Aufgehängt! Unsere Plakatserie 2017/18

26.10.2017

Unter einem großen schwarzen Tuch kauert ein unbekleideter Mensch, ansonsten umgibt ihn nichts: Das Plakatmotiv zur Neuproduktion von Mozarts Le nozze di Figaro ist jetzt im Münchner Stadtbild und natürlich auch an der Fassade der Bayerischen Staatsoper zu sehen. Es ist das erste innerhalb einer in sich geschlossenen Plakatserie, die bis Ende Juli die Neuproduktionen der Bayerischen Staatsoper begleitet. Sechs weitere Motive werden folgen und das Saisonthema „Zeig mir deine Wunde“ illustrieren. Mit unserer Bilddramaturgin Julia Schmitt haben wir über Entstehung und Gestaltung der Poster gesprochen.

„Stilistisch bilden alle Motive einen starken Kontrast zu den Werken von Georg Baselitz, die wir für die Jahresvorschau ausgesucht haben.“ Baselitz, der auch das Bühnenbild der Festspiel-Neuproduktion von Richard Wagners Parsifal gestaltet, impliziert mit dem Pinselstrich die Verletzlichkeit, die in „Zeig mir deine Wunde“ steckt. „Für die Plakate haben unsere Grafiker vom Bureau Borsche computergenerierte Oberflächen von Menschen geschaffen, die durch simulierte Lichtreflexe und auf Silberpapier gedruckt plastisch überhöht werden.“ Sie sind allesamt als Metapher für eine Unnahbarkeit, eine Perfektion zu verstehen, hinter der sich immer eine Wunde verbirgt.

Jede auf den Plakaten gezeigte Figur kann durch ihre unverwechselbare Pose dem Kern der jeweiligen Oper zugeordnet werden.  Die erste Figur steckt unter einem großen Tuch, gibt sich nicht zu erkennen, denn  Le nozze di Figaro ist ein Paradestück über die Strategien des Verhüllens, des Verbergens, ein Werk über Intrigen und Doppelgesichtigkeit.

„Die gesamte Plakatserie ist auch eine fortlaufende Fabel über den Menschen per se“, erklärt Julia Schmitt, „inspiriert von Parsifal und Amfortas“. Sie skizziert die Wunden der gesamten Menschheit. Im Laufe der nächsten Monate richtet sich die anfänglich unter dem Tuch kauernde Figur langsam auf, um sich zum Saisonende in seiner Gänze dem Gegenüber zu offenbaren und damit verwundbar zu machen.  „Nach der Parsifal-Premiere tritt die Figur wieder ab und hinterlässt eine Spur, wir verstehen sie als Narbe. Es ist das Tuch.“

Alle Plakatmotive sind ab sofort einzeln oder als Serie im Opernshop erhältlich.

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