight to Los Angeles is now ready for boarding!“

Da saß ich nun. Bereit, ins Flugzeug zu steigen. Mein Konzertdebut in den USA stand bevor. Auf dem Programm: Joseph Haydns Schöpfung mit dem LA Philharmonic Orchestra mit Maestro Dudamel in der Walt Disney Concert Hall. Ich freute mich riesig auf die vier Konzerte und darauf, wieder mit Gustavo Dudamel arbeiten zu können. Ich hatte nämlich schon im Februar 2015 das Glück, mit diesem herausragenden Dirigenten in Venezuela zu gastieren – ebenfalls mit Haydns Schöpfung mit dem Simón Bolívar Sinfonieorchester in Caracas. Schon damals war ich von der lockeren und freundschaftlichen Art Dudamels angetan. Gepaart mit der Genialität seines Dirigats bietet er sozusagen ein „Rundumpaket“, mit dem es eine Freude hinter und auf der Bühne ist. Umso mehr ehrte mich die erneute Einladung seinerseits.

Am Flughafen in München
Los Angeles noch ganz klein...
Sommer im Winter: Das ist Los Angeles!
Kein Besuch ohne den Walk of Fame entlang geschlendert zu sein

Dreizehn lange Stunden später landete ich endlich in Kalifornien. Es war mein erstes Mal an der Westküste der Vereinigten Staaten. Ich konnte es kaum erwarten, neben den Proben und Konzerten auch die Stadt zu erkunden, die für mich ein Wahrzeichen des Amerikanischen Traums ist. Hollywood, Sommer (selbst im Winter), Sonne und Strand. Laut Probenplan hatte ich am folgenden Tag gleich frei. Die perfekte Gelegenheit also, erst einmal meinen touristischen „Pflichten“ nachzukommen. Neben den Highlights wie Hollywood, Hollywood Boulevard, Sunset Boulevard oder dem Hollywood Sign, fuhr ich auch ans Meer nach Santa Monica. Es war schon schön, dem deutschen Winter zu entkommen und bei rund 20 Grad am Pazifik die kalifornische Sonne zu genießen. Glücklich und mit vielen tollen Fotos auf meinem Handy war ich also bereit für die Proben.

Nach einer Klavierprobe am Dienstag sang ich zum ersten Mal am Mittwoch mit den Philharmonikern auf der eigentlichen Bühne. Ich war vom ersten Akkord an verzaubert: Das Zusammenspiel von Klang, Homogenität und der genialen Leitung Dudamels war unglaublich. Dementsprechend erfüllend waren auch die vier Konzerte, die für alle Beteiligten ein großer Erfolg waren und vom begeisterten Publikum mit tosendem Applaus und Standing Ovations belohnt wurden. Anfangs war ich ehrlich gesagt gespannt, ob vier Konzerte mit einem Oratorium von Haydn in Los Angeles ausverkauft werden könnten, aber das LA-Publikum war sehr interessiert und konnte – so mein Gefühl – gar nicht genug bekommen. Eine tolle Stimmung!

Los Angeles Philharmonic
Die Walt Disney Concert Hall befindet sich gleich neben der LA Opera
Die Solisten des Abends: Joshua Guerrero, Gustavo Dudamel, Rachele Gilmore, Johannes Kammler

Für einen jungen Sänger sind solche Meilensteine in der Karriere wie ein Konzertdebüt in den Vereinigten Staaten von Amerika extrem wichtig. Man weiß nie, wer im Publikum sitzt und einen vielleicht weiterempfiehlt oder gar selbst engagieren könnte. Solche „connections“ sind essentiell und können eine internationale Karriere fördern.

Meinen Aufenthalt und den langen Flug an die Westküste der USA wollte ich zudem dazu nutzen, verschiedene Vorsingen zu machen. Praktischerweise konnte ich an der LA Opera vorsingen, die sich gleich neben der Walt Disney Concert Hall befindet. Diese Vorsingen sind natürlich nie wirklich angenehm: Da wird man als Sänger in eine unnatürliche Situation geworfen, in einen Raum – oft eine Probebühne, manchmal die große Bühne –, den man vorher oft nicht gesehen und ausprobiert hat und muss vor einer Jury singen. „Zeige in zwei oder drei Arien dein Bestes!“ Das ist oft leichter gesagt als getan, vor allem wenn man den Jetlag berücksichtigt. Umso schöner, wenn einem die Opernhäuser, wie zum Biespiel die LA Opera, die Probebühne zum Einsingen zur Verfügung stellt, der Pianist kurz vorher vorbeischaut, um die Tempi der Arien zu klären, und die Jury unglaublich gut gelaunt und freundlich das Vorsingen angeht. Danke an dieser Stelle!

Die Skyline von New York
Die Metropolitan Opera in Weihnachtspracht
To Dos: Vorsingen an der Met. Check!
Touristenattraktion: Das Rockefeller Center

Außerdem habe ich - sozusagen auf dem Rückweg nach München - einen Zwischenstopp in New York City eingelegt, wo ich an der Metropolitan Opera vorgesungen habe und drei Tage einen Freund und Kollegen besucht habe. Schließlich bin ich nach zweiwöchigem US-Aufenthalt wieder gut und sicher mit vielen fantastischen Eindrücken und Erinnerungen im Gepäck in München gelandet.

Zurück

Kommentare

  • Am 04.01.2017 um 09:13 Uhr schrieb Anita Protzak

    Danke

    für den informativen Beitrag. Die Konzerte mit dem Opernstudio in München bereiten mir immer viel Freude.Ich wünsche weiterhin viel Glück und Erfolg.

Neuer Kommentar